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Banken

Klaus-Peter Müller, Aufsichtsratsvorsitzender der Commerzbank

Müller und Blessing vor dem Abgang

Commerzbank sucht neue Chefs

Stand: 17.01.2016, 15:22 Uhr

Demnächst dürfte bei der Commerzbank das große Stühlerücken beginnen. Denn die Zeichen stehen auf Wechsel an der Spitze. Vor allem Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller ist auf der Suche nach einem Nachfolger.

Die Commerzbank steht nach Informationen aus mit der Sache vertrauten Kreisen vor einem Generationenwechsel an der Spitze des Institutes. Dies berichtet das Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" und bezieht sich auf Verlautbarungen aus dem Umfeld des Aufsichtsrats.

Commerzbank-Turm vor Frankfurter Alststadt-Kulisse

Commerzbank-Zentrale in Frankurt a.M.. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Danach habe dessen Vorsitzender Klaus-Peter Müller bereits Ende letzten Jahres darum gebeten, eine Suchkommission für seinen Nachfolger an der Spitze des Kontrollgremiums einzusetzen. Der langjährige Chef wird im September 72 Jahre alt. Er gehört der Bank schon seit 1966 an und steht seit Mai 2008 an der Spitze des Aufsichtsrates. 1990 war er in den Vorstand eingezogen und fungierte seit 2001 als dessen Sprecher. Nach dem Commerzbank-Kodex müsste Müller spätestens auf der Hauptversammlung 2017 aus dem Amt scheiden.

Eine markante Persönlichkeit

Müller prägte jahrelang maßgeblich das Bild der Bank und gilt auch heute noch als wichtige Persönlichkeit im Machtgefüge des Geldhauses. Aber er war nicht immer unumstritten und musste sich teils heftige Kritik gefallen lassen. So etwa für seinen ungezügelten Expansionsdrang vor der Finanzkrise oder der fehlgeschlagenen Übernahme der Hypothekentochter Eurohypo, die inzwischen größtenteils abgewickelt ist. Am markantesten war aber die seinerzeitige Übernahme der Dresdner Bank zusammen mit Vorstandschef Martin Blessing kurz vor Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008.

Martin Blessing

Martin Blessing. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die dramatischen Folgen sind bekannt. Die Commerzbank musste vom Staat mit insgesamt 18,2 Milliarden Euro gestützt werden. Und auch die Aktionäre hatten keine Freude mehr. Die vielen Kapitalerhöhungen haben sie extrem verwässert und Dividende gibt es schon lange keine mehr. Der Bund hält heute noch rund 15 Prozent der Anteile und dürfte bei der Besetzung der Spitzenpositionen ein erhebliches Wort mitzureden haben.

Blessing steht nicht zur Verfügung

Auf Vorstandschef Martin Blessing, der dem Institut einen strammen Schrumpf- und Sparkurs verordnet hat, werden die Strategen in der Frankfurter Konzernzentrale wohl verzichten müssen. Denn Blessing hat im vergangenen Jahr erklärt, seinen bis Oktober laufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen. Einen Nachfolger gibt es noch nicht, das wäre eigentlich die originäre Aufgabe des Aufsichtsrates und damit die seines Chefs Klaus-Peter Müller.

Alles klar also? Vielleicht geht aber auch alles ganz schnell. Denn der "Spiegel" schreibt, dass Müller auch vorzeitig aus seinem bis Frühling 2018 laufenden Vertrag ausscheiden würde, wenn ein Nachfolger gefunden werden sollte.

Wenig Freude an der Commerzbank-Aktie

Normalerweise wird das Spitzenpersonal einer Aktiengesellschaft daran gemessen, wie sich der Kurs der Aktie entwickelt. Das scheint aber bei der Commerzbank wohl nie der Fall gewesen zu sein, denn Müller hat trotz des desaströsen Kursverlaufs stets fest im Sattel gesessen.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,68
Differenz absolut
0,01
Differenz relativ
+0,08%

Zur Erinnerung: dem Höhepunkt im Langfristchart hatte die Coba-Aktie im Jahr 2000 erreicht - und auch vom Platzen der Tech-Blase hatte sie sich ab Frühjahr 2003 mit dem Markt wieder gut erholt. Im Frühjahr 2009, dem Börsenwendepunkt nach dem Ende der Finanzkrise, ist dem Papier dies nicht wieder gelungen, im Gegenteil. Es dümpelt seitdem auf niedrigem Niveau, und steht tiefer als im März 2009.

Die ganze Commerzbank hat derzeit eine Marktkapitalisierung von nur rund zehn Milliarden Euro. Sie ist damit als zweitgrößte private deutsche Geschäftsbank ein absolutes Leichtgewicht im europäischen Sektor - und das bei einer Bilanzsumme von 557,6 Milliarden Euro (per 31.12.2014). Wegen der zahlreichen Verwässerungen durch Kapitalerhöhungen fällt es sogar schwer, die Wertentwicklung der Aktie seit dem Beginn der Finanzkrise überhaupt nachzuvollziehen. Immerhin, erstmals seit dem Jahr 2007 soll es für 2015 wieder eine Dividende geben. Angedacht sind 0,20 Euro, wie Martin Blessing im November erklärt hatte.

rm

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