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Banken

Commerzbank-Turm vor Frankfurter Alststadt-Kulisse

Dank gesunkener Risikovorsorge

Commerzbank schafft die Milliarde

Stand: 12.02.2015, 19:30 Uhr

Die Commerzbank hat im vergangenen Jahr dank einer deutlich gesunkenen Risikovorsorge ein besseres Ergebnis erzielt. Doch im operativen Geschäft trat die Bank auf der Stelle.

Insgesamt kletterte das operative Ergebnis um 40 Prozent auf 1,0 Milliarden Euro. Grund ist weniger eine Belebung des Geschäfts als vielmehr die Verringerung der Risikovorsorge für faule Kredite um 600 Millionen auf 1,1 Milliarden Euro. Gleichzeitig hat die strikte Sparpolitik dafür gesorgt, dass die Ausgaben mit 6,9 Milliarden Euro gleich geblieben sind. Unter dem Strich ergibt sich dadurch für die Commerzbank ein Überschuss von 602 Millionen Euro. Das ist zwar deutlich weniger als die Gewinne der europäischen Konkurrenten, doch im Vergleich zur "schwarzen Null" (81 Millionen) im Vorjahr eine deutliche Verbesserung.

Eine wirkliche Belebung ihres Geschäfts hat die Commerzbank im vergangenen Jahr dennoch nicht verzeichnet. Das operative Ergebnis der "Kernbank", also das Firmen- und Privatkundengeschäft, blieb mit 1,8 Milliarden Euro unverändert. Das gilt auch für die Einnahmen, die bei 8,9 Milliarden Euro stagnierten. Dabei konnte die Mittelstandsbank ihr operatives Ergebnis 2014 dank gesunkener Risikovorsorge um 9,6 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro erhöhen. Die Erträge stagnierten bei 2,9 Milliarden Euro.

Eine halbe Million neue Privatkunden

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Das operative Ergebnis im Privatkundengeschäft ist dank der gesunkenen Risikovorsorge um 87,5 Prozent auf 420 Millionen Euro (2013: 224 Millionen Euro) gestiegen. Vorangekommen ist das Geldhaus mit dem Abbau des riesigen Bergs fauler Kredite. Seit Einrichrung einer sogenannten "Bad Bank" Ende September 2012 seien die Bestände um 76 Milliarden Euro reduziert und damit nahezu halbiert worden. Im gleichen Zeitraum wurden die Problemkredite im Segment deutlich um 5,4 Milliarden Euro oder rund 47 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro reduziert. Dabei hat die Bank nach eigenen Aussagen die Zahl ihrer Privatkunden um 532.000 erhöht.

Verbessert hat sich auch die Eigenkapitalausstattung um rund 900 Millionen Euro auf 20,3 Milliarden Euro. Dadurch ist die Quote auf 9,5 Prozent nach 9,0 Prozent per Ende Dezember 2013 gestiegen.

"Ambitionierte Ziele"

Die Commerzbank will im Jahr 2015 dennoch sowohl das Geschäftsvolumen als auch die Erträge in der Kernbank steigern. Die Aufwendungen sollen mit rund 7,0 Milliarden Euro in etwa stabil bleiben. Zusätzliche Belastungen wie die europäische Bankenabgabe will die Bank durch weitere Kostensenkungen ausgleichen. Die Risikovorsorge sollte 2015 auf dem Niveau von 2014 liegen. "Die Finanzbranche wird auch 2015 vor großen Herausforderungen stehen. Damit bleiben die Ziele unserer strategischen Agenda weiter ambitioniert", sagte Bankchef Martin Blessing. Eine konkrete Ergebnisprognose für dieses Jahr wagte Blessing nicht.

Am Markt kommt die Jahresbilanz nicht gut an. Die Commerzbank-Aktie zählte am Donnerstag mit einem Minus von 0,4 Prozent zu den wenigen Dax-Verlierern. Händler zeigen sich wenig überrascht, ist die Commerzbank doch außer bei der Risikovorsorge keinen Schritt vorangekommen. Und die Anleger gehen in Sachen Dividende abermals leer aus. Aus ökonomischen Gesichtspunkten "hätten wir eine Dividende zahlen können", meinte Blessing. "Wir haben uns aber entschieden, das Kapital zu stärken." Zuletzt hatte die Bank für 2007 eine Dividende von einem Euro überwiesen. Blessing will die Ausschüttung möglichst bald wieder aufnehmen, machte aber keine konkreten Versprechen.

Sanktionen in den USA erwartet

Als Belastung erweist sich auch der seit langem erwartete Vergleich in den USA, mit dem die Bank Vorwürfe von Sanktionsverstößen und Geldwäsche vom Tisch räumen will. Kurz vor Weihnachten war aus Finanzkreisen verlautet, dass sich die Rechnung auf über eine Milliarde Dollar (800 Millionen Euro) belaufen könnte. Finanzchef Stephan Engels sagte, die Verhandlungen liefen auf Hochtouren. Ein Vergleich dürfte "eher früher als später" kommen und könnte noch rückwirkend ins abgelaufene Jahr gebucht werden. Die Bank ist gerüstet: Die gesamten Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten stiegen 2014 um knapp 500 Millionen Euro auf 1,4 Milliarden Euro.

Mit einem baldigen Ausstieg des Bundes rechnet der Commerzbank-Chef nicht. "Ich vermute mal, dass der Bund im Moment keine Refinanzierungsprobleme mit seinem Paket hat", sagte Blessing. Der Bund könne bei der Refinanzierung seines 17-prozentigen Anteils an der Commerzbank derzeit sogar Geld verdienen. Deshalb sei der Bund derzeit nicht in Eile, seine Anteile abzugeben, glaubt Blessing. Einschränkungen im operativen Geschäft durch die Beteiligung des Bundes sieht Blessing nicht. "Der Bund verhält sich wie ein guter großer institutioneller Anleger."

lg/ nb

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