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Luftfahrt

Delisting-Gerüchte

Börsenendspiel um Air Berlin?

Stand: 23.02.2016, 11:33 Uhr

Die Aktie der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin nähert sich immer mehr einer totalen Bruchlandung. Ohnehin nur noch ein Penny Stock, drücken Delisting-Gerüchte das Papier heute noch tiefer in den Keller.

Denn die Großaktionäre des angeschlagenen Luftfahrtunternehmens diskutieren laut einem Bericht des "Handelsblatts" über einen Abschied von der Börse. Danach solle es abseits des Finanzmarkts zu einer Neuausrichtung des Konzerns kommen, der wohl auch in diesem Jahr in ähnlicher Höhe in den Verlust geflogen ist wie 2014, als 300 Millionen Euro in den Sand gesetzt wurden.

Deshalb wird nach Insider-Informationen jetzt über eine Synergielösung mit der italienischen Alitalia nachgedacht, die selber aber alles andere als eine Ertragsperle ist. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, hieß es weiter.

Nicht mehr sanierbar

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ARD-Börse: Air Berlin - Rückzug von der Börse?

Es wird zunehmend klarer, dass auch Großaktionär Etihad aus den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht unbegrenzt immer neue Mittel zur Verfügung stellen kann. Auch die türkische Holding ESAS, die 12,02 Prozent an Air Berlin hält, steht angesichts des aktuellen Börsenkurses von 0,70 Euro mit dem Rücken zur Wand. Eingestiegen war man im März 2009 zu drei Euro.

Air Berlin erweist sich immer mehr als hoffnungsloser Fall, manche Experten halten das Unternehmen "in der derzeitigen Struktur" für nicht mehr sanierbar. Abzulesen sind die Schwierigkeiten daran, das sich aktuell mit Stefan Pichler breits der dritte CEO mit der Sanierung des Unternehmens abplagt, nach Ex-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und Wolfgang Prock-Schauer.

Etihad in der Zwickmühle

Das größte Aktivum sowohl von Air Berlin als auch von Alitalia sind die europäischen Landerechte, im Fachjargon Slots genannt. Denn in Europa sitzen die Kunden, die Etihad ansprechen will. Etihad und auch andere Golf-Airlines dürfen aber EU-Fluglinien aber nicht mehrheitlich übernehmen, sonst gehen die Slots verloren. An Alitalia hält Etihad übrigens 49 Prozent. Zudem sind die europäischen Behörden auf die staatlich gesponsorten Fluglinien vom Golf nicht gut zu sprechen. Fakt ist, fallen die beiden aus, gehen also auch die begehrten Slots in Europa verloren.

Startende Alitalia-Maschine in Rom

Startende Alitalia-Maschine in Rom. | Quelle: picture-alliance/dpa

Damit wäre die Etihad-Strategie in Gefahr. Und die ist immer noch kräftig auf Wachstum ausgerichtet. Man will mit den Slots der Beteiligungen in Europa die Kunden zu den Drehkreuzen an den Golf bringen. Dazu arbeitet man mit gemeinsamen Flugnummern. Eine gängige Geschäftsstrategie in der Branche, die zudem kostengünstger ist. Eine Fusion zwischen Air Berlin und Alitalia innerhalb der EU würde die Slots nicht beeinträchtigen. Fachleute bezweifeln aber, dass die ebenfalls angeschlagene italienische Fluglinie der Rettungsanker bei den geplanten Synergievorhaben mit Air Berlin sein kann.

Die Problematik müsste auch berücksichtigt werden, wenn die Air-Berlin-Aktie von der Börse genommen wird. Etihad darf nicht direkt eingreifen wegen der Slots, also müsste eventuell Alitalia für Air Berlin bieten. Dies könnte mittels einer hierfür gegründeten GmbH geschehen. In jedem Fall sind die Perspektiven für Air Berlin wenig rosig. Zuletzt wurden die Überstundenzuschläge für die Piloten ausgesetzt.

rm

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