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Mercedesstern mit Lichteffekten

Wie viel Schummelei steckt im Daimler?

Daimler droht Sammelklage

Stand: 19.02.2016, 08:59 Uhr

Ein Autobesitzer in den USA strengt eine Sammelklage gegen Daimler wegen angeblichen Betrugs bei Abgaswerten an. Daimler streitet die Vorwürfe ab. Doch an der Börse wird man misstrauisch.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Aktien von Daimler legen am Freitag vorbörslich den Rückwärtsgang ein. Die Papiere des Autobauers verlieren rund zweieinhalb Prozent. Damit wären es in diesem Jahr schon rund ein Fünftel Wertverlust. Zwar handelt es sich bisher nur um eine Sammelklage eines einzelnden Autobesitzers, sagte ein Händler. Doch das Thema müsse beobachtet werden. Denn die Abgaswerte seien vom unabhängigen niederländischen Prüfinstitut TNO festgestellt worden.

Bei den Anschuldigungen geht es um den Stickoxid-Ausstoß bei Fahrzeugen mit BlueTec-Dieselmotoren. Der überschreitet die US-Höchstwerte um das 19-fache, bei Temperaturen unter zehn Grad Celsius sogar um das 65-fache. Dem Konzern werden sowohl Verstöße gegen US-Umweltgesetze als auch auch Irreführung von Verbrauchern beim Autokauf vorgeworfen.

Daimler streitet die Vorwürfe entschieden ab. "Wir halten die Klage für unbegründet", sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Das Unternehmen werde die Unterlagen jetzt prüfen und sich verteidigen.

Keine Schummel-Software à la VW

Den Einsatz einer speziellen Schummel-Software zum Austricksen von Emissionstests, wie sie Volkswagen beim Diesel-Skandal einsetzte, streitet Daimler ab. Ein Sprecher hatte diesen Vorwurf Anfang Februar als "haltlos" zurückgewiesen. Die US-Umweltbehörde EPA hat Daimler bislang keine Manipulationen vorgeworfen. Bisher richten sich solche Anschuldigungen nur gegen VW. Die Tests von Diesel-Fahrzeugen - auch anderer Hersteller - dauerten jedoch an, sagte eine Sprecherin.

Zu der Sammelklage selbst wolle sich die Behörde nicht äußern. Dahinter steht der bekannte US-Anwalt Steve Berman, der bereits General Motors und Toyota mit Sammelklagen zu schaffen machte. Seine Kanzlei Hagens Berman hatte am 18. September - noch am Tag des Bekanntwerdens des VW-Skandals - begonnen, Mandanten für einen Prozess gegen die Wolfsburger zusammenzutrommeln.

bs

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