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Biotechnologie

Zwei Hände mit Laborgläsern

Erstes IPO in Frankfurt

Brain schleppt sich an die Börse

Stand: 04.02.2016, 08:07 Uhr

Frankfurt verzeichnet seinen ersten Börsengang 2016: Brain aus dem hessischen Zwingenberg wagt trotz der derzeitigen Turbulenzen den Schritt aufs Parkett - und ist damit die erste Biotech-Firma seit 2006. Allerdings verlief es für die Hessen nicht reibungslos.

Der Emissionspreis der Brain-Aktie liegt bei neun Euro - und damit am unteren Ende der Preisspanne. Die Zwingenberger hatten gehofft, bis zu 12 Euro je Aktie einnehmen zu können.

Insgesamt wurden 3,6 Millionen Aktien platziert. Die Anteilsscheine seien aber in erster Linie an die eigenen Mitarbeiter gegangen. Auch die MIG Fonds griffen zu, eine Gruppe von Venture Capital-Fonds. Deren Anleger gehören allerdings zu den Altgesellschaftern von Brain, die bereits über verschiedene Fonds an Brain beteiligt sind.

Die Nummer Eins 2016

Damit ist Brain das erste Unternehmen, das 2016 den Sprung an die Frankfurter Börse schafft. Diversen Konzernen hatte der Schritt aufs Parkett in den vergangenen Monaten ebenfalls Mühe bereitet, oft wurde das schwierige Marktumfeld als Grund angeführt.

Das letzte Biotech-Unternehmen, das an eine deutsche Börse gebracht wurde, war die Münchener Wilex AG im Jahr 2006. Martin Steinbach von Ernst & Young bezeichnete den Börsengang von Brain als Besonderheit: "Bisher hat es Biotechunternehmen eher an ausländische Börsenplätze gezogen. Lange war der Blick vor allem in die USA gerichtet, dort gab in den Vorjahren einen regelrechten Boom bei Biotechfirmen."

Wilex: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
1,64
Differenz absolut
-0,01
Differenz relativ
-0,49%

Durch hohe Kosten für Forschung und Entwicklung brauchen Investoren allerdings oft Geduld, bis Biotech-Unternehmen schwarze Zahlen schreiben.

Auch Brain steckt in den roten Zahlen und wies für das Geschäftsjahr 2014/2015 ein operatives Ergebnis (Ebit) von minus 4,6 Millionen Euro aus.

Vom Sportsitz zum Biotech

Brain nimmt mit dem IPO 31,5 Millionen Euro ein. "Durch den Börsengang können wir Produktentwicklungen schneller vorantreiben und neue Wachstumspotenziale erschließen", so CEO Jürgen Eck. Die Anteilsscheine sollen ab dem 9.Februar gehandelt werden.

Größter Aktionär bleibt nach wie vor die MP-Beteiligungs GmbH, die nun weniger als 50 Prozent besitzt. Hinter MP steckt die Familie Putsch. Ihr gehört auch das Unternehmen Recaro, das früher für seine Auto-Sportsitze bekannt war. Heute rüstet Recaro Flugzeuge aus.

Zwar hatte MP noch mehr Aktien im Rahmen eines Greenshoes zur Verfügung gestellt, blieb aber auf den Anteilsscheinen sitzen.

Spezialist für weiße Biotechnologie

Die Firma Brain ist ein Spezialist für Bioökonomik: Forscher gucken bei der Natur ab - und machen sich diese Erkenntnisse dann für Verfahren in der Medizin, Landwirtschaft und Industrie zunutze.

Die Zwingenberger konzentrieren sich auf den Bereich der "weißen Biotechnologie" - die Biologisierung der Industrie. Chemikalien, Medikamente und Textilien sollen umweltfreundlicher und ressourcenschonend hergestellt werden.

cw

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