Short-Sale

Gewinne mit Kursabstürzen Darf man auf fallende Kurse setzen?

Stand: 21.04.2017, 16:58 Uhr

Der BVB-Attentäter könnte die Debatte um "Shorties" anheizen, die auf fallende Kurse setzen und Profite einfahren. Sind das gefühllose Zocker? Sollte den Short Sellern das Handwerk gelegt werden?

In Hollywood-Filmen wie "The Big Short" werden die Hedgefonds-Manager gerne als die Schlauen dargestellt. Ihre Lieblingsbeschäftigung sind Leerverkäufe. Geht es an den Märkten krachend nach unten, jubeln sie. Denn mit fallenden Kurse machen sie Millionen-Gewinne.

Mitverursacher der Finanzkrise?

Spätestens seit der Finanzkrise sind die "Leerverkäufer" in Verruf geraten. Politiker und Aufsichtsbehörden beschuldigten sie, die Krise mit verantwortet zu haben. Der starke Kursverfall der Aktie von Lehman Brothers im Sommer 2008 wurde nach Angaben von Marktteilnehmern durch umfangreiche Leerverkäufe befördert. Daraufhin verboten mehrere Länder in der EU Leerverkäufe. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin untersagte 2008 solche Transaktionen bei mehreren Finanz-Aktien. Als sich die Märkte wieder beruhigten, wurde die Regelung gelockert.

Seit 2010 gibt es in Deutschland ein Verbot ungedeckter Leerverkäufe. Griechenland, Italien, Spanien und Frankreich folgten wenig später dem deutschen Beispiel.

"Short-Attacken" auf deutsche Firmen nehmen zu

Das hat die "Short Seller" nicht abgeschreckt. Im Gegenteil. In der jüngsten Vergangenheit entdeckten aggressive Hedgefonds wie Muddy Waters oder Gotham City deutsche Nebenwerte und setzten sie mit massiven Leerverkäufen unter Druck. So wurden Ströer, Wirecard und zuletzt Aurelius Opfer von solchen "Short-Attacken".

Teilweise ging die Rechnung der "Shorties" auf. Die Aktien sackten ab, und sie strichen Gewinne ein. Ist das unmoralisch?

Leerverkäufer korrigieren überbewertete Aktien

Nein, meinen einige Börsenexperten. Oft würden Short Seller vorhandene Wunden in Unternehmen offenlegen. In 80 Prozent der Fälle liege ein unternehmensspezifischer Grund hinter einem Leerverkauf, erklärte Ebrahim Attarzadeh von Mainfirst im "Handelsblatt". Hedgefonds würden ein schlecht geführtes Unternehmen entlarven.

Von Leerverkaufs-Verboten halten viele Hedgefonds-Manager nichts. Short Seller seien nützlich, meinen sie. Sie bemerken früh, wenn bei einzelnen Aktien etwas faul sei. Insofern "kontrollieren" sie den Markt und korrigieren überbewertete Aktien. Sie verhindern also, dass es an den Märkten zu gefährlichen Blasen kommt.

Zahlreiche wissenschaftliche Studien haben sich in den letzten Jahren mit den Short Sellern beschäftigt. Sie kamen meist zum Schluss, dass die Leerverkäufer keinen negativen Einfluss auf die Märkte hatten.

Manchmal werden Hedgefonds zu Aasgeiern

In engen Marktsegmenten können freilich Leerverkäufe zu extremen Kursreaktionen führen. Das kann bis zum Crash gehen. So schaffte es der Hedgefonds Kynikos, den US-Energiekonzern Enron in die Knie zu zwingen. Nachdem Kynikos Ungereimtheiten in der Bilanz entdeckt hatte, stürzte der Kurs von Enron von 80 auf einen Dollar ab. Enron ging pleite.

Short Seller mit krimineller Energie wie beim mutmaßlichen BVB-Attentäter, der mit dem versuchten Mord der Fußball-Mannschaft von Borussia Dortmund auf fallende Kurse setzte, sind die absolute Ausnahme bisher. Allenfalls Terroristen werden ähnliche Leerverkaufs-Versuche mit Mordgelüsten nachgesagt. Vor dem Terrorangriff auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 sollen sie sich mit US-Airline-Aktien eingedeckt und auf fallende Kurse gesetzt haben. Mit den erzielten Kursgewinnen füllten sie die Terror-Kassen. Solche bösen Spekulanten haben an der Börse nichts zu suchen…

nb

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