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Google- und Amazon-Apps

Alphabet contra Amazon

Der Kampf der Titanen

von Notker Blechner

Stand: 28.04.2017, 11:48 Uhr

Die Aktien der beiden US-Hightech-Riesen Alphabet und Amazon liefern sich derzeit ein spannendes Wettrennen auf dem Weg zur magischen Marke von 1.000 Dollar. Wer hat die besten Chancen, als erster den Gipfel zu erobern?

"Kursziel Dausend"- was einst Bernd Förtsch für die Aktien von Morphosys prophezeite, könnte bald bei Alphabet und Amazon Realität werden. Die beiden Tech-Aktien eilen von Rekordhoch zu Rekordhoch. Die Titel von Amazon haben in den letzten zwölf Monaten über 40 Prozent gewonnen und gerade eine neue Bestmarke von 918,38 Dollar erklommen. Nachbörslich stiegen die Aktien auf 951 Dollar.

Und die Papiere des Google-Mutterkonzerns Alphabet haben auf Ein-Jahres-Sicht über 26 Prozent zugelegt und jüngst mit 891,44 Dollar ein neues Rekordhoch markiert. Nachbörslich kletterte die C-Aktie auf 920 Dollar.

Amazon wächst schneller als Alphabet

Geht die Dynamik so weiter, dürfte tatsächlich Amazon als erster die 1.000-Dollar-Schwelle überschreiten. Zumal der Online-Händler stärker wächst als Alphabet. Im ersten Quartal steigerte Amazon den Gewinn um 41 Prozent und den Umsatz um 43 Prozent. Bei Alphabet betrug das Umsatzplus "nur" 22 Prozent und das Gewinnwachstum 29 Prozent.

Viele Experten trauen denn auch Amazon an der Börse mehr zu. Marketwatch-Kolumnist Cody Willard zum Beispiel sieht langfristig ein größeres Aufwärtspotenzial bei Amazon. Der Konzern von Jeff Bezos werde der erste "Billionen-Konzern" der Welt werden, also das erste Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von über einer Billion Dollar. Denn Amazon habe mit dem Sprachassistenten Alexa den mobilen Zukunftstrend der sprechenden Smartphones erkannt. "Künftig werden wir lieber mit unseren Smartphones reden und ihm Fragen stellen als im Internet die Suchfunktion über Google nutzen", glaubt er.

Online-Shopper bevorzugen Amazon

Tatsächlich gewinnt Amazon bei jungen Zielgruppen zunehmend an Beliebtheit. Laut einer Studie von Raymond James nutzen inzwischen 52 Prozent von Online-Shoppern Amazon für die Suche eines Produkts, das sie kaufen wollen. Auf eine Internet-Suchmaschine wie Google greifen nur 26 Prozent der Nutzer zu. Bei den 18- bis 29-jährigen Online-Shoppern ist die Präferenz für Amazon noch größer. 62 Prozent gehen zuerst auf Amazon, und nur 21 Prozent nutzen eine Internet-Suchmaschine.

Amazon ist inzwischen nicht mehr nur ein reines Internet-Kaufhaus. Mit der Cloud-Plattform Amazon Web Services (AWS) erwirtschaftet der Online-Riese inzwischen schon Milliarden-Erlöse. Im ersten Quartal kamen hier 3,7 Milliarden Dollar zusammen. Ein weiterer Wachstumstreiber ist Amazons Prime-Service, der Nutzern für eine Abo-Gebühr Zugang zu Musik- und Video-Streaming bietet.

Revolution mit Alexa?

Nicht nur im Cloud-Geschäft, sondern auch im Smart-Home-Bereich macht Amazon Alphabet zunehmend Konkurrenz. Der Sprachassistent "Alexa" könnte zu einer Art Schaltzentrale im vernetzten Haus werden, in dem viele Dinge wie Lichtschalter und Thermostate mit dem Internet verbunden sind. Bisher hatte hier Google mit Nest den Ton vorgegeben. Das dürfte sich nun ändern.

Alphabet C: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
830,20
Differenz relativ
-0,55%

Allerdings ist der Alphabet-Konzern im "Internet der Dinge" bislang noch breiter aufgestellt als Amazon. Die Google-Mutter entwickelt selbstfahrende Autos und Drohnen, baut Smartwatches, tüftelt an intelligenten Computer-Brillen und mischt beim Mobile Payment mit.

Credit Suisse traut Alphabet mehr zu

Anders als Amazon macht Alphabet den Löwenanteil seines Geschäfts mit Werbung. Und profitiert von einer zunehmenden Verlagerung der Anzeigen auf mobile Geräte. Experten sehen hier vor allem die Google-Tochter YouTube als großen Trumpf. Das kürzlich angekündigte YouTube TV könnte Alphabet in Zukunft einen deutlichen Wachstumsschub geben, glaubt Stephan Ju, Analyst der Schweizer Großbank Credit Suisse. Der kostenpflichtige Streaming Service des Videoportals sei eine Kampfansage von Alphabet an das Kabelfernsehen in den USA. Abonnenten können über Googles Videoplattform neben den bereits bekannten Gratis-Inhalten auch 60 zusätzliche Kabelsender empfangen. Zudem konkurriert YouTube TV mit Amazon.

Credit-Suisse-Experte Ju sieht deshalb kurz- und mittelfristig mehr Kurspotenzial für die Alphabet-Aktie. Er hat die Aktie auf "Outperform" gestellt. Als Kursziel nennt er 1.100 Dollar. "Alphabet Dausend" zum Mitsprechen…

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Das Google-Universum

Mehr als eine Suchmaschine

Total vernetzt im Google-Netz

Google ist eine Krake, die ein allumfassendes Netz knüpft und stetig erweitert. In der Google-Welt wird alles vernetzt: Uhr, Wohnzimmer, Auto - alles auf Basis des dominierenden Smartphone-Betriebsystems Android und mithilfe miniaturisierter Computer, die mit Sensoren Geräte intelligent machen. Das soll den Alltag erleichtern. Das Google-Handy weiß, wo sich der Nutzer gerade aufhält und wie es helfen kann. Es liefert von sich aus die passenden Informationen zur richtigen Zeit, zeigt zum Beispiel den Weg zum geparkten Auto oder bietet Infos zum Kinofilm, über den man gerade spricht. Google will eine zentrale Rolle im so genannten "Internet der Dinge" spielen.

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Das Amazon-Imperium

Mehr als ein Buchhändler

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Amazon.com

Amazons "Herzstück" ist der Online-Marktplatz. Damit ist Amazon groß und weltbekannt geworden. Er ist, was bei Google die Suchmaschine ist. Angefangen hatte alles als Internet-Buchhändler. 1995 wurde das erste Buch über amazon.com verkauft. Mittlerweile gibt es kaum noch etwas, das man hier nicht kaufen kann.

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