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Biotechnologie

Zwei Hände mit Laborgläsern

IPO geplant

Brain will die Börse biologisieren

Stand: 05.01.2016, 11:40 Uhr

Weiße Biotechnologie. Noch nie gehört? Aber die Produkte haben Sie schon oft genutzt: Medikamente, Chemikalien, Kosmetik. Brain aus dem hessischen Zwingenberg forscht in diesem Bereich - und will bald auch die Börse biologisieren.

Die Brain AG aus Zwingenberg plant ihren Börsengang. Und ist laut eigenen Angaben das erste deutsche "Bioökonomie-Unternehmen", das sich auf das Frankfurter Parkett wagt. Wann genau, ist allerdings noch nicht bekannt.

Bioökonomik? Was nach abenteuerlicher Zukunftsmusik klingt, ist weder ein derzeit ungenutztes noch neues Verfahren. Kurz gesagt: Man versucht, in der Natur bestehende Gegebenheiten auf Verfahren in der Medizin, Landwirtschaft und Industrie zu übertragen.

Das fängt beispielsweise schon bei der - beim deutschen Biertrinker geschätzten - "Braukunst" an. Denn was muss Bier tun? Es muss gären. Und für diesen Prozess braucht man Mikroorganismen, also winzige Lebewesen. Das Gleiche gilt für Käse, Brot und Wein.

Weiße Biotechnologie

Brain hat sich indes auf den Bereich der "weißen Biotechnologie" konzentriert: die Biologisierung der Industrie. Die Zwingenberger identifizieren Enzyme und Naturstoffe, um diese für industrielle Verfahren nutzbar zu machen. Chemikalien, Medikamente, Reinigungsmittel, Textilien sollen so umweltfreundlicher hergestellt werden und natürliche Ressourcen schonen.

Neben der weißen Biotechnologie gibt es noch die rote für medizinische Produkte und die grüne Biotechnologie für Innovationen in der Landwirtschaft.

Doch wie bei so vielen Forschungsunternehmen, die Geld in ihre Entwicklungen stecken müssen, steckt Brain bisher in den roten Zahlen. Das operative Ergebnis (Ebit) lag im Geschäftsjahr 2014/15 bei minus 4,6 Millionen Euro. Der Umsatz betrug 25,7 Millionen Euro.

Mehr Marktzugang

Laut eigenen Angaben gehören BASF, Henkel, RWE, Südzucker und andere zu den Kooperationspartnern von Brain. Das Unternehmen mit 220 Mitarbeitern will noch daran arbeiten, den Schritt vom reinen Entwickler zum produzierenden Industriebetrieb zu schaffen.

Deshalb haben die Zwingenberger in den letzten Jahren mehrere Unternehmen mit Marktzugang geschluckt oder sich mit ihnen verbündet. So ist der Kosmetikkonzern Monteil ein Joint Venture-Partner von Brain, mit dem Kosmetika entwickelt werden.

Altaktionäre halten Brain die Stange

Bisher ist Brain zu 51 Prozent im Besitz der MP Beteiligungs GmbH der Familie Putsch. Die bekanntere Putsch-Firma ist Recaro - früher für Autosportsitze gerühmt, heute Flugzeugausrüster.

Etwa 20 Prozent gehören dem Venture Capital Fonds MIG, der sich auf mittelständische Unternehmen spezialisiert hat. Die verbleibenden 29 Prozent von Brain gehören dem leitenden Management.

Bei dem bisher nicht datierten IPO will Brain in erster Linie neue Aktien ausgeben, der Erlös fließt ins Unternehmen. Ein Altaktionär werde einige Aktion im Rahmen eines Greenshoe zur Verfügung stellen.

cw

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