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Banken

Ein ganzer Berg voller Probleme

Banken im Jammertal

Stand: 10.02.2016, 16:20 Uhr

Wer Aktien europäischer Banken im Depot hat, leidet derzeit schwer. Selten war die Stimmung seit dem Ende der Finanzkrise 2009 so schlecht wie im Moment. Droht eine Finanzkrise 2.0 oder ist das Ganze eher ein Sturm im Wasserglas?

Keine Frage, ein Blick auf die Kurse der großen europäischen Bankaktien lässt derzeit Böses erahnen. Bis zu 45 Prozent Wertverlust haben die Aktien seit Jahresanfang an Wert eingebüßt - und zwar quer durch alle Länder in Europa.

Da machen sich schnell mulmige Gefühle breit, vor allem bei den Marktteilnehmern, die die dramatischen Verwerfungen im Bankenseketor im Herbst 2008 selbst erlebt haben.

Deutsche Bank-Chef John Cryan auf der Pressekonferenz im Oktober 2015

John Cryan. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Sowohl der jüngste Auftritt der Bundesregierung als auch die zuletzt deutlich gestiegenen CDS-Preise wecken unangenehme Erinnerungen an die damaligen Krisentage und -monate. Angesichts des Kursverfalls der Aktie der Deutschen Bank sah sich eine Sprecherin von Finanzminister Wolfgang Schäuble sogar veranlasst zu versichern, dass die Regierung nicht in Sorge sei. Dies, nachdem zuvor Bankchef John Cryan ebenfalls um die Glättung der Wogen bemüht war und ein ähnliches Statement abgegeben hatte.

Droht also wieder eine Finanzkrise 2.0? Zur Erinnerung: Die Finanzkrise ab 2008 war eine systemische Krise, bei denen nach dem Platzen der US-Immobilienblase ein totaler Vertrauensverlust nicht nur der Investoren, sondern auch der Banken untereinander das globale Scheitern eines ganzen Sektors nach sich zog. Denn der Teufelskreis der Banken war mit dem Vertrauensverlust perfekt. Erst liefen sie in Liquiditäts- und dann in Bonitätsprobleme. Die Folgen waren bekanntlich verheerend für die Realwirtschaft, die in die schwerste Rezession seit dem Krieg lief.

Eine zentrale Branche

Aber ist dieses Mal das ganze Bankensystem in Europa gefährdet? Europa, vielleicht. In den USA definitiv nicht, wie die Milliardengewinne der Branche immer wieder zeigen. Und steht Europa wirklich vor einer Rezession? Zweifel bleiben erlaubt, wie sie auch der scheidende Ifo-Chef Hans-Werner Sinn jüngst zum Ausdruck brachte.

Tatsache ist, dass der Branche nach wie vor eine Schlüsselfunktion innerhalb jeder entwickelten Volkswirtschaft zukommt. Denn die Finanzströme, das Schmieröl jeder Volkswirtschaft, müssen, ausgehend von der Geldschöpfung auf Notenbankebene, verteilt und gesteuert werden.

Operativ in der Bredouille

Da ist es schon verständlich, wenn an der Börse die Sorgenfalten länger werden. Denn operativ befindet sich die Branche derzeit in rauher See. Dies nahezu in allen Themenbereichen:

  • Beim Thema Zinsen

  • Vor allem die anhaltend niedrigen Zinsen belasten die Margen der Banken in Europa. Bei Hypothekenkreditraten zwischen einem und zwei Prozent bleibt nach Abzug von Kosten und Steuern nicht mehr viel Zinsbeitrag übrig. Zinserträge sind aber zusammen mit Provisionserträgen immer noch die wichtigste Erfolgsgröße in der Gewinn- und Verlustrechnung. Fachleute sprechen von einer viel zu flachen Zinsstrukturkurve, die keine Transformationsgewinne über die Laufzeiten mehr ermöglicht.

  • Beim Thema Kreditnachfrage

  • Zudem stockt die Kreditnachfrage, trotz der niedrigen Zinsen und der von der Notenbank ausgelösten Liquiditätsflut. Vor allem die massiven Sorgen der Kunden um die Wirtschaftskraft Chinas, aber auch anderer Schwellenländer, belastet. Denn gerade China ist für die europäische und besonders für die deutsche Wirtschaft ein immer wichtigerer Markt geworden, seit das Riesenreich zur globalen Wirtschaftsmacht aufgestiegen ist. Auch die mit den China-Sorgen verbundene Krise der Ölindustrie, ebenfalls einem wichtigen Kunden der Banken, trübt das Gesamtbild. Denn von Investitionsstimmung, idealerweise kreditfinanziert, ist angesichts des Absturzes des Ölpreises keine Rede mehr.

  • Beim Thema Börsenschwäche

  • Wenn jetzt auch noch die Börsen den Rückwärtsgang einlegen, dürften sich die Kunden mit neuen Engagements zurückhalten. Betroffen ist vor allem das Investmentbanking, das ohnehin die höchste Kostenbasis hat. Zwar wird dieser Bereich von vielen europäischen Spielern mittlerweile zurückgefahren, es fallen aber hohe Kosten an.

Aufsicht steht Gewehr bei Fuß

Was ist aber anders als 2008 und warum sind die zwei Szenarien trotzdem nur eingeschränkt zu vergleichen? Vor allem der Staat, der lange Zeit immer als letzte Instanz herhalten musste, hat sich seitdem neu aufgestellt.

Europäische Zentralbank in Frankfurt

Europäische Zentralbank in Frankfurt. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Haftungsregeln wurden modifiziert, Kompetenzen der Aufsichtsbehörden ausgeweitet. 2008 noch kalt erwischt, sind Europas Aufseher heute bei weitem kein so zahnloser Tiger mehr wie damals.

In Euroland hat die EZB die systemrelevanten Banken unter ihr Dach geholt, zudem wurden die Eigenkapitalvorschriften drastisch verschärft. Als hartes haftendes Eigenkapital, im Fachjargon Kernkapital oder hartes Tier-1-Kapital genannt, sind nur noch Bargeld und Aktien zugelassen. Nachrangige Papiere werden nicht mehr anerkannt. Eine Regelung, die vor zehn Jahren noch undenkbar gewesen wäre und den Spielraum der Banken erheblich einengt. Es wundert daher nicht, dass die Branche die hohen Kosten der Regulierung beklagt, kleinere Institute sprechen sogar von Überregulierung.

Regelmäßige Stresstests der Behörden, auf nationaler Ebene bei deutschen Banken- und Börsenaufsicht BaFin und auf europäischer Basis bei der EZB, sorgen zudem für mehr Sicherheit bei der Beurteilung der Kapitalposition der Kreditwirtschaft.

rm

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Europäische Banken unter Druck

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Besonders schlimm steht es um den italienischen Bankensektor. Denn noch immer kämpft die Branche mit den Spätfolgen der Finanzkrise. Rund 200 Milliarden Euro faule Kredite sollen noch in den italienischen Bankenbilanzen schlummern. Mit rund 45 Prozent Kursverlust seit Jahresbeginn hat die Börse die wichtigste Geschäftsbank des Landes, die UniCredit, schwer abgestraft.

UniCredit: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 3 Monate

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Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 3 Monate

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Credit Suisse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 3 Monate

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