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Prognose gesenkt

Böse Überraschung von SAP

Eigentlich waren die Analysten davon ausgegangen, dass SAP seinen Aktionären eine weitere negative Überraschung ersparen werde, denn die Geschäfte in Europa und Nordamerika laufen gut. Doch die Freude war verfrüht - und die Anleger sind wütend.

SAP-Logo vor der Unternehmenszentrale in Walldorf 1408 . | Quelle: picture-alliance/dpa

Wegen der wirtschaftlichen Abkühlung in Asien wird der weltweit zweitgrößte Softwarekonzern seine Jahresziele nicht erreichen können, musste Co-Chef Jim Hagemann Snabe am Morgen einräumen. Statt um 11 bis 13 Prozent werden die Umsätze im im Produkt- und Servicebereich in diesem Jahr nur noch um mindestens 10 Prozent zulegen, teilte SAP mit.

Vor allem das schwierige makroökonomische Umfeld im Asien-Pazifik-Raum belastet den mit Oracle konkurrierenden Software-Anbieter, zudem habe der schnelle Übergang zu Cloud-Software die Erwartungen an die Lizenzeinnahmen geringer ausfallen lassen. Die Unternehmen hielten sich im Zuge der reduzierten Wachstumsraten in China mit Investitionen zurück, sagte Co-Vorstandssprecher Jim Hagemann Snabe. Dies betreffe vor allem Australien und Japan, ergänzte Finanzchef Werner Brandt.

Mit einer Erholung der Geschäfte in China noch in diesem Jahr rechnet Snabe nicht. Die Aussichten für das vierte Quartal seien aber etwas besser. Bereits zu Jahresbeginn hatte SAP in der Region geschwächelt und das noch auf den Regierungswechsel in China und Managementprobleme geschoben. Die Führungskräfte seien inzwischen ausgetauscht worden, sagte Snabe.

Prognose für das Betriebsergebnis bestätigt

Zu Monatsbeginn hatte SAP den Ausblick noch bestätigt. Einen Lichtblick gibt es aber trotzdem: Das Unternehmen bekräftigte seine Erwartung, 2013 mit 5,85 bis 5,95 Milliarden Euro auf währungsbereinigter Basis operativ mehr als die 5,21 Milliarden Euro aus dem Jahr 2012 zu verdienen.

Im zweiten Quartal stieg der Gesamtumsatz um vier Prozent auf 4,06 Milliarden Euro, unterm Strich verdiente SAP mit 724 Millionen Euro zehn Prozent mehr. Auch das Betriebsergebnis kletterte währungsbereinigt im zweiten Quartal 2013 um zehn Prozent auf 1,22 Milliarden Euro. Damit erzielte SAP eine operative Marge von 24,3 Prozent, nach 23,6 Prozent im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

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Cloud-Geschäft peilt Milliarde Euro an

"Der Wandel der IT-Branche, den wir bereits 2010 vorausgesagt haben, vollzieht sich jetzt und das mit hoher Geschwindigkeit," sagten die Vorstandssprecher Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe. So habe das Unternehmen im zweiten Quartal im zunehmend wichtigeren Cloud-Geschäft seine Umsätze um 166 Prozent auf 183 Millionen Euro gesteigert. Mit rund 30 Millionen Cloud-Nutzern weise SAP die höchste Zahl an Anwendern in diesem Bereich aus. Auf das Jahr hochgerechnet soll das Cloud-Geschäft etwa eine Milliarde Euro einbringen.

In Asien musste SAP im ersten Halbjahr wegen des Regierungswechsels in China und einer niedrigeren Nachfrage im Software- und Cloudgeschäft einen Umsatzrückgang um sieben Prozent verbuchen. Dagegen legten die Erlöse in der Region Amerika im gleichen Zeitraum um 29 Prozent zu.

Positive Studie stützt die Aktie

Die Anleger reagierten zunächst tief enttäuscht und schickten die SAP-Aktie bis zu 3,6 Prozent ins Minus auf 55,22 Euro. Bis zum Nachmittag kann das Papier seine Verluste aber fast vollständig wettmachen.

Gestützt wird das Papier von einer Studie der US-Bank JPMorgan. Dessen Analystin, Stacy Pollard, hat ihre Einschätzung für SAP auf "overweigt" belassen, denn die Abonnentenumsätze bei Software und in der Cloud hätte sich besser entwickelt als von ihr erwartet.

Positiv äußerte sich die Analystin vor allem über den operativen und den Free Cashflow im ersten Halbjahr sowie über die relativ niedrige Verschuldung.

lg

Stand: 18.07.2013, 15:28 Uhr

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