Carsten Kengeter, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse

Verdacht auf Insiderhandel Börse: Bußgeld für Kengeter

Stand: 14.09.2017, 12:36 Uhr

Börsenchef Carsten Kengeter hat zwei Monate vor der geplanten Fusion mit der Londoner Börse in großem Stil Aktien seines Unternehmens gekauft. Ein Insidergeschäft? Jedenfalls zahlt die Börse nun eine millionenschwere Strafe. Aktionäre sind empört.

Vorstand und Aufsichtsrat des Frankfurter Börsenbetreibers haben der Zahlung eines Bußgeldes von 10,5 Millionen Euro zugestimmt, das die Staatsanwaltschaft Frankfurt für die Einstellung weiterer Ermittlungen gefordert hatte. Dem Deal muss das zuständige Amtsgericht Frankfurt noch zustimmen.

Kengeter ist damit aber noch nicht vom Haken. Sowohl die hessische Börsenaufsicht als auch die Finanzaufsicht BaFin wollen weiter prüfen, ob Kengeter aus ihrer Sicht noch als Börsenchef tragbar ist. "Erst im Anschluss daran wird sich der Aufsichtsrat der Deutschen Börse AG mit der Vertragsverlängerung von Carsten Kengeter befassen", erklärte Aufsichtsratschef Joachim Faber.

Vertrag bis März 2018

Der Vertrag des Börsenchefs läuft noch bis März 2018. Ihm wird vorgeworfen, dass er im Dezember 2015 für 4,5 Millionen Euro Aktien des Börsenbetreibers gekauft hat - zwei Monate, bevor die später gescheiterten Fusionspläne mit der Londoner Börse LSE öffentlich wurden. Diese hatten den Aktienkurs massiv nach oben getrieben.

Deutsche Börse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
94,01
Differenz relativ
-0,81%

Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft gab es zum Zeitpunkt des Kaufs bereits Gespräche mit der LSE. Kengeter hat die Anschuldigungen wiederholt zurückgewiesen. Die Staatsanwaltschaft hatte von der Börse 5,5 Millionen Euro wegen des mutmaßlichen Insiderhandels und fünf Millionen Euro wegen der aus ihrer Sicht verspäteten Börsenpflichtmitteilung zur geplanten Fusion mit der LSE gefordert. Die Börse wies die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft weiterhin zurück. Sie akzeptiere die Geldbußen aber, um sich schnellstmöglich wieder ausschließlich auf das Geschäft konzentrieren zu können und die schwerwiegenden Belastungen durch das Ermittlungsverfahren hinter sich zu lassen.

Aktionäre sind empört

Die Börse geht davon aus, dass die Ermittlungen gegen Kengeter gegen Auflagen eingestellt werden. Aktionäre kritisierten die Entscheidung des Konzerns scharf, das Bußgeld zu akzeptieren, obwohl er die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft weiterhin zurückweist. "Dieses Vorgehen ist inakzeptabel", sagte Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Union Investment.

Für Klaus Nieding, Vizepräsident der Aktionärsvereinigung DSW, ist keineswegs sicher, dass Kengeter die Prüfung durch die Aufseher besteht. "Wenn gegen den Vorstandschef der Deutschen Börse wegen Insiderhandel ermittelt wird, ist das ungefähr so, wie wenn gegen einen Bankvorstand wegen der Herstellung von Falschgeld ermittelt wird." Nieding kritisierte, dass die Aktionäre für das Fehlverhalten des Börsenchefs zahlen sollen.

Kengeter hat die Aktien im Rahmen eines Vergütungsprogramms erworben, mit dem ihn der Aufsichtsrat langfristig an das Unternehmen binden wollte. Kengeter hatte sich bei dem Kauf mit eigenem Geld verpflichtet, die Aktien mindestens bis Ende 2019 zu halten. Das Investment war die Voraussetzung dafür, dass er so genannte "Co-Performance Shares" für ebenfalls 4,5 Millionen Euro von seinem Arbeitgeber erhielt. Die Annahme des umstrittenen Aktienkaufprogramms hatte Kengeter vergangene Woche als "moralische Pflicht" bezeichnet.

rtr/lg

Darstellung: