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Banken

Commerzbank Zentrale Frankfurt am Main

Ergebnis deutlich verbessert

Commerzbank: Kursexplosion und Probleme

Stand: 12.02.2016, 11:49 Uhr

Die Commerzbank schießt heute zweistellig in die Höhe, weil das Geldhaus im vergangenen Jahr den Gewinn vervierfacht hat. Eine Dividende soll es auch noch geben. Doch eigentlich haben die Anleger keinen Grund zur Freude.

Trotz des heutigen Kurssprungs um zeitweise über 14 Prozent notiert die Aktie immer noch gut 20 Prozent unter dem Stand von Ende Dezember. Und im Vergleich zum Hoch im April letzten Jahres beläuft sich der Wertverlust sogar auf fast 50 Prozent. Inzwischen ist Deutschlands zweitgrößte Bank an der Börse nur noch neun Milliarden Euro wert - das sind nur zwei Milliarden mehr als der Online-Schuhverkäufer Zalando.

Tatsächlich hat sich die Commerzbank von den Folgen der Finanzkrise und der nicht minder falschen Übernahme der Dresdner Bank noch immer nicht erholt. Ohne den Staat, der noch immer ihr größter Aktionär ist, wäre das Geldhaus vom Markt verschwunden.

Dividende soll weiter steigen

Dank der kräftigen Einsparungen der letzten Jahre und einer immer noch robusten deutschen Konjunktur hat die Commerzbank nun wieder Geld verdient: 1,06 Milliarden Euro waren es im vergangenen Jahr, viermal mehr als im Vorjahr. Erstmals seit der Finanzkrise 2007 sollen die Anleger nun eine Dividende erhalten, von rund 20 Cent je Aktie, etwa ein Viertel des Gesamtgewinns.

Mittelfristig soll die Ausschüttungsquote sogar auf 40 Prozent steigen. Was mittelfristig bedeutet, ließ Finanzchef Stephan Engels allerdings offen. Zumindest so viel ließ er sich entlocken: "Mittelfristig ist nicht nächstes Jahr."

Weniger faule Kredite

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Das deutlich verbesserte Ergebnis wurde von einem kräftigen Wachstum im Privatkundengeschäft angetrieben. Zugleich profitierte die Bank von der guten Ertragslage der deutschen Unternehmen und einer vorsichtigeren Kreditpolitik. Dadurch konnte die Risikovorsorge im vergangenen Jahr um 40 Prozent auf 696 Millionen Euro zurückgefahren werden.

Trotz ihrer jüngsten Erholung hinkt die Rentabilität der Commerzbank im internationalen Vergleich hinterher. Eine Eigenkapitalrendite (RoE) von 10,0 Prozent sei auch in diesem Jahr nicht zu schaffen, musste der Finanzchef einräumen. Im vergangenen Jahr schaffte das Geldhaus eine Netto-Rendite nach Steuern von gerade einmal 3,8 Prozent. Zum Vergleich: die ebenfalls stark im Privatkundengeschäft und in der Unternehmensfinanzierung engagierte US-Bank Wells Fargo hat 2015 eine Eigenkapitalrendite von 13,7 Prozent erreicht.

Müller: "Klebe nicht am Stuhl"

In diesem Jahr steht die Commerzbank vor wichtigen Personalveränderungen: Vorstandschef Martin Blessing will seinen Posten nach der Hauptversammlung am 20. April aufgeben. Einen Nachfolger gibt es bis heute nicht. Aufsichtsratschef Müller will die Frage zwar bis dahin geklärt haben, betont aber, dass noch keine endgültige Entscheidung gefallen sei. Derzeit entstehe eine Auswahlliste möglicher Kandidaten, mit denen gesprochen worden sei. Auch sei keine Entscheidung zugunsten eines externen Nachfolgers gefallen. "Wir haben eigene starke Kandidaten im Auswahlprozess."

Kritiker fordern angesichts der fragilen Lage der Commerzbank einen Neuanfang in der Führungsriege. Das gilt auch für Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller. Der kann sich einen vorzeitigen Abschied vorstellen. "Ich hänge an der Bank, aber ich klebe nicht an meinem Stuhl", erklärte er in einem am Freitag veröffentlichten Interview im bankeigenen Intranet.

Müller ist bis zum Frühjahr 2018 gewählt. "Notwendigen Veränderungen werde ich nicht im Wege stehen, dafür liegt mir das Wohl unserer Bank viel zu sehr am Herzen", reagierte er auf die in Medienberichten geäußerte Forderung nach einem kompletten Neustart bei der Commerzbank. Noch im November hatte Müller betont, er wolle seinen Vertrag erfüllen. Qualifizierte Kandidaten seien aber rar gesät, viele winkten angesichts der Verantwortung ab, sagte Müller.

lg

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Besonders schlimm steht es um den italienischen Bankensektor. Denn noch immer kämpft die Branche mit den Spätfolgen der Finanzkrise. Rund 360 Milliarden Euro faule Kredite sollen noch in den italienischen Bankenbilanzen schlummern. Eine gewaltige Summe, die ohne frisches Geld nicht auf aktuelle Marktwerte wird berichtigt werden können. Betroffen ist mit UniCredit auch die führende italienische Geschäftsbank, die seit kurzem ein neues Management hat. Das wird sich nun Gedanken machen müssen, ob eventuell der Staat eine Kapitalerhöhung garantiert oder weitere Unternehmensteile verkauft werden müssen. Die deutsche HVB Group, ebenfalls schon deutlich geschrumpft, soll aber wohl im Konzernverbund bleiben. Zum Jahresanfang 2016 kostete eine Aktie jedenfalls 5,13 Euro, das Jahrestief lag Anfang Juli bei 1,76 Euro fast zwei Drittel tiefer.

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