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LPKF-Chef im Interview
"Das macht uns überhaupt nicht nervös"
2013 wird die LPKF AG nicht mehr ganz so rasant wachsen. Für Konzernchef Ingo Bretthauer ist das aber noch lange kein Grund zur Beunruhigung. Im Gespräch mit boerse.ARD.de erklärt er, wie der TecDax-Aufsteiger zu seiner alten Stärke zurückfinden will.
LPKF-Chef Dr. Ingo Bretthauer blickt entspannt in die Zukunft
boerse.ARD.de: Seit dem 24. September gehören die LPKF AG offiziell der Riege der 30 größten deutschen Technologiewerte an. Herr Bretthauer, was hat sich seither für Sie verändert?
Ingo Bretthauer: Im direkten Geschäft hat sich eigentlich wenig verändert. Allerdings war ich doch überrascht, dass ich von einigen Kunden darauf angesprochen wurde. Die haben das alle sehr positiv gesehen. Die TecDax-Aufnahme ist ja doch eine kleine Auszeichnung für die gute Leistung, die wir gezeigt haben. Das Interesse von Medien wie Investoren hat seither deutlich zugenommen. Das schlägt sich auch in einem nochmals gestiegenen Handelsvolumen nieder.
boerse.ARD.de: Zum bisherigen Geschäftsverlauf 2012 kann man sie nur beglückwünschen. Werden davon auch die Aktionäre profitieren – etwa in Form einer höheren Dividende?
Bretthauer: Wir werden auch künftig daran festhalten, einen bestimmten Prozentsatz unseres Gewinns auszuschütten (30 bis 50 Prozent des Ergebnisses pro Aktie, Anmerkung der Redaktion). Es wird vorerst keine Änderung in der Dividendenpolitik geben. Die Aktionäre können davon ausgehen, auch im kommenden Jahr eine adäquate Dividende zu erhalten.
boerse.ARD.de: Ihr wichtigster Markt ist China – bekommen Sie die dortige Konjunkturabschwächung zu spüren?
Bretthauer: Die Auftragseingänge sind im dritten Quartal wiederum stärker gewachsen als der Umsatz. Insofern sehen wir in China noch keine Konjunktureintrübung. Zudem werden für uns erfreulicherweise plötzlich neue Regionen im asiatischen Raum sichtbar, etwa Taiwan oder Korea.
boerse.ARD.de: Trotzdem werden Sie 2013 nicht mehr ganz so rasant wachsen – woran hapert es?
Bretthauer: Das hat nur einen einzigen Grund: Wir haben Ende 2011 einen sehr großen Auftrag im Solargeschäft gewonnen im Volumen von knapp 43 Millionen Euro. Dieser Auftrag wird nun Schritt für Schritt abgearbeitet, der größte Teil davon in diesem Jahr. Insofern ist es nur logisch anzunehmen, dass es im Solargeschäft 2013 und 2014 eine Reduzierung geben wird. Alles andere wäre unseriös. Deshalb gehen wir für 2013 zwar weiterhin von einem konzernweiten Umsatzwachstum aus – jedoch unterhalb der ursprünglich avisierten zehn Prozent.
Über die LPKF AG
boerse.ARD.de: Hat der rasante Wachstumskurs der LPKF AG also seinen Zenit schon überschritten?
Bretthauer: Überhaupt nicht. Die große Frage ist nur, wie schnell das Solargeschäft wieder in den Tritt kommen wird. Es gibt da derzeit einen "shakeout" am Markt nach einem jahrelangen ruinösen Preiskampf infolge des Überangebots. Irgendwann wird aber ein Status der Marktbereinigung erreicht sein, die Unternehmen werden wieder anfangen zu investieren. An der langfristigen Sinnhaftigkeit der Solartechnologie hat sich ja nichts geändert. Und wenn es im Solargeschäft wieder bergauf geht, werden wir vorne dran mit dabei sein.
boerse.ARD.de: Sie wollen aber schon 2014 wieder an ihre alte Stärke anknüpfen. Wie wollen Sie das also schaffen?
Bretthauer: Ganz einfach: Indem wir in den anderen Bereichen entsprechend stärker wachsen werden. Ich gehe davon aus, dass wir 2013 die Bugwelle dieses Solar-Großauftrags komplett verdauen werden. Solar ist schließlich nur eine von sechs Produktlinien, die schon in diesem Jahr weniger als 20 Prozent des Umsatzes ausmacht. Die anderen fünf laufen mehr als positiv. Dass es 2013 zu einer "Solardelle" kommen wird, ist einfach der Fluch dieses Großauftrags – eine logische Konsequenz, die uns überhaupt nicht nervös macht. Ich bin zuversichtlich, wir werden 2014 wieder die angepeilten zehn Prozent Umsatzwachstum erreichen.
Das Interview führte Angela Göpfert.
Stand: 13.11.2012, 11:57 Uhr