Seitenueberschrift

Kommentar

Commerzbank-Aufsichtsrat Klaus-Peter Müller

Nach der Berufung Zielkes

Commerzbank: Und was ist mit Müller?

von Lothar Gries

Stand: 07.03.2016, 11:48 Uhr

Nach wochenlanger Suche hat sich die Commerzbank nun für Martin Zielke als Nachfolger von Martin Blessing entschieden. Ist die Berufung des spröden Nordhessen eine gute Wahl? Und was wird jetzt aus Aufsichtsratsratchef Klaus-Peter Müller?

Es ist kein Geheimnis, dass Martin Zielke im Rennen um den Chefposten der Commerzbank lange Zeit keine wirkliche Rolle spielte. Zwar fiel hin und wieder auch sein Name, doch eigentlich hatte sich Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller auf die Suche nach einem externen Kandidaten - möglichst einer Kandidatin - begeben. Doch daraus wurde nichts, weil die in Frage kommenden Damen und Herren nicht geeignet waren oder nicht zur Verfügung standen.

Somit ist Zielke nur die zweite Wahl, auch weil externe Kandidaten für einen Neuanfang immer besser geeignet sind als interne, müssen sie doch auf alte Seilschaften keine Rücksicht nehmen. Doch braucht die Commerzbank eigentlich einen radikalen Neuanfang?

Gestutzte Ambitionen

Nach Jahren der Krise, des Niedergangs und des Umbaus hat Deutschlands zweitgrößte Bank das Schlimmste hinter sich. 2015 konnte sogar wieder ein Milliardenergebnis erzielt werden, zu dem das von Martin Zielke auf Vordermann gebrachte Privatkundengeschäft maßgeblich beigetragen hat. Damit steht das Geldhaus nun auf zwei soliden Säulen: der Mittelstandsbank und dem Privatkundengeschäft. Das Investmentbanking spielt bei der Commerzbank schon lange keine große Rolle mehr.

Damit passt Zielke eigentlich perfekt zu den gestutzten Ambitionen eines auf das Deutschland-Geschäft fokussierten Finanzdienstleisters. Und genau dieses Bodenständige – Zielke stammt aus Hofgeismar bei Kassel und verfügt über keine Auslandserfahrung – hat offenbar bei der Wahl den Ausschlag gegeben. Nun muss Zielke zeigen, dass er nicht nur das Privatkundengeschäft entstauben, sondern auch die Gesamtbank aus dem Krisenmodus führen kann.

Klaus-Peter Müllers desaströse Bilanz

Logische Konsequenz dieses Neuanfangs wäre auch ein Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrats. Denn die Bilanz des derzeitigen Amtsinhabers Klaus-Peter Müller ist eng mit dem dramatischen Niedergang der Bank verbunden. Unter Müllers Regie überhob sich die Bank zunächst mit Kauf des Hypothekengeschäfts von Deutscher und Dresdner Bank. Gleichzeitig war Müller als Vorstandschef und späterer Aufsichtsratsschef maßgeblich an der Übernahme der Dresdner Bank beteiligt. Dieser Schritt war so verheerend, dass ihn die Commerzbank ohne die Hilfe des Staates nicht überlebt hätte. Anfang 2009 musste der Bund das Geldhaus notverstaatlichen - bis heute ist Berlin mit mehr als 15 Prozent größter Eigner.

Auch ist Müller direkt nach seiner Zeit als Vorstandschef und entgegen der Empfehlung der Corporate-Governance-Kommission, der er selbst vorsaß, an die Aufsichtsratsspitze der Bank gewechselt. Eigentlich hätte ein Manager mit einer solch desaströsen Bilanz längst zurücktreten müssen. Schwer vorstellbar, dass er bis zum Ende seiner regulären Amtszeit 2018 bleiben kann.

Darstellung: