Hingucker der Woche

Der Mai: Wonne- oder Wolkenmonat? Die Stille nach der Rekordjagd

Stand: 01.05.2017, 12:08 Uhr

Fachleute rechnen nicht unbedingt damit, dass die Anleger auch in der kommenden Woche am Aktienmarkt wieder beherzt zugreifen. Die Stichwahl in Frankreich rückt näher. Außerdem spricht eine alte Börsenweisheit dafür, sich derzeit zurückzuhalten.

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.592,35
Differenz relativ
-0,06%

In der vergangenen Woche gewann der Dax 3,5 Prozent und verbuchte damit den größten Wochengewinn des Jahres. Bei 12.486,29 Punkten erreichte er ein Allzeithoch. Der Rekord ist noch in Reichweite. Am Freitag ging der deutsche Leitindex etwas leichter bei 12.438 Punkten aus dem Handel. Jetzt werden sich die Investoren aber die Frage stellen, ob weitere Käufe auf diesem hohen Kursniveau noch sinnvoll sind, zumal am kommenden Sonntag in Frankreich das Finale der Präsidentschaftswahlen stattfinden wird.     

Bitte keine bösen Überraschungen

Viele Investoren dürften sich gerade jetzt an die Saisonalität erinnern: Sell in may and go away ist eine alte Börsenweisheit, die immer wieder gern zitiert wird. „Das bekannte Börsen-Sprichwort liegt in diesen Tagen wieder in aller Munde“, schreibt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers. Die zuletzt guten Makro- und Unternehmenszahlen-Trends sprächen aber bisher nicht dafür, dass der Mai seinem Ruf als gefährlicher Börsenmonat gerecht werde, solange böse Überraschungen ausbleiben, so Greil in seinem Wochenausblick.

Auch die Redaktion von boerse.ARD.de hat sich mit diesem Thema eingehend befasst. Lesen Sie hier, warum „Sell in May“ dieses Jahr eine schlechte Idee sein könnte.  

Auf die Auswahl kommt es an

Jochen Stanzl, Marktbeobachter von CMC Markets ist dagegen der Ansicht, dass sich Investoren in den kommenden Wochen an die Börsenweisheit "Sell in May and go away" halten. Erst nach einem Kursrücksetzer könne mit ihrem Wiedereinstieg gerechnet werden, vermutet Stanzl.

Auch einige andere Fachleute weisen auf die bereits hohen Bewertungen hin: "Neue Anleger kommen auf dem aktuellen Kursniveau nicht in den Markt", sagt Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. "Der Optimismus der Anleger geht langsam zurück." „Die inzwischen hohe Bewertung der Aktien macht eine selektive Aktienauswahl noch bedeutsamer“, schreiben die Experten der Commerzbank in ihrem Wochenausblick: „Wir bevorzugen weiterhin Unternehmen, die restrukturieren, einen hohen Marktanteil in den USA aufweisen und deren Ertrag positiv auf einen stärkeren US-Dollar reagiert.“  

ARD-Börsenstudio: Mischa Ehrhardt

ARD-Börse: Nationaler Wochenrückblick

Quartalsberichte als Kurstreiber?

Es brauche frische Argumente, um auf einem Allzeithoch weiter zuzugreifen, schreiben die Charttechniker von HSBC in einem Marktkommentar. Die laufende Berichtssaison könne laut HSBC eventuell solche Argumente liefern.  Am wird beispielsweise Apple den Quartalsbericht vorlegen. In Deutschland wird der Donnerstag mit Zahlen von Siemens, Adidas, Infineon und BMW einen Höhepunkt darstellen. Aber auch an den anderen Tagen wird allerhand geboten.

Tagung des FED-Vorstandes

FOMC: Die Fed tagt am Mittwoch. | Bildquelle: Federal Research Bank

Die US-Notenbank Fed wird am Mittwoch das bestimmende Thema sein. Das Bankhaus Metzler rechnet damit, dass die Währungshüter zwar noch keinen weiteren Zinsschritt nach oben beschließen. Chefvolkswirt Edgar Walk hält es aber für wahrscheinlich, dass sie die Akteure am Finanzmarkt auf einen solchen Schritt im Juni vorbereiten werden.

Jede Menge Konjunkturzahlen

Dollarnote liegt in einem Einkaufswagen

Shopping to make America great again!. | Montage: boerse.ARD.de, colourbox

Ob das der Fall sein wird, dürfte auch von aktuellen Konjunkturdaten abhängen. Robert Greil spricht gar von einem Feuerwerk und fasst zusanmmen: „Am Montag kommen aus den USA Konsumausgaben und der ISM-Stimmungsbericht für die Industrie, bevor am Dienstag der Arbeitsmarktbericht für die Eurozone für März sowie Einkaufsmanagerindizes in Großbritannien und Japan folgen. Am Mittwoch steht Eurolands Bruttoinlandsprodukt für das erste Quartal im Fokus – flankiert vom deutschen April-Arbeitsmarktbericht und der ISM-Umfrage für den Dienstleistungssektor in Amerika. Es folgen die US-Auftragseingänge und Eurolands Einzelhandelsumsätze – beide für März – am Donnerstag, bevor am Freitag der US-Arbeitsmarktbericht für April die Datenwoche abschließt.“

ts

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