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Aktien

Panik an den Märkten.

Märkte in Aufruhr

Bernanke, China und der große Ausverkauf

In China ereignen sich derzeit dramatische Dinge, die auch in Europa für Unruhe sorgen. Der SSE Composite hat am Montag den höchsten Tagesverlust seit knapp vier Jahren verbucht. Schuld daran sind diverse Währungshüter. Unter ihnen auch ein gewisser Ben Bernanke.

Über Jahre hinweg war China ein großer Profiteur der weltweiten Liquiditätsschwemme gewesen. Doch seit der amtierende Fed-Chef vergangene Woche verkündete, der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik könne noch in diesem Jahr beginnen, steht die Finanzwelt Kopf.

Die weltweiten Kapitalströme suchen sich urplötzlich neue Wege. Geld, das zuletzt unter anderem in die Schwellenländer geflossen ist, wird nun abgezogen. Das hat am Montag den chinesischen Leitindex SSE Composite um 5,3 Prozent in die Tiefe gedrückt.

Klares Bekenntnis zu restriktiver Geldpolitik

Fed-Chef Ben Bernanke

Will Ben Bernanke vor seinem Abgang "reinen Tisch" machen?

Doch nicht nur Bernanke beunruhigt die Investoren, auch die chinesischen Währungshüter sind dafür verantwortlich, dass nun plötzlich alle durch eine Tür wollen. So hatte die Weigerung der chinesischen Währungshüter, den Markt weiterhin mit Geld zu fluten, die Zinsen am Geldmarkt am Freitag auf Rekordwerte getrieben.

Am Montag veröffentlichte die chinesische Zentralbank zudem eine auf den 17. Juni datierte Erklärung, wonach die Finanzbranche über ausreichend Liquidität verfüge. Marktbeobachter sehen dies als klares Anzeichen, dass die Notenbanker nicht gewillt sind, mehr Geld in den Markt zu pumpen.

Man beachte die US-Anleiherenditen!

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9615.21
Differenz absolut
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Das drückt auch die Märkte in Europa: Der Dax fällt erneut bis zu 1,5 Prozent – und findet erst auf Höhe des wichtigen Auffangbereichs aus 200-Tage-Linie und Hausse-Trend seit September 2011 (7.684/7.651 Punkten) Halt.

Doch nicht nur auf den Aktienmärkten in China wie in Europa ereignen sich derzeit dramatische Dinge. Auch auf den Anleihemärkten finden große Umwälzungen statt: So zogen die US-Anleihenrenditen seit Bernankes Rede massiv an. Die Rendite der Bonds mit einer Laufzeit von zehn Jahren legte allein in der vergangenen Woche um 0,4 Prozentpunkte zu – so viel wie seit März 2003 nicht mehr!

War das erst der Anfang?

Das macht wiederum den Dollar/Renminbi-Carry-Trade zunehmend unattraktiv. Blickt man auf den Dollar/Renminbi-Chart, so deutet sich im kurzfristigen Zeitfenster in der Tat die Umkehr des laufenden Abwärtstrends an, vor der wir vergangene Woche gewarnt haben.

Sollte dieser Carry Trade nun tatsächlich zurückgehandelt werden, so dürfte das, was wir bislang gesehen haben, nur das Vorspiel gewesen sein. Denn solche gigantischen Carry Trades werden nicht mal eben in zwei, drei Tagen aufgelöst. Es drohen weitere brutale Verwerfungen auf den weltweiten Kapitalmärkten.

Korrektur von "mindestens 20 Prozent"?

Im Gespräch mit boerse.ARD.de hatte Robert Rethfeld von Wellenreiter Invest auf diese Gefahr hingewiesen:

»Sollte der Carry-Trade zurückgehandelt werden, so könnte es sich dabei durchaus um den Vorläufer einer größeren Korrektur handeln.«

Robert Rethfeld, Wellenreiter Invest

Und mit "größerer Korrektur" hatte Rethfeld wohlgemerkt eine Korrektur von "mindestens 20 Prozent" an den Aktienmärkten gemeint. Zur Kenntnis: Zurzeit sind wir im Dax rund elf Prozent unter dem Allzeithoch von 8.557 Punkten.

ag

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