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Ein Überlebenskünstler geht

Cromme tritt zurück, Anleger atmen auf

Der heftig kritisierte Aufsichtsratschef des kriselnden Stahlkonzerns ThyssenKrupp, Gerhard Cromme, legt sein Amt nieder. An der Börse kommt das gut an: Die ThyssenKrupp-Aktie macht einen Freudensprung.

ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme

ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme legt sein Amt nieder

Nach Veröffentlichung der Ad-hoc-Mitteilung steigt der Stahltitel auf ein neues Tageshoch von 17,84 Euro und gehört mit einem Plus von bis zu 3,8 Prozent zu den größten Dax-Gewinnern. Zum Vergleich: Vor der Nachricht vom Cromme-Rücktritt zum 31. März hatte sich das Plus noch auf rund ein Prozent belaufen.

Als Aufsichtsratschef versagt?
Der 70-Jährige war seit 2001 Aufsichtsratschef bei ThyssenKrupp gewesen. Nach Milliardenverlusten, Pannen beim Stahlwerkbau, dem Schienenkartell und Affären um Luxusreisen war er aber in die Kritik geraten. Viele Aktionäre warfen ihm vor, er habe als Aufsichtsratschef versagt.

ThyssenKrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Auf der Hauptversammlung im Januar forderten sie seinen Rücktritt. Aktionärsvertreter, etwa von der DSW, kritisierten, Cromme habe zweifelhafte Entscheidungen mitgetragen und fragwürdiges Verhalten von Mitarbeitern nicht konsequent geahndet.

Nun erklärte Cromme überraschend, er wolle bei ThyssenKrupp einen "personellen Neuanfang ermöglichen". Das Unternehmen solle "gestärkt" aus der derzeitigen Krise hervorgehen. Er werde daher auch seinen Posten als stellvertretender Kuratoriumsvorsitzender niederlegen.

Plötzlicher Stimmungswandel

Damit ist etwas geschehen, was weder Branchenkenner noch Marktbeobachter für möglich hielten. An Cromme klebte das Image, er klebe an seinem Amt. Einen Rücktritt hatte er stets kategorisch ausgeschlossen. Noch im Dezember 2012 tönte er im "Spiegel": Ich werde überhaupt nicht zurücktreten. Ich bin keiner, der vor Verantwortung wegläuft."

Berthold Beitz führte den Krupp-Konzern nach dem Zweiten Weltkrieg zurück in die zivile Industriewelt.

Auch die ThyssenKrupp-Stiftung, die immerhin gut 25 Prozent der Konzernanteile hält und damit großes Gewicht bei allen Konzernentscheidungen hat, hatte sich zuletzt immer wieder uneinsichtig gezeigt. Der 99-jährige Stiftungschef Berthold Beitz hatte Cromme bei allen sich bietenden Gelegenheiten öffentlich den Rücken gestärkt, etwa im "Handelsblatt" mit den Worten: "Cromme bleibt. Cromme und Hiesinger sind ein gutes Gespann."

Wer nun angesichts der massiven öffentlichen Kritik tatsächlich eingeknickt ist, ob Cromme oder Beitz, ist schwer zu sagen. Was Anleger von dem Rücktritt halten, ist hingegen eindeutig: Die positive Kursreaktion spricht Bände.

tagesschau24 Nachmittagsbericht vom 19.06.2013

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