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China

Ein Mann steht vor einer Kurstafel mit fallenden Kursen  an der Börse in Haikou City,China

Yuan stabilisiert sich, Aktienkurse ziehen an

Chinas Börsenerholung gedopt?

Stand: 08.01.2016, 08:25 Uhr

Anleger können vorerst aufatmen: Die chinesischen Aktienmärkte haben sich zum Wochenschluss stabilisiert - allerdings wohl nur mit Hilfe von Aktienkäufen durch staatliche Fonds. Die neue umstrittene "Schutzbremse" wurde abgeschafft.

Die Börsen in Shanghai und Shenzhen notierten am Freitag deutlich fester. Der Leitindex CSI 300 in Shenzhen zog um 2,8 Prozent an, der SSEC in Shanghai stieg um 2,4 Prozent. Dass der Yuan (Renminbi) nicht nochmals abgewertet wurde, beruhigte die Anleger.

"Markt wieder im Normalzustand"

Auch der auf Eis gelegte Schutzmechanismus zur Unterbrechung des Handels bei großen Kursschwankungen kam positiv an. "Der Markt ist jetzt wieder im Normalzustand", meinte Analyst Tian Weidong vom Handelshaus Kayan Securities. "Die Investoren können kaufen und verkaufen, wie sie wollen. Die Notbremse hatte den Markt erstickt."

Die zum Jahresanfang eingeführte "Notbremse", die bei einem Minus von über sieben Prozent einen völligen Abbruch des Handels vorsah, war in dieser Woche zwei Mal zum Einsatz gekommen. Der Schutzmechanismus sollte für Entspannung bei heftigen Kursschwankungen sorgen, bewirkte aber Investoren zufolge genau das Gegenteil.

Staat stützt Markt mit Aktienkäufen

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ARD-Börse: Bilanz - die China-Woche an der Börse

Die Börsenerholung war freilich vom Staat gelenkt. Wie die Nachrichtenagentur "Bloomberg" berichtete, haben staatlich kontrollierte chinesische Fonds erneut Aktien gekauft, um den Markt zu stützen. Bereits beim Crash im Sommer hatten Fonds in den Monaten von Juni bis Ende August 236 Milliarden Dollar für solche Stützungsmaßnahmen ausgegeben, hieß es von Goldman Sachs.

Kreditprogramme und Infrastrukturprojekte

Die Notenbank will künftig für mehr Stabilität an den Börsen sorgen. Sie werde über zusätzliche Kreditprogramme Schlüsselbereichen der Wirtschaft unter die Arme greifen, erklärten die Währungshüter am Freitag. Zugleich werde sie das Zinssystem weiter liberalisieren und ihre geldpolitischen Instrumente flexibel handhaben, um das Bankensystem mit angemessener Liquidität zu versorgen. Mit neuen Infrastruktur-Projekten stemmt sich China gegen die Konjunkturabkühlung. Der staatliche Planungsrat billigte am Freitag neun Bauvorhaben von Brücken bis hin zu Schnellstraßen im Gesamtvolumen von umgerechnet rund 21 Milliarden Euro.

Weitere Beschränkungen für die Großaktionäre

Einer der Auslöser für den Kursrutsch zum Jahresanfang war auch die Sorge, dass sich Großaktionäre massiv von ihren Papieren trennen könnten. An diesem Freitag sollte eigentlich das Aktien-Verkaufsverbot auslaufen. Nun wird es offenbar in geänderter Form verlängert. Künftig dürfen Großaktionäre nur alle drei Monate maximal ein Prozent der Anteile eines Unternehmens verkaufen. Zudem muss der Verkauf gut zwei Wochen vorher angekündigt werden.

Unklar bleibt, was das Ziel der Notenbank beim Yuan ist. Die Notenbank hatte am Donnerstag die Währung abgewertet. Später gab es Medienberichte, wonach die Währungshüter kursstützend am Markt eingegriffen hätten. Die Experten der DBS Bank erklärten: "Niemand weiß wirklich, was gerade die Strategie ist. Oder ob es die Notenbank selbst weiß. Oder ob sie in der Lage ist, die Strategie durchzusetzen, wenn es denn eine gibt."

Yuan stabilisiert sich

Die Notenbank legte am Freitag den Mittelwert des Yuan zum Dollar auf 6,536 Yuan fest. Das ist eine minimale Aufwertung gegenüber dem Vortag. Am Donnerstag war die heimische Währung auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren gefallen.

Die Erholungssignale in China dürften am Freitag auch für eine Stabilisierung an den europäischen Aktienmärkten sorgen. Die Börse in Tokio schloss mit leichten Verlusten. Am Donnerstag hatte der China-Crash den Dax unter 10.000 Punkte gedrückt. Die Wall Street gab ähnlich deutlich nach. Der Dow sackte um 2,3 Prozent ab.

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nb

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