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Aktie verliert fast sechs Prozent
Commerzbank: Das musste raus!?
Das wollten die Commerzbank-Manager der Börsenwelt offenbar nicht vorenthalten: Gut eine Woche vor dem offiziellen Veröffentlichungstermin für die Jahresbilanz 2012 rücken sie mit den vorläufigen Zahlen heraus. Doch wollen die Aktionäre (die Steuerzahler) das wirklich hören?
Die Aktienreaktion ließ zunächst keine klaren Schlüsse zu: Direkt nach Zahlenvorlage rutscht die Coba-Aktie bis auf 1,57 Euro ab, nur um danach ins Plus zu drehen und bei 1,64 Euro ein neues Tageshoch zu markieren. Rund eine dreiviertel Stunde später hat die Aktie aber ihre Richtung gefunden zu haben: abwärts. Bis zum Handelsende büßt das Papier 5,9 Prozent ein und ist damit der mit Abstand schwächste Wert im Dax.
Die Commerzbank hatte ihre Eckdaten am frühen Mittag völlig überraschend vorgelegt. "Das Ergebnis erinnert mit den hohen Sonderbelastungen an die Deutsche Bank und ist entsprechend schwer zu beurteilen", sagte ein Händler in einer ersten Reaktion.
Hohe Abschreibungen
Auf den ersten Blick stechen allerdings die negativen News klar heraus: So hat die Commerzbank im vierten Quartal ein herbes Minus von 720 Millionen Euro verbucht. Analysten hatten ein weit geringeres Minus von rund 560 Millionen Euro erwartet.
Schuld an dem hohen Verlust sind außerordentliche Belastungen von insgesamt rund 980 Millionen Euro. Diese sind im Wesentlichen auf den Verkauf der Bank Forum (268 Millionen Euro) sowie auf Abschreibungen auf latente Steueransprüche (673 Millionen Euro) zurückzuführen.
Mageres Konzernergebnis
Für das gesamte Geschäftsjahr 2012 geht der teilverstaatlichte Dax-Konzern von einem mageren Konzernergebnis in Höhe von sechs Millionen Euro aus. Zum Vergleich: Im Vorjahr hatte die Commerzbank noch einen Gewinn von 638 Millionen Euro eingefahren.
Dennoch geht die Commerzbank geht weiterhin davon aus, für das Geschäftsjahr 2012 die Stille Einlage des SoFFin zu bedienen. Das bedeute auch, dass Zinsen für nachrangige Anleihen gezahlt würden, unterstreicht ein Analyst. Zur Erinnerung: 2011 hatte die Commerzbank keine Zinsen auf die in der Finanzkrise erhaltenen Staatshilfen gezahlt – trotz des genannten Gewinns von 638 Millionen Euro.
Wiederholt sich die Geschichte?
Maßgeblich für die Rückzahlung der SoFFin-Hilfen ist nämlich nicht der internationale Rechnungslegungsstandard IFRS, sondern der HGB-Abschluss. Dieser fiel mit einem Jahresverlust von 3,6 Milliarden Euro 2011 tiefrot aus. Wiederholt sich diese kuriose – und für den Steuerzahler überaus ärgerliche – Geschichte nun wieder?
Am 15. Februar wissen Anleger mehr. Dann will die Commerzbank ihren vollständigen Bericht zum Geschäftsjahr 2012 samt Ausblick 2013 auf die Seite stellen.
Der Blick in die nahe Zukunft fällt jedenfalls wenig verheißungsvoll aus: Für den geplanten Abbau von bis zu 6.000 Stellen wird die Bank im ersten Quartal voraussichtlich eine halbe Milliarde Euro Restrukturierungsaufwand verbuchen.
Chance auf Rebound?
Trotz dieser insgesamt doch eher negativ zu wertenden Zahlen ist nicht auszuschließen, dass sich die Coba-Aktie doch noch im Laufe dieses oder der kommenden Handelstage berappelt. Frei nach dem Motto: Nun sind alle schlechten Neuigkeiten raus. Seit dem Hoch bei 1,73 Euro im Januar befindet sich die Dax-Aktie allerdings im Abwärtstrend.
Immerhin: Nicht nur Anleger und Analysten hat die Commerzbank mit ihrem Vorgehen überrascht – auch die eigene IR-Abteilung scheint überfordert. Will man die heutige Ad-hoc-Mitteilung direkt bei der Commerzbank aufrufen, so bekommt man die Fehlermeldung: "Leider existiert das von Ihnen angeforderte Dokument auf unserem Server nicht."
Hoffentlich passiert das nicht am 15. Februar.
Stand: 04.02.2013, 17:52 Uhr