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Jahresbilanz des BVI

Hoffen auf die Privatanleger

Die deutschen Anleger haben die Publikumsfonds wieder entdeckt. Nach Abflüssen 2011 gab es im vergangenen Jahr knapp 25 Milliarden Euro Zuflüsse - vor allem in Rentenfonds und offenen Immobilienfonds. Aktienfonds stoßen seit November wieder auf verstärktes Interesse.

"Natürlich sind in einigen Publikumsfonds auch institutionelle Anleger sehr stark", erklärte BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter am Mittwoch. Sie können diese Produkte nutzen, weil sie sich hier in den meisten Fällen nicht über Jahre festlegen müssen. "Wir wissen aber, dass zu einem guten Anteil auch private Anleger zurückgekommen sind. Wir sehen, dass der Privatanleger wieder Vertrauen gewonnen hat."

Welchen konkreten Anteil die Privatanleger an den Zuflüssen in Publikumsfonds haben, lasse sich allerdings schwer messen. Richter gibt sich dennoch zuversichtlich: "Wir wissen, dass auch sehr, sehr viel Geld der Privatanleger dabei ist."

"Turnaround geschafft"

Nachdem im Vorjahr Anleger noch 15 Milliarden Euro abgezogen haben, verzeichneten die Publikumsfonds 2012 Mittelzuflüsse von knapp 25 Milliarden Euro. Fonds-Lobbyist Richter sprach denn auch bei der Vorstellung des Jahresberichts vom besten Jahr seit Beginn der Finanzkrise. Damit sei der Turnaround geschafft.

Das Plus bei Publikumsfonds stammt vor allem aus Rentenfonds. Fast 32 Milliarden Euro strömten in die Anlageklasse. Auch die noch am Markt verbliebenen offenen Immobilienfonds lockten Anleger an. Es gab Nettozuflüsse von fast drei Milliarden Euro. seit Jahresbeginn gibt es für Bestands- und Neuanleger eine Kündigungsfrist von zwölf Monaten.

Abflüsse aus Aktienfonds

Um Aktien machten viele Privatanleger nach wie vor einen Bogen: Aus Aktienfonds flossen netto 4,6 Milliarden Euro ab. Angesichts der Rasanz des jüngsten Aufschwungs fehlte vielen Anlegern das Vertrauen in die Beständigkeit der Wertentwicklung, meinte Richter. "Viele fragen sich: Wenn in zwölf Monaten 30 Prozent gewonnen wurden, können dann nicht auch genau so schnell wieder 20 oder 30 Prozent verloren gehen?"

Dass im November (0,6 Milliarden Euro) und Dezember (1,5 Milliarden Euro) wieder zusätzliches Geld in Aktienfonds gesteckt wurde, macht der Branche allerdings Hoffnung: "Die 1,5 Milliarden Euro im Dezember sind ein Zeichen, dass vielleicht ein Umdenken im Markt einsetzt", sagte Neiße.

Trendwende seit November?

In Zeiten mit Zinsen auf Rekordtief lohnten Aktien: "Der innere Wert einer Aktie ändert sich nicht durch das Gezappel an der Börse." Nach Richters Angaben ist das Jahr 2013 gut angelaufen: "Wir hatten Zuflüsse in Aktienfonds auch im Januar. Insgesamt sieht der Januar gut aus, wir werden Zuflüsse von über zwei Milliarden Euro haben. Das ist besser als im Vorjahr."

Die Fonds-Branche baut vor allem auf institutionelle Investoren. Diese setzen vor allem auf Spezialfonds. Hier gab es 2012 Zuflüsse von rund 75 Milliarden Euro. Auch für dieses Jahr rechnet Richter mit einem weiteren guten Jahr für Spezialfonds.

Insgesamt verwaltete die deutsche Fondsbranche 2012 ein Vermögen von gut zwei Billionen Euro. Das ist ein Plus von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die BVI-Mitglieder verwalten seit Jahren rund 20 Prozent der insgesamt von Investmentfonds in Europa betreuten Bestände - direkt und indirekt für etwa 50 Millionen Anleger

Stand: 06.02.2013, 15:29 Uhr

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