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Banken

Commerzbank-Turm vor Frankfurter Alststadt-Kulisse

Bank verklagt Banken

Commerzbank bricht ein Tabu

Stand: 28.12.2015, 07:20 Uhr

Ein Arzt pinkelt keinem anderen Arzt ans Bein. Und eine Bank verklagt keine andere Bank. Oder etwa doch?

Die Commerzbank hat vier Geldhäuser in den USA verklagt, darunter auch eine Tochter der Deutschen Bank. Dabei geht es um hypothekenbesicherte Wertpapiere (RMBS, Residential Mortgage-Backed Securities), die die Commerzbank vor der Finanzkrise 2008 gekauft hatte und mit denen sie Millionen-Verluste erlitt.

"Finanzielle Massenvernichtungswaffen"

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Diese Papiere gehören zu den so genannten "Asset Backed Securities" (ABS-Papieren), die als Mitauslöser der Finanzkrise gelten und die Investmentguru Warren Buffett einst als "finanzielle Massenvernichtungswaffen" bezeichnet hatte.

Auch die Commerzbank war im "finanziellen Waffengeschäft" tätigt gewesen, hatte vor 2008 in Amerika hypothekenbesicherte Wertpapiere für insgesamt mehr als 2 Milliarden Dollar gekauft.

Massive Verluste

Allein in einen Fonds der Deutschen Bank flossen 640 Millionen Euro. Mit diesem Investment verlor die Commerzbank "Hunderte von Millionen Dollar", wie es in einer Klageschrift heißt, die von einem Bezirksgericht in Manhattan veröffentlicht wurde. Wie viel Schadenersatz die Commerzbank fordert, geht daraus jedoch nicht hervor.

Von der BNY Mellon hatten die Frankfurter hypothekenbesicherte Wertpapiere Wertpapiere für rund 1 Milliarde Dollar erworben – Verlust: 750 Millionen Dollar. Die beiden anderen Klagen gegen die HSBC und Wells Fargo haben einen weit geringeren Umfang.

Die Zeit drängt

Doch warum reicht die Commerzbank ausgerechnet jetzt plötzlich juristisch gegen Deutsche Bank & Co. vor? Nun, ganz einfach: Zum Jahresende wären Verjährungsfristen abgelaufen. Dass man diese ohne Weiteres verstreichen lässt, wäre wohl weder gegenüber den Aktionären des teilverstaatlichten Instituts noch den Steuerzahlern vermittelbar gewesen.

Die Deutsche Bank hingegen hat ihren Anteilseignern nun wieder etwas mehr zu erklären. Das Institut ist mit rund 7.000 Rechtsstreitigkeiten konfrontiert und hat dafür Rückstellungen von 4,8 Milliarden Euro gebildet.

ag

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Bad Bank mit Commerzbank-Logo

Bad Bank

Die bei der Commerzbank auf den Namen "Non-Core Assets" getaufte Abbausparte barg im dritten Quartal so manch positive Überraschung. So brachte der Abbau der Altlasten sogar einen kleinen Gewinn von 13 Millionen Euro nach einem Verlust von 252 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Nach neun Monaten hat sich der Verlust fast halbiert auf 329 Millionen Euro. Die Schiffs- und Immobilienkredite in der Abbau-Einheit sind Ende September auf 22 Milliarden Euro geschrumpft – das sind nur noch zwei Milliarden mehr als das Ziel für Ende 2016.

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