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Stahl

Arcelor Mittal-Werk in Hamburg

Kapitalerhöhung und Dividendenausfall

Der blanke Horror für ArcelorMittal

Stand: 05.02.2016, 10:10 Uhr

Die Krise auf dem weltweiten Stahlmarkt hat auch Branchengröße ArcelorMittal fest im Griff. Nach einem Millardenverlust im vergangenen Jahr zieht das Unternehmen jetzt die Reißleine. Die Aktionäre müssen bitter bluten.

Das Zahlenwerk des Branchenprimus mit Sitz in Luxemburg ist auch für Hartgesottene starker Tobak. Denn der Konzern weist für das Gesamtjahr einen Verlust von 7,9 Milliarden Dollar aus. Besonders hart kam es im vierten Quartal. Wegen hoher Abschreibungen stand ein Verlust von 6,69 Milliarden Dollar in den Büchern.

Auch operativ lief es deutlich schlechter. Der Umsatz sank um ein Fünftel auf 63,6 Milliarden Dollar und das Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank um zwei auf 5,2 Milliarden Dollar. Besserung ist nicht in Sicht, im Gegenteil. Für das laufende Jahr wird nur noch ein Ebitda von 4,5 Milliarden Dollar erwartet.

Reißleine gezogen

Die bedrohliche Entwicklung führt jetzt dazu, dass das Unternehmen die Reißleine zieht. Beschlossen wurde eine Kapitalerhöhung im Volumen von drei Milliarden Dollar, zudem wird keine Dividende gezahlt. Außerdem wird eine Minderheitsbeteiligung am Autozulieferer Gestamp im Wert von einer Milliarde Euro verkauft. Mit dem Erlös von vier Milliarden Dollar sollen die Schulden des Konzerns unter zwölf Milliarden Dollar gedrückt werden. Die Familie MiIttal hält noch knapp 41 Prozent der Anteile. Der Großteil ist mit 56,67 Prozent in Streubesitz.

Überproduktion drückt die Preise

Ursache für die Misere bei Arcelor, wie auch bei anderen Stahlproduzenten, ist die Überproduktion auf dem Weltmarkt, die die Preise drückt. Schlüsselland ist dabei China, das sich vom einstigen Importeuer zum weltgrößten Produzenten gewandelt hat. Die Überschüsse werden auf den europäischen und nordamerikanischen Markt geworfen und lassen mittlerweile Rufe nach Dumping-Zöllen in der EU lauter werden.

Aktie ist ein einziges Jammertal

Das Arcelor-Papier kommt am Morgen heftig unter Druck. In der Spitze lag der Verlust schon im prozentual zweistelligen Bereich, aktuell gibt die Aktie noch gut sieben Prozent nach. Das Papier nähert sich damit seinem Fünf-Jahres-Tief bei 3,04 Euro aus dem Januar.

Schlimmer noch als der heftige Tagesverlust ist der Blick auf den mittel- und langfristigen Chart. Dieser kennt mit kurzen Unterbrechungen nur einen Weg, den nach unten. Vor der Finanzkrise stand die Aktie bei 66 Euro, aktuell liegt der Kurs nur noch bei 3,40 Euro. Selbst eine Bodenbildung zeichnet angesichts immer neuer Tiefstände nicht ab.

rm

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