Seitenueberschrift

Banken

Fünf Jahre nach dem Dresdner-Kauf

Commerzbank: Eine Übernahme mit dramatischen Folgen

von Ursula Mayer

Vor fünf Jahren hat die Commerzbank die Dresdner Bank gekauft. Dass sie kurz danach in eine bedrohliche Schieflage geraten würde, hätte sich das Management damals nicht träumen lassen. Schließlich wollte man mit der Übernahme zum neuen Champion in der Finanzbranche aufsteigen.

Vor fünf Jahren: Commerzbank und Dresdner Bank fusionieren

Vor fünf Jahren: Commerzbank und Dresdner Bank fusionieren. | Quelle: picture-alliance/dpa

Am 31. August 2008 kündigte die Commerzbank an, dass sie die Dresdner Bank von der Allianz übernehmen wolle. "Wir nutzen eine einmalige Chance und machen die Commerzbank zur führenden Privat- und Firmenkundenbank in Deutschland", erklärte Vorstandschef Martin Blessing damals. Michael Diekmann, Vorstandsvorsitzender der Allianz, sprach von einem "Meilenstein in der deutschen Bankenkonsolidierung".

Damit schaffte die Commerzbank das, was der Konkurrent, die Deutsche Bank, im Jahr 2000 bereits vergeblich versucht hatte. Und sie kam ebenfalls einem anderen Interessenten zuvor, der chinesischen Staatsbank CDB, die auf dem deutschen Markt Fuß fassen wollte.

Chancen überschätzt, Risiken unterschätzt?   

Die Entscheidung für die Übernahme hält Stefan Bongardt, Analyst bei Independent Research, rückblickend grundsätzlich für sinnvoll: "Die Commerzbank hoffte auf zukünftige Synergie-Effekte und wollte ihre Kundenbasis stärken", erklärt er. Zusammen kamen beide Banken zu der Zeit auf 14 Millionen Privatkunden weltweit. Die Commerzbank erhoffte sich durch die Fusion Synergien in Höhe von rund fünf Milliarden Euro.

Die habe die Commerzbank aber nicht realisieren können, kritisiert Dieter Hein, Partner bei Fairesearch. Er hält die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank im Nachhinein für einen Fehlgriff. Im Interview mit boerse.ARD.de erklärt Hein: "Die Commerzbank hat die Chancen aus der Fusion überschätzt und die Risiken unterschätzt, obwohl sie die Risiken hätte kennen müssen, da ihr die Unternehmensberichte der Dresdner Bank vorlagen."

Unglückliches Timing!

Kurz nach der Übernahme spitzte sich die Finanzmarktkrise dramatisch zu. Am 15. September 2008 meldete die US-Investmentbank Lehman Brothers Konkurs an. Das hatte Auswirkungen auf die Finanzmärkte weltweit. Auch die Commerzbank geriet in eine bedrohliche Schieflage. Der deutsche Staat musste ihr mit 18,2 Milliarden Euro Steuergeldern zur Seite springen. Mit 25 Prozent und einer Aktie wurde der Bund größter Einzelaktionär des Dax-Konzerns und Blessing bekam den Spitznamen "Staatsbanker" verpasst. "Ich hätte mir vor acht bis zehn Wochen nicht träumen lassen, dass es soweit kommt", räumte er damals gegenüber den Journalisten ein.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.02
Differenz absolut
0.30
Differenz relativ
+2.60%

Nachdem die Pleite mit Staatshilfe abgewendet war, führte der Commerzbank-Vorstand zahlreiche Kapitalerhöhungen durch. Insgesamt belief sich die Anzahl der ausgegebenen Aktien zwischenzeitlich auf rund 5,8 Milliarden, die die Commerzbank dann im Verhältnis 10:1 zusammenlegte. Auch wenn die Altaktionäre wegen der Verwässerung ihrer Anteile und des fallenden Aktienkurses murrten, schaffte die Bank so, die staatlichen Rettungsmilliarden zurückzuzahlen. Der Bund reduzierte seinen Anteil an der Bank auf 17 Prozent. Das markierte für das Management "den Einstieg des Bundes in den Ausstieg aus der Commerzbank". So hieß es in einer Mitteilung.

Trifft das Management eine Schuld?

Trotzdem steht für Hein von Fairesearch fest: "Der Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller und der Vorstandschef Martin Blessing haben gezeigt, dass sie die Bank nicht auf einen gesunden Weg zurückführen können", sagt er gegenüber boerse.ARD.de.  Anstatt des versprochenen Gewinns in Höhe von über drei Milliarden Euro nach Steuern habe sich für das vergangene Jahr nur ein den Aktien zurechenbarer Verlust von über 200 Millionen Euro ergeben. Eine ähnliche Entwicklung gebe es im zweiten Quartal. Deshalb fordert Hein einen Managementwechsel. Sein Kollege bei Independent Research, Bongardt, spricht von einer "anhaltenden Misere bei der Commerzbank".

"Ich würde die Dresdner Bank heute wieder kaufen, denn die Fusion wird sich im historischen Rückblick als strategisch richtig für die Commerzbank erweisen", bekräftigte dagegen 2013 Aufsichtsratschef Müller laut dpa seine Entscheidung. "Es dauert allerdings länger als gedacht, bis die Übernahme sich voll auszahlt. Zugegeben: Der Zeitpunkt war im Nachhinein unglücklich." Und für Vorstandschef Blessing hält an dem Mammut-Projekt fest: "Ich kann und will den Umbau der Commerzbank erfolgreich zu Ende bringen - das ist mein Ziel", sagte er jüngst dem "Handelsblatt".

Stand: 30.08.2013, 11:19 Uhr

Darstellung: