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Kurssturz an den Weltbörsen

Zwei chinesische Brokerinnen beobachten die Kursbewegungen

Alarmstimmung in Asien

China-Crash: Es geht noch tiefer

Stand: 25.08.2015, 12:30 Uhr

Keine Gegenbewegung nach dem Montagsabsturz: Die chinesische Börse brach weiter ein, der japanische Nikkei schloss tief im Minus. Jetzt reagierte die chinesische Notenbank und senkte überraschend den Leitzins.

Der wichtige Shanghai Composite Index fiel erstmals seit acht Monaten unter die Marke von 3000 Punkten und notierte am Ende 7,6 Prozent tiefer bei 2.964,97 Punkten. Der Shenzhen Composite Index sackte um 7,1 Prozent auf 1.740,07 Punkte ab. Der ChiNext für Technologiewerte, der dem Nasdaq in den USA ähnelt, büßte 7,5 Prozent auf 1.990,71 Punkte ein.

"Panikstimmung dominiert den Markt... und ich sehe keine Anzeichen für eine sinnvolle Intervention der Regierung", sagte Zhou Lin, Analyst bei Huatai Securities. Die chinesische Zentralbank pumpte am Morgen allerdings umgerechnet 23 Milliarden Dollar in den Interbankenmarkt.

Jetzt hat Chinas Notenbank hat im Kampf gegen die Konjunkturflaute die Geldpolitik erneut gelockert. Der Leitzins werde um 0,25 Prozentpunkte auf 4,6 Prozent gesenkt, teilte die Zentralbank mit. Die Zinssenkung kam überraschend. Der Zinssatz für Einlagen der Geschäftsbanken wurde um ebenfalls 0,25 Prozentpunkte auf 1,75 Prozent gesenkt.

"Kurzfristig übertrieben?"

Gestern waren die Kurse in China wegen Sorgen über eine weitere Verlangsamung der zweitgrößten Volkswirtschaft und enttäuschter Hoffnungen auf eine Lockerung der Geldpolitik um acht Prozent eingebrochen. In der Folge gerieten die Börsen in Asien, USA und Europa in Panik und erlebten einen schwarzen Montag. Einige Marktbeobachter hatten die Verluste aber zumindest kurzfristig als übertrieben eingestuft.

Im Gespräch mit boerse.ARD.de geht DWS-China-Experte Xueming Song nicht davon aus, dass China zum Ausgangspunkt für eine neue Asien-Krise wird. Auch mit einer "harten Landung" der chinesischen Wirtschaft rechnet der Fachmann nicht: "Bisher rechnen wir auch im negativeren Szenario mit einem Wachstum 2016 von über sechs Prozent."

Shanghai Composite

Shanghai Composite. | Bildquelle: boerse.ARD.de, Grafik: boerse.ARD.de

Sinkflug auch in Japan

In Tokio schloss der Nikkei vier Prozent tiefer auf 17.806,70 Punkten. Dabei hatte sich der japanische Leitindex nach den massiven Vortagsverlusten und einem sehr schwachen Auftakt zeitweise ins Plus gekämpft - und sogar die psychologisch wichtige Marke von 18.000 Punkten überwunden. Doch am Ende konnte sich der Nikkei dem Abwärtssog der erneut einbrechenden Aktiennotierungen in China nicht entziehen.

Nikkei 225: Kursverlauf am Börsenplatz Tokio SE für den Zeitraum Intraday
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In Japan dominierten Sorgen, dass die Abkühlung der chinesischen Konjunktur die bereits schwachen Exporte und negativen Auswirkungen der Stützungspolitik weiter verschärft. Zuletzt war der Yen zum Dollar deutlich gestiegen, weil die japanische Währung am Devisenmarkt als sicherer Hafen gilt. Finanzminister Taro Aso bezeichnete diese Entwicklung als nicht wünschenswert für die Wirtschaft. China gehört zu den wichtigsten Absatzmärkten Japans.

Dax auf Erholungskurs

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Nach dem Kurssturz vom Wochenauftakt klettert der Dax dank der Leitzinssenkung um fast fünf Prozent auf mehr als 10.000 Punkte. Die Sorge um die Konjunkturentwicklung in China sollte die Anleger allerdings weiter in Schach halten, meinen Marktbeobachter.

ts

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