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Mercedes C-Klasse Coupé

Gerüchte über Währungsverluste

Daimler-Aktie erneut unter Druck

Stand: 25.01.2016, 14:30 Uhr

Die Daimler-Aktie hat seit Anfang Dezember ein Viertel an Wert eingebüßt und ist am Montag schon wieder einer der schwächsten Werte im Dax. Grund sind Gerüchte um Abschreibungen, Strafzahlungen und Analystenaussagen.

Laut einem Bericht des "Manager-Magazins" ist dem Autobauer durch übervorsichtige Absicherungsgeschäfte gegen Währungsrisiken ein Verlust von 200 Millionen Euro entstanden. Deshalb habe der Konzern kurz über eine Gewinnwarnung diskutiert. Auch habe das Unternehmen eine Einladung französischer Behörden wegen möglicher Überschreitung von Emissionswerten erhalten. Dies führe bei den Anlegern zu Verunsicherung, zumal sich auch die Analysten über den fairen Wert der Daimler-Papiere uneinig sind.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
66,60
Differenz absolut
2,11
Differenz relativ
+3,27%

So hat das Düsseldorfer Bankhaus Lampe das Kursziel für Daimler drastisch eingedampft, von 105 auf 78 Euro. Die globale Konjunktur dürfte sich abkühlen - mit Folgen auch für den US-amerikanischen und für Daimler wichtigen Lkw-Markt. Zudem dürften die Forschungsausgaben in der Autobranche wegen des Abgas-Skandals bei Volkswagen steigen. Die Einstufung beließ Analyst Christian Ludwig dennoch auf "Kaufen", da nach dem jüngsten Kursrutsch bereits zu viel Negatives eingepreist sei. Insgesamt werde die Luft nach dem operativ starken Jahr 2015 dünner.

Warburg bleibt zuversichtlich

Ganz anders das Analysehaus Warburg Research. Dessen Analysten haben Daimler nach einem Interview von Unternehmenschef Dieter Zetsche in der "Welt am Sonntag" auf "Buy" mit einem Kursziel von 98 Euro belassen. Die Aussagen hätten keine Überraschungen enthalten, schrieb Analyst Marc-Rene Tonn in einer Studie vom Montag. Dank überarbeiteter Modelle dürfte die Marke Mercedes-Benz 2016 stärker wachsen als der weltweite Markt.

Ebenso wurde bekannt, dass Daimler wegen der Scheinselbstständigkeit von Testfahrern eine Entschädigung von 9,5 Millionen Euro zahlen muss. Daimler und seine Beteiligung MBtech hatten sich bereits Ende 2014 mit der Rentenversicherung geeinigt und Sozialversicherungsbeiträge in Millionenhöhe nachgezahlt.

Keine Gewinnwarnung in Sicht

Analysten halten die heutigen Kursverluste angsichts dieser doch sehr überschaubaren Nachrichtenlage für übertrieben. Eine Gewinnwarnung wegen eines Finanzgeschäfts von 200 Millionen Euro sei doch sehr unwahrscheinlich, zumal Daimler bisher noch keine Ziele für 2016 genannt habe und typischerweise ein operatives Ziel ausgegeben werde. Hier spielten Hedging-Effekte keine Rolle. Rechnerisch machten 200 Millionen Euro etwa 0,15 Euro je Aktie nach Steuern aus.

Auch die Vorladung französischer Behörden sollte nicht überbewertet werden. Es handelt sich um einen Termin, zu dem auch andere Hersteller wie Opel einbestellt wurden, weil bei Tests zu hohe Abgaswerte festgestellt wurden.

Frankreich hatte nach dem Bekanntwerden des VW-Abgas-Skandals die Untersuchung von 100 Fahrzeugen verschiedener Marken angeordnet. Die Prüfungen dauern derzeit noch an. Der französische Hersteller Renault hat bereits den Rückruf von knapp 16.000 Autos wegen zu hoher Abgaswerte angekündigt.

lg

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