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Mehr Biosprit aus Abfällen
Brüssel heizt Verbio-Aktie an
Biosprit-Aktien haben eine turbulente Woche hinter sich. Die EU-Kommission plant eine Kehrtwende bei Biokraftstoffen. Statt aus Rüben oder Mais soll der Öko-Sprit künftig vermehrt aus Abfällen kommen. Das hievt die Verbio-Aktie nach oben.
Fast schien den Biosprit-Aktien schon das letzte Stündlein geschlagen zu haben. Am Dienstag brachen die Titel von Verbio um knapp zehn Prozent ein und erreichten ein Drei-Jahres-Tief. Und auch die Aktien von Bioethanol-Produzent Crop Energies gab über zwei Prozent nach. Grund: In der Presse war durchgesickert, dass die EU-Kommission in ihrem Gesetzentwurf die Subventionen für Biokraftstoff aus Nahrungspflanzen an der Zapfsäule komplett streichen will. Ab 2020 solle es keine Förderung mehr geben für Biosprit, der aus Rüben, Mais oder Getreide gewonnen wird. Bis zu diesem Zeitpunkt soll der Anteil von landwirtschaftlich erzeugtem Biosprit auf fünf Prozent begrenzt werden. Derzeit liegt er bei vier Prozent.
Biokraftstoffe sollen zunehmend aus Abfällen stammen
Doch am Donnerstag gab es plötzlich neue Signale aus Brüssel. Die Kommission plant nun offenbar, dass zehn Prozent der Biokraftstoffe im Verkehr aus erneuerbaren Energien kommen. Die eine Hälfte soll aus herkömmlichen Biokraftstoffen, die andere aus Kraftstoffen der zweiten Generation stammen. Das sind vor allem Abfälle und Reststoffe.
Die EU-Pläne sorgten für eine Wiederauferstehung der Verbio-Aktie. Am Donnerstag schnellte der Biosprit-Titel um knapp 30 Prozent hoch. Am Freitag geht es weiter um gut elf Prozent aufwärts mit der Aktie. Inzwischen notiert sie bei 1,80 Euro.
Verbio freut sich
Verbio-Chef Claus Sauter begrüßte den Vorstoß aus Brüssel. Der Vorschlag sei der richtige Weg. Er stütze die Unternehmensstrategie von Verbio, bei der weiteren Steigerung des Biokraftstoffanteils im Verkehrsbereich nicht noch mehr Getreide und Pflanzenöl einzusetzen.
Nach Einschätzung eines Händlers beflügelten die optimistischen Aussagen von Sauter die Aktie. "Viele hatten befürchtet, dass die von der EU geplante Beschränkung der Biokraftstoffe Verbio belasten wird. Das scheint nicht der Fall zu sein."
Geld aus Stroh
Verbio hat 2009 einen Strategiewechsel vollzogen. Um dem Dilemma "Tank oder Teller" zu entgehen, produziert das Unternehmen mit Sitz in Leipzig verstärkt Biogas. Dafür setzt Verbio Rohstoffe aus der Landwirtschaft ein. "Unser Gas kommt ganz ohne Subventionen aus", erklärt der Schwabe Sauter stolz. Verbio hat Riesen-Anlagen im industriellen Maßstab gebaut und speist das Produkt ins Gasnetz ein. Das Gros seines Umsatzes macht das Unternehmen aber noch mit Biodiesel und Bioethanol, das dem E10-Sprit beigemischt wird.
Auch die Aktien von CropEnergies erholen sich am Freitag etwas von ihrem Kursverlusten. Sie legen drei Prozent zu. Seit Dienstag haben sie gut fünf Prozent abgegeben.
Stand: 14.09.2012, 15:28 Uhr