Frau mit Fernglas

Fast 800 Pluspunkte seit Mitte April Droht das Aus für die Hausse?

Stand: 14.05.2017, 12:29 Uhr

Wie hoch wird der Dax denn noch steigen? So langsam gerät die 13.000 ernsthaft in den Blick der Investoren. Die Chancen für weitere Gewinne stehen zwar nicht schlecht, aber vielleicht ist jetzt erst mal eine Pause angesagt.

In der vergangenen Woche hatte der Dax insgesamt um 0,4 Prozent zugelegt. Am Freitag war er mit einem Aufschlag von 0,5 Prozent bei 12.770,41 Punkten aus dem Handel gegangen. Das sind nur wenige Punkte unter dem Rekordhoch bei 12.783 Zählern. Werden auch kommende Wochen wieder die Sektkorken knallen?

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Dax
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Zeit zum Durchatmen


Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers, ist zwar optimistisch, bleibt aber trotzdem erst einmal zurückhaltend: "Die Märkte sollten die Zeit bis zu den nächsten politischen Top-Ereignissen und den wichtigen Notenbanksitzungen im Juni zum Durchatmen nützen. Dann könnten die Weichen für den Sommer gestellt werden." Im Juni finden Parlamentswahlen in Frankreich und Großbritannien statt.

Theresa May

Theresa May. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Im Augenblick ist so ein bisschen die Frage, was den Aktienmarkt nach der jüngsten Rally weiter nach vorne treiben kann. Seit Mitte April hat der Dax fast 800 Punkte zugelegt. Wer auf Sell in May gesetzt hat, der dürfte sich ärgern. Wir hatten das Thema hier ausführlich besprochen.

Bereits hohe Bewertungen

"Die Stimmung ist zwar noch prächtig, doch wirkliche Argumente für einen weiteren Kurssprung fehlen ein wenig", kommentierte Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. Er hält Gewinnmitnahmen für möglich: "Wundern sollte dies angesichts des Rally-Tempos niemanden."

Joachim Goldberg. | Bildquelle: Unternehmen

Möglicherweise würden Investoren Rücksetzer aber zum Nachkauf nutzen, meint Anlage-Experte Joachim Goldberg von der Beratungsfirma Goldberg und Goldberg. "Und zwar eher früher als später." Goldberg unterstreicht aber auch: "Alles scheint eingepreist. Das Frankreich-Risiko ist abgehakt, die Aktien-Bewertungen sind für viele Analysten zu hoch, positive ökonomische Überraschungen eher schwierig und was aus den USA an frischen positiven Impulsen kommen soll, ist für viele Akteure mit einem Fragezeichen versehen."   

Bald jenseits der 13.000?

Insgesamt sind Fachleute aber weiterhin überwiegend optimistisch: Anlagestratege Carsten Klude von der Bank MM Warburg rät: "Unseres Erachtens nach signalisieren die fundamentalen Rahmenbedingungen, dass Anleger dem Aktienmarkt noch die Treue halten sollten." Er traue dem Dax dank der sprudelnden Unternehmensgewinne Ende 2017 nun einen Stand von 13.400 zu. Zuvor hatte das Kursziel bei 12.800 gelegen.  

Carsten Klude M. M. Warburg

Carsten Klude M. M. Warburg. | Bildquelle: M.M.Warburg & CO

Das Weltkonjunkturklima zeige sich trotz verhaltener Trumponomics robust, meint Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank. "Begleitet wird diese Entwicklung von steigenden Unternehmensgewinnen und der relativen Stärke konjunkturzyklischer und europäischer zu US-Aktien." Von dieser realwirtschaftlichen Stabilisierung erhielten laut Halver insbesondere konjunkturzyklische Aktien weltweit Auftrieb.

Konjunkturstabilisierung der Eurozone

Die Berichtssaison hat ihren Zenit überschritten. Auch deshalb wird die Konjunktur wieder eine wichtigere Rolle spielen. Impulse könnten beispielsweise vom ZEW-Index am Dienstag kommen. Nach Einschätzung der Postbank-Experten ist für den Monat Mai zwar eine Verbesserung zu erwarten, doch keine Euphorie.

EZB-Gebäude am frühen Morgen

EZB-Gebäude. | Bildquelle: picture alliance / dpa

In den USA steht am Montag der Konjunkturindex der Federal Reserve Bank von New York auf der Agenda. Am Tag darauf folgen die Zahlen zur Industrieproduktion sowie am Donnerstag die Frühindikatoren. In Europa werden Zahlen zu Wirtschaftswachstum, Inflation und Verbrauchervertrauen vorgelegt. Starke Ergebnisse könnten die Diskussion um eine nahende Straffung der Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank (EZB) neue Nahrung geben.

Das muss kein Schaden seien, meint Halver: Jede weniger üppige Geldpolitik würde als Beweis für eine Konjunkturstabilisierung der Eurozone und damit fundamentales Aktienargument aufgefasst, so der Experte.

ts

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