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Industrie

Siemens-Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser spricht auf der Hauptversammlung 2015

Kritik auf der Hauptversammlung

Siemens bewegt sich zu langsam

Stand: 27.01.2015, 14:00 Uhr

Für Siemens fängt das neue Jahr unerfreulich an, der Nettogewinn knickt um fast ein Viertel ein. Die Aktionäre äußern auf der heutigen Hauptversammlung zeimlich deutlich ihren Unmut.

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
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Das Siemens-Papier verliert rund drei Prozent und gehört im Dax zu den schwächsten Werten. Seit Jahresbeginn hatte der Dax-Titel rund zehn Prozent zugelegt und die Marke von 100 Euro geknackt. Während der Umsatz die Erwartungen etwas übertroffen habe, hätten Auftragseingang und Gewinn unter den Konsensschätzungen gelegen, sagte ein Händler. Angesichts des zuletzt starken Laufs der Papiere dürften einige Anleger wohl auf bessere Resultate gehofft haben, lautet seine Einschätzung.

Beim Gewinn gab es einen deutlichen Rückschlag: Weil die Sparten Power & Gas sowie für Medizintechnik deutlich unter ihren Vorjahreszahlen blieben, sackte der Überschuss unter dem Strich um ein Viertel auf knapp 1,1 Milliarden Euro ab.

"Weiterreichendes Konzept benötigt"

Der Umsatz stieg dagegen um drei Prozent auf 17,4 Milliarden Euro, während der Auftragseingang um 13 Prozent hinter dem Vorjahreswert zurück blieb, als Siemens einen milliardenschweren Metro-Auftrag in Saudi-Arabien erthalten hatte.

»Die meisten unserer Geschäfte haben sich im Rahmen unserer Erwartungen entwickelt. Einige Divisionen erzielten ausgezeichnete Ergebnisse. Healthcare muss seine Anstrengungen verstärken, um schnell wieder an die bisherigen herausragenden Leistungen anzuknüpfen. Power and Gas benötigt ein deutlich weiterreichendes Konzept, um längerfristig zu den früheren Margen zurückzukehren.«

Joe Kaeser, Vorstandschef

In den beiden Sparten, die vor einem Jahr noch die höchsten Konzerngewinne eingefahren hatten, soll neues Personal das Ruder herumreißen. Sowohl Medizintechnik-Chef Hermann Requardt als auch Power & Gas-Chef Roland Fischer räumen ihre Posten.

Ziele bestätigt

Die Ziele für das laufende Jahr bekräftigte der Konzern allerdings. Der Gewinn soll um mindestens 15 Prozent zulegen, denn der Verkauf der Sparten für Haushaltsgeräte und Hörgeräte soll rund drei Milliarden Euro in die Kassen spülen. Vorstandschef Joe Kaeser nimmt ferner eine komplette Verwaltungsebene aus dem Unternehmen heraus und will so eine Milliarde Euro sparen. Wie viele Stellen dem aktuellen Konzernumbau zum Opfer fallen, ist noch offen.

»Wenn davon Arbeitsplätze betroffen sind, wovon auszugehen ist, sprechen wir zunächst mit den Arbeitnehmervertretern, dann mit den Mitarbeitern.«

Joe Kaeser, Vorstandschef

Und was wird aus dem Umbau?

Kaeser hatte Siemens einen radikalen Umbau verordnet, bei dem unter anderem die Sektoreneinteilung des Geschäfts gekippt wurde und die Medizintechnik verselbstständigt wird. Durch die Neuordnung sollen die Kosten um eine Milliarde Euro gedrückt werden. Seit Monaten wird deshalb über tausende bedrohte Jobs spekuliert.

Siemens-Aktionäre auf dem Weg zur Hauptversammlung in München

Siemens Hauptversammlung. | Quelle: picture-alliance/dpa

Den Aktionären geht alles nicht schnell genug, wie der Verlauf der Hauptversammlung zeigt: "Wie viele Übergangsjahre wollen Sie uns noch zumuten, Herr Kaeser?", fragte Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment. Siemens sei in den letzten Jahren hinter die Wettbewerber zurückgefallen und habe auch die Technologie- und Innovationsführerschaft in weiten Teilen verloren. Ein "Weiter so" dürfe es nicht geben.

Für Kritik sorgt auch die milliardenschwere Übernahme des US-Industriezulieferers Dresser-Rand. Wegen des Ölpreisverfalls bemängeln Investoren schon länger ein schlechtes Timing und einen zu hohen Kaufpreis für den Kompressorenhersteller. Mit der Akquisition habe Kaeser viel Kredit verspielt, sagte Henning Gebhardt von Deutsche Asset & Wealth Management.

ts/dpa/rtr

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