Frau mit Fernglas

Vor dem Hexensabbat und der Fed-Zinsentscheidung Dax: Sommerhitze oder Abkühlung?

Stand: 11.06.2017, 11:41 Uhr

Während einige Fachleute nun endlich die lange prognostizierte Korrektur erwarten, raten andere Experten dazu, sich auf neue Dax-Rekorde einzustellen. Lassen wir uns überraschen!

In der vergangenen Woche hatte der Dax ungefähr auf der Stelle getreten und war am Freitag mit einem Aufschlag von 0,8 Prozent auf 12.815,72 Zählern aus dem Handel gegangen. In den USA schafften es alle wichtigen Indizes im frühen Handel auf Rekordstände. Doch anschließend zollte vor allem die Technologiebörse Nasdaq ihrer starken Entwicklung Tribut und rutschte tief in die Verlustzone.

Auf Wochensicht legte der Dow 0,3 Prozent zu, während S&P und Nasdaq um 0,3 beziehungsweise 1,55 Prozent nachgaben. Trotzdem hoffen die Anleger auf eine Fortsetzung des starken Laufs am deutschen Aktienmarkt in der neuen Woche.

Nasdaq Composite: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
6.447,64
Differenz relativ
-0,21%
Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
22.375,08
Differenz relativ
+0,02%
Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
12.569,17
Differenz relativ
+0,06%

Höchststände bald wieder im Visier?

Ein Argument für steigende Kurse ist für einige Marktbeobachter der Ausgang der britischen Parlamentswahl: "Die Aussicht auf einen weicheren Brexit stärkt Eurolands Aktienmärkte“, meint Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers. "Kurzfristig sorgt das Ergebnis der britischen Parlamentswahl für Entspannung", sagt auch Aktienstratege Tobias Basse von der NordLB. Allerdings warnt er: "Mittelfristig bleiben aber die Unsicherheitsfaktoren."

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Wohin geht der Aktienmarkt? Pro und Contra

Pro und contra steigende Aktienkurse

Pro und contra steigende Aktienkurse

Diese Frage stellt sich in diesem atemlosen Rekordlauf jeder Anleger. Wir haben zwar keine Glaskugel. Für eine fundierte Entscheidung ist es aber immer hilfreich, sich die wesentlichen Pro- und Contra-Argumente vor Augen zu führen.

Auch Thilo Müller, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft MB Fund Advisory, ist optimistisch: "Der Dax hat in den vergangenen Handelstagen locker zahlreiche negative Nachrichten weggesteckt", "Man muss kein Prophet sein, um zu erwarten, dass in den nächsten Tagen zumindest die alten Höchststände wieder ins Visier genommen werden könnten", lautet seine  Einschätzung.

Theresa May

Theresa May. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Einerseits sei der deutsche Leitindex aktuell nicht weit entfernt von seiner jüngsten Bestmarke bei 12.878,59 Punkten. Andererseits verwies Müller auf die erwarteten dünnen Handelsumsätze, denn an Fronleichnam am Donnerstag bleibt die Börse geöffnet. Kursausschläge nach oben oder unten können so kräftiger ausfallen. "Zudem weisen die wirtschaftlichen Frühindikatoren weltweit weiter nach oben, und für deutsche Unternehmen werden zurzeit die Gewinne weiter nach oben revidiert, so dass es auch von der Bewertungsseite her grünes Licht gibt", ergänzte Müller.

Unübersehbare Überhitzung

Die Fachleute der Helaba sind hingegen eher skeptisch und scheinen die Lage genau umgekehrt zu betrachten: Trotz mancher Anlässe sei eine Korrektur an den Aktienmärkten bislang ausgeblieben, schreiben sie in einem aktuellen Marktkommentar. "Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Zyklusstadium, hohe Bewertungen und extreme Gelassenheit sprechen weiterhin für Kursrückschläge", so die Einschätzung.  

 Carsten Mumm, Chef-Analyst des Bankhauses Donner & Reuschel, mahnt ebenfalls zur Vorsicht. Die Überhitzung der Märkte sei nicht zu übersehen. "Dies gilt sowohl für Übersee als auch für Europa." Anlage-Experten Joachim Goldberg von der Beratungsfirma Goldberg und Goldberg sieht sogar Anzeichen für einen nachlassenden Zufluss ausländischen Kapitals, von dem die europäischen Aktien zuletzt deutlich profitiert hätten.

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ARD-Börse: Nationaler Wochenrückblick

Hexensabbat und Treffen der Fed

Vor allem zwei wichtige Ereignisse stehen in der kommenden Woche an, die auf jeden Fall für Bewegung sorgen könnten. Zum Hexensabbat am Freitag könnten Aktienkurse und Indizes noch etwas kräftiger als üblich schwanken – auch in den Tagen davor. Während des großen Verfallstags an den Terminbörsen laufen Futures und Optionen auf Indizes und Aktien aus.

Janet Yellen

Janet Yellen. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Und am Mittwoch dürfte die US-Notenbank Fed die zweite Zinserhöhung in diesem Jahr verkünden. Experten rechnen nach jüngsten Signalen der Währungshüter fest damit, dass der Schlüsselsatz für die Versorgung der Banken mit Geld am Mittwoch um einen Viertel-Prozentpunkt angehoben wird - auf die dann neue Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent. Nach jüngsten Daten des Fed-Barometers der Terminbörse CME taxieren Händler die Wahrscheinlichkeit dafür auf 98 Prozent.

Für Spannung wird deshalb vor allem der Fed-Ausblick sorgen: "Fed-Chefin Janet Yellen könnte neue Hinweise auf einen möglichen Zeitplan geben", so Fed-Beobachter Elmar Völker von der Landesbank LBBW.

ts

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