Börsengänge

Anleger wartet

Börsenkandidaten bekommen Angst Das große Muffensausen

Stand: 01.07.2015, 09:00 Uhr

Eigentlich wäre diese Woche eine Woche der Börsengänge gewesen. Doch angesichts des Griechenland-Dramas verlieren die Börsenkandidaten den Mut. Nach Ado machte heute auch Modehändler CBR einen Rückzieher.

Wer mag schon in solch unruhigen Zeiten die ersten Tage seines Börsenlebens verbringen? Und umgekehrt: Welcher Investor mag sich in diesen Zeiten eine unbekannte Aktie zulegen? In der Griechenlandkrise ist derzeit alles möglich, heftige Kurseinbrüche - und damit verbunden auch ein Fehlstart der Börsenneulinge - fast schon programmiert.

CBR bleibt aber am Ball

CBR sagte seinen für Donnerstag geplanten Börsengang denn auch mit Verweis auf die durch die dramatische Entwicklung in Griechenland ausgelösten Unsicherheiten an den Finanzmärkte ab. Derzeit sei die Investitionsbereitschaft nicht gegeben, erklärte die Beteiligungsgesellschaft EQT, der CBR gehört. Es gab also nicht genug Nachfrage nach den angebotenen Aktien.

EQT erklärte, den Markt weiter zu beobachten, um in einem stabileren Umfeld einen neuen Anlauf zu unternehmen. Strategie und operatives Geschäft von CBR seien durch den abgesagten Börsengang nicht beeinflusst.

Ado hat auch kalte Füße

"Die Gewinnwarnung des Konkurrenten Gerry Weber hat CBR natürlich auch nicht gerade geholfen", sagte eine mit dem Prozess vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Zu CBR gehören die Damenmarken Street One und Cecil.

Die Griechenlandkrise lässt Investoren gerade bei den Börsenneulingen skeptisch werden Am Montag hatte bereits der Wohnimmobilien-Investor ADO Properties seinen für Dienstag geplanten Börsengang verschoben. Er zog wenige Stunden vor dem Ende der Zeichnungsfrist die Reißleine - "bis auf Weiteres" wie es hieß, obwohl die Emission bei den Anlegern gut angekommen sei.

VDax auf Drei-Jahres-Hoch

Probleme machen den Investmentbankern vor allem die starken Schwankungen am Aktienmarkt. Sie erschweren die Preisfindung für die Aktien der Börsenneulinge massiv. Der Volatilitätsindex VDax, der das Auf und Ab der Aktien misst, liegt mittlerweile über 30 Punkten. So hoch war er zuletzt vor drei Jahren. Schon Werte über 20 machen den Investmentbankern Kopfzerbrechen, wenn es um Börsengänge geht.

Trotzdem hatte kein Börsenkandidat bis zur vergangenen Woche einen Rückzieher gemacht - zu groß ist der Hunger der Investoren nach lukrativen Anlagemöglichkeiten. Doch ein Einbruch des Leitindex Dax um mehr als drei Prozent am Montag war zu viel. "Einige Transaktionen werden trotzdem funktionieren", gab sich ein Investmentbanker zuversichtlich.

Chorus lässt sich ein paar Tage mehr Zeit

Börsenaspirant Chorus Clean Energy geht auf Nummer sicher. Der bayerische Solar- und Windparkbetreiber verlängert die Zeichnungsfrist. Potenzielle Anleger sollen acht Tage mehr Zeit bekommen, Aktien ordern zu können. Die Zeichnungsfrist wird bis zum 9. Juli verlängert, ursprünglich sollte sie am heutigen Mittwoch enden. Die Erstnotiz an der Frankfurter Börse ist nun für den 13. Juli geplant.

Bei Elumeo scheint es bislang keine Änderungspläne zu geben. Heute soll die Zeichnungsfrist für den Edelsteinschmuckhändler enden. Vor zwei Tagen hieß es jedenfalls noch: "Die Vorbereitungen für den Börsengang von Elumeo laufen weiter planmäßig. Es gibt keine Veranlassung, etwas an den Plänen zu ändern", so ein Sprecher.

PBB-Börsengang auf Eis

Zögerlicher wird dagegen die vor der Privatisierung stehende Deutsche Pfandbriefbank (PBB), die auf ihrem Weg zur Börse noch nicht ganz so weit fortgeschritten war wie die anderen. Finanzkreisen zufolge hatte die Münchener PBB eigentlich am Montag ihren Börsenprospekt für die milliardenschwere Emission veröffentlichen wollen, um noch im Juli den Sprung an die Frankfurter Börse zu schaffen.

Doch die Pläne liegen nun erst einmal auf Eis. "Wir beobachten die Entwicklung der nächsten Tage und entscheiden dann, wann der Börsengang gestartet wird", sagte eine Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA), über deren Bankenrettungsfonds der Bund seine PBB-Anteile hält. Die PBB ist der lebensfähige Rest des einstigen Dax-Konzerns Hypo Real Estate (HRE), der in der Finanzkrise 2008 zusammengebrochen war und mit Milliarden vom Staat aufgefangen wurde.

bs

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