Alte Frauenhände mit Geld

Dividenden auf Rekordniveau Dax-Konzerne in Geberlaune

Stand: 20.03.2017, 12:02 Uhr

In Zeiten niedriger Zinsen steigen für 2016 die Ausschüttungen der börsennotierten deutschen Unternehmen auf neue Rekordstände. Im Dax ist es so viel wie nie zuvor und ein Ende des Geldregens ist nicht in Sicht.

Hand mit Beutel und

Dividende. | Bildquelle: colourbox.de

Insgesamt 31,7 Milliarden Euro schütten die 30 im Leitindex Dax vertretenen Unternehmen für das vergangene Geschäftsjahr aus. Dies hat die Beratungsgesellschaft EY in einer Studie errechnet, die heute vorgestellt wurde. Eine Rekordsumme zudem - neun Prozent mehr als im Vorjahr (für 2015) und sieben Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr 2015 mit 29,8 Milliarden Euro.

2017 soll das so weitergehen

Ein Ende des üppigen Geldregens scheint zudem nicht in Sicht. Im Ausblick für das laufende Jahr gibt sich EY-Experte Mathieu Meyer zuversichtlich. "In diesem Jahr dürfte zudem der schwache Euro Rückenwind geben, was sich auch positiv auf die Gewinnsituation der Unternehmen auswirken kann und auf ihre Möglichkeit, attraktive Dividenden zu zahlen."

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Dabei wäre sogar noch mehr drin gewesen, denn die Gewinne der im Dax vertretenen Schwergewichte steigen insgesamt um 15 Prozent auf 55,6 Milliarden Euro. Die Ausschüttungsquote aber sinkt im Vergleich zum Vorjahr von im Schnitt 59,4 auf 55,9 Prozent. Trotz Rekordniveau bei den Ausschüttungen sind die Unternehmen also etwas vorsichtiger geworden. "Das deutet darauf hin, dass die Unternehmen trotz guter Finanzlage vorsichtig bleiben und darauf achten wollen, ausreichend liquide Mittel vorzuhalten", so Meyer weiter.

Nicht alle waren dabei

Markus Gürne

Dividenden-Regen für die Aktionäre

Zur Wahrheit gehört inmitten der Jubelstimmung aber auch, dass nicht alle Aktionäre von den hohen Ausschüttungen profitieren. So gehen die Commerzbank-Aktionäre mal wieder leer aus. Dies, nachdem das Geldhaus erst im vorigen Jahr ihre Dividendenzahlung wieder aufgenommen hat. Die Deutsche Bank, die eigentlich gar nichts zahlen wollte für 2016 und aktuell einen üppige Kapitalerhöhung durchzieht, schüttet jetzt nur eine Minidividende von 19 Cent aus.

Aus dem Versorgersektor kommen in Zeiten des Atomausstiegs ebenfalls schlechte Nachrichten. RWE streicht für 2016 die Dividende auf die Stammaktien komplett und zahlt auf die Vorzüge nur eine Minidividende von 13 Cent. Branchenkollege Eon streicht die Dividende zwar nicht komplett, aber ebenfalls kräftig um 58 Prozent auf 21 Cent. Banken und Versorger bleiben auch weiterhin die Sorgenkinder der Dividendenstrategen.

Krösus ist hingegen Autobauer Daimler, der insgesamt 3,48 Milliarden Euro oder 3,25 Euro je Aktie ausschüttet. Damit ergibt sich eine Dividendenrendite von aktuell 4,56 Prozent. Knapp dahinter folgt Europas größter Versicherungskonzern, die Allianz. Absolut werden 3,46 Milliarden Euro ausgeschüttet oder 7,60 Euro je Aktie. Daraus ergibt sich derzeit eine Rendite von 4,46 Prozent. Branchenkollege Münchener Rück zahlt mit 8,60 Euro die absolut höchste Dividende im Dax, die Rendite liegt sogar bei 4,77 Prozent. Attraktive Werte in Zeiten, in denen zehnjährige Bundesanleihen noch nicht mal ein halbes Prozent Rendite abwerfen. Insgesamt 23 Dax-Unternehmen haben für 2016 ihre Dividende erhöht, 19 davon schütten sogar Rekorddividenden aus.

Risken nicht ausblenden

Aber Vorsicht: Im Gegensatz zum meist festen Kupons einer Anleihe sind Dividenden nicht in Stein gemeißelt, sondern abhängig vom Geschäftserfolg des Unternehmens. Anders ausgedrückt, der Aktionär ist Unternehmer, der Inhaber eines Rentenpapiers hingegen Gläubiger.

Mit der Unternehmerrolle tun sich aber viele Deutsche schwer. Anders als in den angelsächsischen Ländern, wo breite Teile der Altersversorgung auf Aktien aufgebaut sind, scheuen die Deutschen die Risiken. Nur jeder siebte Bundesbürger hält Aktien, so die neuesten Zahlen des Deutschen Aktieninstituts (DAI). Absolut ist deren Zahl mit 8,98 Millionen im vergangenen Jahr unter die Marke von neun Millionen gesunken. Noch immer wirken der Verfall der als Volksaktie gepriesenen Telekom-Aktie und die Totalverluste des Neuen Marktes zur Jahrtausendwende nach.

ARD-Börsenstudio Radio Hörfunk Frankfurter Börse Dorothee Holz

Börse 11.00 Uhr: Rekorddividenden bei Dax-Konzernen

Der Bankenverband BdB mahnt: "Wer Aktien kauft, obwohl er das Geld kurzfristig wieder benötigt, geht ein großes Risiko ein." Die Betonung liegt hier auf 'kurzfristig'. Mittel- bis langfristig böten Aktienanlagen bessere Renditechancen, so der Verband weiter. Das Groß der Geldanlagen der Deutschen liegt mit zwei Billionen Euro ohnehin auf den (Spar)-Konten der Banken - trotz Nullzins. In Wertpapieren sind nur 900 Milliarden Euro angelegt.

rm

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Dogs of the Dax 2017 Ganz dicke Dividenden

1. Münchener Rück: 4,77%: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

1. Münchener Rück: 4,77%

Eine Aktie für Dividendenjäger par excellence ist die Münchener Rück mit ihren annähernd 4,8 Prozent Dividendenrendite, basierend auf dem Schlusskurs vom 23.3.2017. Der Versicherer erhöht für 2016 die Zahlung von 8,25 auf 8,60 Euro pro Aktie. Absolut betrachtet ist es die höchste Ausschüttung je Aktie im Dax.

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