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Aktien

Aktie stürzt ab

Blackberry verpasst die Wende

Der angeschlagene Smartphone-Pionier Blackberry kommt einfach nicht aus seinem Tief. Statt der angepeilten Wende zum Besseren sorgen die am Freitag bekannt gewordenen Verkaufszahlen im abgelaufenen Geschäftsquartal für eine herbe Enttäuschung. Die Anleger reagieren entsetzt.

Im New Yorker Handel stürzt die Aktie um gut 25 Prozent ab. Damit reagieren die Anleger auf die enttäuschenden Absatzzahlen seines neuen Handymodells Z10: Statt den von Analysten erwarteten 7,5 Millionen Stück setzte das von dem Deutschen Thorsten Heins geführte Unternehmen im ersten Geschäftsquartal (bis Anfang Juni) rund 6,8 Millionen ab.

Dabei hatte sich Heins bis vor kurzem noch optimistisch geäußert. Der Konzern laufe auf Hochtouren, denn RIM, so der frühere Name des Blackberryherstellers, verstehe das Smartphonegeschäft besser als die Konkurrenz. Diese Aussage hat sich angesichts der enttäuschenden Quartalszahlen als grober Irrtum erwiesen.

Keine Trendwende in Sicht

Zusätzlich auf die Stimmung drückte die Meldung, dass Blackberry im abgelaufenen Geschäftsquartal entgegen den eigenen Ankündigungen wieder in die roten Zahlen gerutscht ist. Laut der am heutigen Freitag veröffentlichen Bilanz ist ein Verlust von unterm Strich 84 Millionen Dollar entstanden. Auch hier hatten Analysten Börsianer mit besseren Zahlen gerechnet. Das Unternehmen hatte dank eines harten Sparkurses zwischenzeitlich die Verlustzone verlassen, in die es nun wieder stürzte. "Wir stehen immer noch am Anfang dieser Produkteinführung", erklärte Blackberry-Chef Heins am Firmensitz in Waterloo.

Eine Trendwende ist vorerst nicht in Sicht. Auch für das laufende Vierteljahr stellte das früher unter dem Namen Research in Motion firmierende Unternehmen einen Verlust in Aussicht. Schlechte Nachrichten also für die gebeutelten Anleger, die nun mit weiteren Kursverlusten bei der Blackberry-Aktie rechnen müssen. Denn für viele Analysten galten die Zahlen aus dem abgelaufenen Quartal als richtungsweisend für die Entwicklung der nächsten Monate. Nun muss die Firma zugeben, dass der scharfe Wettbewerb am Smartphone-Markt anhalten wird.

Blackberry: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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5.16
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Samsung GDR: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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473.65
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Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Sparkurs wird beibehalten

Deshalb soll auch der Sparkurs beibehalten werden. 5.000 der einst 16.500 Stellen werden gestrichen. Immerhin hat Blackberry ein dickes Finanzpolster: Die Kanadier können auf Bares und kurzfristige Anlagen von 2,8 Milliarden Dollar zurückgreifen, um ihren Umbau zu bewerkstelligen.

Heins hatte im Januar die ersten Modelle mit dem Betriebssystem Blackberry 10 vorgestellt: das Z10 mit einem berührungsempfindlichen Bildschirm sowie das Q10 mit klassischer Tastatur. Im Mai kam das günstigere Q5 hinzu, das vor allem für Schwellenländer gedacht ist. Jedoch dauerte es teils Monate, bis die Smartphones tatsächlich im Laden verfügbar waren.

Microsoft hat Blackberry überholt

Nach Angaben der Marktforschungsfirma IDC hat sich Microsofts Windows Phone inzwischen an Blackberry vorbei auf Rang drei der beliebtesten Smartphone-Betriebssysteme geschoben. Mit einem Marktanteil von jeweils rund drei Prozent liegen jedoch beide Systeme weit abgeschlagen hinter Googles Android und Apples iOS. Im Vorjahreszeitraum verbuchte Blackberry den Angaben zufolge noch einen doppelt so hohen Marktanteil.

Dabei gab es zwischenzeitlich durchaus Anzeichen, dass Blackberry vorankommt. In den drei Monaten bis zum zweiten März hatten sich die Nordamerikaner im erbitterten Kampf etwas Luft verschafft und dank des neuen Hoffnungsträgers Kostensenkungen und eines verbesserten Vertriebs 98 Millionen Dollar verdient.

lg

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