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Spanier treiben Hochtief-Aktie

Chefwechsel bei Hochtief

Der spanische Großaktionär ACS will künftig bei Hochtief regieren und den Posten des Vorstandschefs mit einem eigenen Mann besetzen. An der Börse quittiert man das mit kräftigen Kursgewinnen.

Frank Stieler (l) und Marcelino Fernandez Verdes

Hochtief Frank Stieler (l) Marcelino Fernandez Verdes 1408 . | Quelle: picture-alliance/dpa

Die Hochtief-Aktie schießt am Montagmorgen mehr als fünf Prozent in die Höhe bis auf 38,09 Euro. Damit setzt sich das Papier an die Spitze des Nebenwerte-Index' MDax. Anleger wittern Bares: Aufgrund der angespannten Finanzsituation des Großaktionärs ACS wachse die Wahrscheinlichkeit von Verkäufen von Vermögensteilen bei Hochtief mit möglicherweise nachfolgenden Sonderausschüttungen, sagt LBBW-Analyst Hans-Peter Kuhlmann. "Dies muss nicht negativ für die freien Aktionäre sein, solange auf einen fairen Verkaufspreis geachtet beziehungsweise die langfristige Ertragskraft nicht belastet wird."

Laut Commerzbank-Analyst Norbert Kretlow befeuern zudem Spekulationen über eine komplette Übernahme von Hochtief durch ACS den Kurs. Dagegen hält Marc Nettelbeck, Analyst bei der DZ Bank, auch noch eine negative Kursreaktion denkbar. Als Grund nannte er die Unsicherheit über die künftige Strategie des vorgeschlagenen neuen Hochtief-Chefs. Eine Zerschlagung von Hochtief würde vermutlich sogenannte "Ringfencing" Vereinbarungen brechen, die der Baukonzern Ende 2010 mit circa 160 Banken geschlossen habe.

Am Wochenende hatte Hochtief den überraschenden Führungswechsel bekannt gegeben. Vorstandschef Frank Stieler werde seinen Posten aufgeben, der von Madrid entsandte Manager Marcelino Fernandez Verdes soll an seine Stelle rücken.

Der Aufsichtsrat will auf einer Sitzung am Dienstag über die Personalfragen entscheiden. Zudem gibt es einen Wechsel im Aufsichtsrat. Der Chef des Kontrollgremiums Manfred Wennemer legt sein Mandat aus persönlichen Gründen am Jahresende nieder. Aus Kreisen des Aufsichtsrates hieß es, es werde eine lebhafte Debatte zu dem Führungswechsel geben. ACS wollte sich zu den Personalien nicht äußern.

Seit April im Vorstand

Erst im April hatte ACS Verdes in den Hochtief-Vorstand entsandt. Der studierte Bauingenieur sollte sich dort auf das Amerika-Geschäft konzentrieren. Der Essener Konzern hatte damit seinen Vorstand komplettiert, nachdem einige Spitzenmanager Hochtief nach der Übernahme durch ACS im vergangenen Jahr den Rücken gekehrt hatten. Zuvor saß Verdes fünf Jahre im Hochtief-Aufsichtsrat.

Stieler hatte die Hochtief-Führung im Mai 2011 übernommen. Die vom Präsidenten des Fußballclubs Real Madrid, Florentino Perez, geleitete ACS hatte sich nach einem langen Übernahmekampf im vergangenen Jahr die Mehrheit an Hochtief gesichert. Nach dem Sieg von ACS ging Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter, der sich vehement gegen die Übernahme gewehrt hatte.

Aktien verpfändet

Perez hatte Hochtief auch übernommen, um das Geschäft von ACS international auf eine breitere Basis zu stellen und seinen Konzern unabhängiger vom spanischen Heimatmarkt zu machen. Dort ist die Baukonjunktur eingebrochen. Durch den rigiden Sparkurs der Regierung in Madrid könnten die öffentlichen Ausgaben und Aufträge weiter sinken. Der spanische Baukonzern hatte vor einem Monate eingeräumt, dass er einen großen Teil seiner Hochtief-Aktien an die Großbank BBVA verpfänden musste.

Nachdem Hochtief wegen Problemen mit der Australien-Tochter Leighton ACS lange keine Freude machte, profitiert der spanische Baukonzern nun von dem wieder erstarkten Essener Baukonzern. Hochtief hatte im dritten Quartal wieder schwarze Zahlen geschrieben und dadurch die ACS-Bilanz aufpoliert. Neben Stieler und Wennemer gab Hochtief eine weitere Personalie bekannt. Der Chef der Tochter Hochtief Solutions, Rainer Eichholz, lege sein Amt aus persönlichen Gründen nieder. Dies sei "völlig unabhängig von den Veränderungen im Konzernvorstand", erklärte Hochtief. "Beide Vorgänge stehen zeitlich und inhaltlich in keinem Zusammenhang."

Stand: 19.11.2012, 10:10 Uhr

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