Nordkoreanische Soldaten mit Landesflagge bei einer Parade

Nordkorea-Streit hält Anleger in Atem Börsen im Sommertief

Stand: 13.08.2017, 11:26 Uhr

Die Nervosität an den Börsen ist zurück. Der Streit der beiden Hitzköpfe Donald Trump und Kim Jong Un hat die sommerliche Ruhe an den Aktienmärkten beendet. Sollte der Nordkorea-Streit weiter eskalieren, dürfte es weiter abwärts gehen.

Die Drohgebärden der beiden Atommächte USA und Nordkorea haben die Anleger in Unruhe versetzt. Der Dax büßte in der abgelaufenen Woche 2,5 Prozent ein und fiel erstmals seit April wieder zeitweise unter die Marke von 12.000 Punkten. Der Dow gab rund 1,1 Prozent nach und erlitt das größte Wochenminus seit März. Die "Angstbarometer" wie der VDax oder der amerikanische Vix zogen an. Der Goldpreis stieg Richtung 1.300 Dollar je Feinunze. Durch den "Krieg der Worte" wurden an den Aktienmärkten weltweit innerhalb weniger Tage rund eine Billion Dollar an Börsenwert vernichtet.

US-Präsident Trump drohte Nordkorea für den Fall weiterer Provokationen mit "Feuer und Zorn", wie es die Welt noch nie erlebt habe. Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un reagierte scharf und deutete einen möglichen Präventivschlag auf den US-Militärstützpunkt der Pazifikinsel Guam an. Seither liefern sich die beiden Staatschefs einen verbalen Schlagabtausch. Am Wochenende mahnte Chinas Staatschef Xi Trump zur Mäßigung.

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"Zündfunke von Nordkorea könnte Korrektur auslösen"

Anja Kohl

Nordkorea-Krise versetzt Anleger in Unruhe

Die hoch explosive Entwicklung in Nordkorea dürfte auch in der kommenden Woche die Anleger in Atem halten. "Ein Zündfunke von der koreanischen Halbinsel könnte - selbst wenn er verlöscht und nicht zu einem Krieg führt - eine Korrektur auslösen", warnt Analyst Neil Wilson vom Brokerhaus ETX Capital. Sollte sich die geopolitische Lage weiter zuspitzen, dürfte der Dax unter die 200-Tage-Linie fallen und dann weiter abrutschen. Die Talsohle sei noch nicht erreicht, meinte am Freitag Jochen Stanzl, Marktbeobachter von CMC. Anleger sollten vorsichtig bleiben, rät Frank Klumpp von der Landesbank Baden-Württemberg. Risiken gelte es vorerst zu vermeiden.

Die Commerzbank rechnet mit einer baldigen Bodenbildung und sieht das maximale Korrekturpotenzial für den Dax bei 11.500 Punkten. Trotz Nordkorea-Krise sei der Dax mit einem KGV von 13 und einer Dividendenrendite von 3,1 Prozent attraktiv bewertet. Auch Robert Greil, Chefanlagestratege des Bankhauses Merck Finck, sieht die Aussichten entspannt. Trotz möglicher kurzfristiger Korrekturgefahren sollte der positive Grundtrend an den Aktienmärkten anhalten. Die europäische Konjunktur komme immer mehr auf Touren, und die USA steuern auf den längsten Aufschwung ihrer Geschichte zu.

Politische Börsen haben kurze Beine

An einen Atomkrieg glaubt so recht niemand. Dem Krieg der Worte dürfte kein Krieg der Taten folgen, glaubt Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank. Auch Nordkoreas Machthaber Kim Jong un werde keinen Weltkrieg riskieren wollen, meint er. "Der nordkoreanische Diktator ist kein politischer Selbstmörder. Würde er scharf schießen, wäre das auch sein persönliches Ende." Halver empfiehlt den beiden Egomanen Trump und Kim, Nenas Song "99 Luftballons" anzuhören. Politische Börsen haben kurze Beine.

Die jüngste Börsenschwäche passt ohnehin in das saisonale Muster. August und September sind traditionell die schwächste Phase des Jahres. Im Oktober könnte es wieder aufwärts gehen, meint Halver.

Eine Reihe wichtiger Konjunkturdaten

Sollte sich der Konflikt um Nordkorea in der kommenden Woche etwas beruhigen, dürften Konjunkturdaten wieder stärker in den Blickpunkt rücken. Am Montag werden die Daten zur europäischen Industrieproduktion veröffentlicht. Am Mittwoch steht das Wirtschaftswachstum der Eurozone im zweiten Quartal auf der Agenda. Das deutsche BIP dürfte im zweiten Quartal um 0,6 Prozent zugelegt haben. Einen Tag später folgen die Juli-Daten zur Inflation in der Eurozone. In Deutschland lag die Teuerungsrate bei 1,7 Prozent.

Ein wichtiger Termin in den USA ist am Dienstag die Entwicklung der Einzelhandelsumsätze im Juli. Expertenrechnen mit einem Plus von 0,3 Prozent. Am Mittwoch abend wird das Protokoll zur jüngsten Zinssitzung der Fed veröffentlicht. Anleger erhoffen sich Hinweise auf die künftige Geldpolitik. Die schwachen Inflationsdaten am Freitag haben Spekulationen angeheizt, dass die Fed in diesem Jahr nicht nochmals an der Zinsschraube drehen wird.

Jetzt kommen die Nachzügler

An der Unternehmensfront dürfte es in der kommenden Woche deutlich ruhiger zugehen. Nur noch ein paar Nachzügler legen ihre Quartalszahlen vor. Dazu zählt RWE. Der Versorger enthüllt am Montag seine Bilanz. Aus der zweiten Reihe wird ein gutes Dutzend Unternehmen, darunter Bilfinger, Talanx und die Deutsche Pfandbriefbank, ihre Quartalsberichte melden. Aus dem Ausland präsentieren Moeller-Maersk am Mittwoch und Wal-Mart am Donnerstag ihre Zahlen.

nb

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