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Bombenanschlag auf Mannschaftsbus von Borussia Dortmund

Spekulation auf fallende BVB-Aktie

BVB-Attentäter wollte an der Börse reich werden

von Detlev Landmesser

Stand: 21.04.2017, 17:34 Uhr

Es war die Börse, die die Ermittler auf die Spur des mutmaßlichen BVB-Attentäters brachte. Der Deutsch-Russe hatte am Tag des Anschlags Tausende Put-Optionsscheine auf die BVB-Aktie gekauft - und dabei verräterische Spuren hinterlassen.

Offenbar wollte der Verdächtige Sergej W. möglichst viele BVB-Spieler verletzen oder gar töten, um die BVB-Aktie zum Absturz zu bringen und dann mit dem Verkauf der Optionsscheine ein Vermögen zu verdienen.

boerse.ARD.de hatte bereits am 12. April nach Hinweisen eines BVB-Fans aus dem österreichischen Salzkammergut, der auch die Polizei informiert hatte, über Auffälligkeiten im Optionsscheinhandel berichtet.

Auffallende Aktionen an der Börse

Laut Bundesanwaltschaft hat der Beschuldigte am 11. April - dem Tag des Anschlags gegen den BVB - 15.000 Put-Optionsscheine auf die BVB-Aktie erworben. Der Kauf wurde demnach über einen Online-Anschluss des Mannschaftshotels abgewickelt.

Nach Informationen von boerse.ARD.de sind im fraglichen Zeitraum sogar 60.000 Optionsscheine im Frankfurter Handel erworben worden, und zwar je 15.000 Stück mit den Kennnummern DG7MN5, DGQ1VU, DGM51Y und DGQ1VV. Das war auffällig, weil diese Papiere sonst nur an der auf Privatanleger spezialisierten Stuttgarter Handelsplattform Euwax gehandelt werden.

Die betroffenen Optionsscheine waren zu diesem Zeitpunkt so sehr "aus dem Geld" und wiesen einen derart hohen Spread auf, dass man auf eine extreme Unerfahrenheit des oder der Käufer schließen konnte - oder darauf, dass auf einen extremen Kursabsturz der Aktie gewettet wurde.

Kursierende Kaufsumme höchstwahrscheinlich falsch

Die in vielen Medien kursierende Kaufsumme von 78.000 Euro beruht offenbar auf einem simplen Irrtum. Die Summe erhält man, wenn man 15.000 Stück mit dem Basispreis des Optionsscheins DGQ1VV von 5,20 Euro multipliziert - der Basispreis ist aber nicht mit dem Kaufpreis des Optionsscheins zu verwechseln.

Die tatsächlich erworbenen 60.000 Scheine ergeben eine Kaufsumme von ziemlich genau 5.000 Euro. Der theoretisch maximale Gewinn damit liegt bei gerade mal 276.000 Euro - hat der Täter diese Käufe tatsächlich getätigt, würde das den Wahnsinn hinter seiner Tat noch unterstreichen.

An der Börse schlug sich indessen die Erleichterung nieder, dass die Hintergründe der Tat offenbar endlich aufgeklärt sind. Die BVB-Aktie erholte sich um 2,5 Prozent.

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