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Aktienmärkte

Hans-Werner Sinn

Ifo-Präsident Sinn beruhigt:

"Börsen-Crash nicht überdramatisieren!"

Stand: 10.02.2016, 11:39 Uhr

Der scheidende Ifo-Chef Hans-Werner Sinn sieht die jüngsten Börsenturbulenzen gelassen. Die Krise werde nicht auf die Wirtschaft übergreifen, glaubt er offenbar.

Dax-Absturz um 15 Prozent seit Jahresbeginn - kein Grund zur Panik, meint Ifo-Präsident Sinn. Man solle die Lage nicht überdramatisieren, versuchte er gegenüber dem Berliner "Tagesspiegel" zu beruhigen. Denn in anderen Teilen der Welt laufe die Konjunktur noch ordentlich.

"Aktuelle Wirtschaftslage immer noch gut"

Der überraschend starke Rückgang beim Ifo-Geschäftsklimaindex im Januar spiegele zwar die neue Unsicherheit wider. "Er zeigt aber auch, dass die aktuelle Wirtschaftslage trotz der sichtbaren Wolken am Horizont noch gut ist", sagte Sinn. Das liege insbesondere an der stabilen Binnenkonjunktur.

Ende Januar hatte Sinn die Stimmung der Unternehmer weniger gelassen interpretiert. "Die deutsche Wirtschaft blickt erschrocken ins neue Jahr", kommentierte der Ifo-Präsident den Rückgang des Konjunkturbarometers auf den niedrigsten Stand seit einem Jahr.

Ifo-Geschäftsklimaindex Januar 2016

Ifo-Geschäftsklimaindex. | Bildquelle: ifo, Grafik: boerse.ARD.de

China ist an allem schuld

Für den 67-jährigen Professor mit dem markanten Käptn-Ahab-Bart, der Ende März aus dem Amt scheidet, sind die Sorgen um China Auslöser für die jüngsten Kurseinbrüche von Dax, Dow & Co. "Der Börsenabsturz geht von China aus", meint er.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 1 Woche
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Tatsächlich haben der China-Crash und der Ölpreis-Verfall Sorgen vor einer Abschwächung oder gar Rezession der Weltkonjunktur geschürt. Wegen des niedrigen Ölpreises wird eine Pleitewelle bei Öl- und Rohstoffkonzernen befürchtet. Das würde zu Kreditausfällen führen und die Banken in Bedrängnis bringen. Schon wird wieder die Angst vor einer neuen Banken- und Finanzkrise heraufbeschworen.

Geht's noch tiefer?

Skeptiker und Crash-Propheten haben Hochkonjunktur. Ein Analyst der Royal Bank of Scotland riet vor kurzem den Kunden: Verkaufen Sie alle ihre Aktien! Selbst renommierte Fondsmanager wie Klaus Kaldemorgen (DWS) oder Jens Erhardt (DJE) sind skeptischer geworden. "Aktien sind 2016 auf jeden Fall eine Herausforderung", mahnte Kaldemorgen jüngst. Und auch Jens Ehrhardt glaubt, dass 2016 nur dann ein gutes Börsenjahr werden wird, wenn der Dollar nicht weiter steige. Als "größte Gefahr" bezeichnete er eine mögliche Pleite Russlands.

Didier Saint-Georges, Fondsmanager von Carmignac, rechnet mit einer anhaltenden Talfahrt an den Börsen. Die Schwerkräfte, die derzeit auf den Kursen lasteten, seien einfach zu stark.

LBBW-Experte sieht wieder Einstiegsgelegenheit im Dax

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Viele Händler und Aktienstrategen halten indes den jüngsten Kursrutsch für übertrieben. Die wirtschaftliche Lage rechtfertige kein weiteres, deutliches Abrutschen des Dax Richtung 8.000 Punkte, meinen sie. Einige Analysten sehen sogar schon den richtigen Zeitpunkt für einen (Wieder-)Einstieg: "Der Dax ist so günstig wie selten zuvor", erklärt Analyst Uwe Streich von der Landesbank Baden-Württemberg.

nb

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