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Ausblick

iPhone und China im Mittelpunkt

Apple: Platzen die Träume?

Stand: 26.01.2016, 11:45 Uhr

Mit Apple-Aktien ließ sich im vergangenen Jahr kein Geld verdienen. Zu Recht? Am Abend legt der Flaggschiff-Konzern seine neueste Quartalsbilanz vor. Im Mittelpunkt stehen dabei das iPhone und die Abhängigkeit von China.

Mehrere Analysten gehen inzwischen davon aus, dass sich die Aussichten für den iPhone-Konzern eingetrübt haben. Der Markt für Smartphones sei allmählich gesättigt und die Verbraucher in China, dem zweitwichtigsten Absatzmarkt von Apple, hätten wegen der sich abkühlenden Wirtschaft den Gürtel enger geschnallt.

An Hinweisen auf eine abflauende Konjunktur für den Apple-Konzern hat es in den vergangenen Wochen und Monaten nicht gemangelt. Viele Zulieferer, zuletzt der südkoreanische Chiphersteller SK Hynix, berichten von gesunkenen Bestellungen. Für Analysten ein Hinweis darauf, dass das Unternehmen aus Cupertino in diesem Jahr nicht so viele Smartphones verkaufen wird wie ursprünglich gedacht.

Erneuter Rekord erwartet

Einig sind sich die Experten in der Einschätzung, dass Apple im Weihnachtsquartal, dem ersten Quartal des Geschäftsjahres 2015/16, noch mehr verdient hat als im Vorjahreszeitraum. Damals scheffelte das Unternehmen einen Gewinn von 18 Milliarden Dollar, ein Rekord der Wirtschaftsgeschichte. Nie zuvor hatte ein Unternehmen innerhalb nur drei Monaten mehr verdient - auch die großen Ölmultis nicht.

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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96,28
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Diesen Rekord dürfte Apple nun gebrochen haben. Analysten schätzen den zwischen Oktober und Dezember 2015 erzielten Umsatz auf 76,6 Milliarden Dollar nach 74,6 Milliarden ein Jahr zuvor, sowie eine operative Ergebnismarge von 39 bis 40 Prozent. Der Gewinn je Aktie wird bei 3,23 Dollar erwartet, nach 3,06 Dollar im Vorjahreszeitraum. Flüsterschätzungen erwarten sogar einen Gewinn je Aktie von 3,40 Dollar.

Kein zweistelliges Wachstum mehr

Das sind für die meisten Unternehmen traumhafte Werte, doch sie zeigen auch, dass die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten bei Apple vorüber sind. Zugleich erwarten die Anleger Hinweise darauf, ob die Strategie von Apple im Smartphone-Markt aufgeht und wie stark der Konzern von den wirtschaftlichen Turbulenzen in China betroffenen ist.

Das sind zwei Schlüsselfragen, denn in die Abhängigkeit vom iPhone und dem chinesischen Markt ist in den vergangenen Jahren immer größer geworden. Das Telefon ist Apples wichtigstes Produkt und macht mehr als 60 Prozent des Geschäfts aus. Ins Weihnachtsgeschäft 2014 ging Apple mit den erstmals deutlich größeren Modellen iPhone 6 und 6 Plus. Leute, die schon immer ein iPhone mit großem Display haben wollten, schlugen zu. Die iPhone-Verkäufe sprangen um 46 Prozent auf 74,5 Millionen Geräte hoch. Mit den optisch unveränderten 6S-Modellen wird sich zeigen, ob die Strategie, auf teure Smartphones zu setzen, weiterhin aufgeht.

China-Sorgen

Neben der Abhängigkeit vom iPhone macht den Anlegern auch die Abhängigkeit von China ernsthafte Sorgen. Apple-Chef Tim Cook bekräftigte zwar noch vor einigen Monaten, dass der Konzern die Abkühlung der Wirtschaft bisher nicht spüre und weitere Apple Stores in dem Land aufmachen werde. Doch konnte er die Anleger angesichts der sich häufenden Negativmeldungen aus dem Land nicht besänftigen. Allein in den letzten drei Monaten sank die Apple-Aktie um 15 Prozent, während der Dow-Jones-Index nur acht Prozent nachgab.

Zahlen erhoffen sich die Anleger auch zur Apple Watch. Der Konzern nannte bisher keine Verkaufszahlen für seine im Frühjahr gestartete Computer-Uhr - und gab auch keine Hinweise, dass sich das ändern könnte. Die Zahlen zur Apple Watch werden in der Kategorie "Andere Produkte" mit der Fernseh-Box Apple TV und den iPod-Playern zusammengerührt. Dort lag der Umsatz im Weihnachtsquartal des Vorjahres bei knapp 2,7 Milliarden Dollar. Schätzungen der Analysten reichen von drei bis zehn Millionen verkauften Uhren.

Neuer Hoffnungsträger Streaming-Musikdienst?

Genau beachten werden die Anleger auch die Verkaufszahlen des im Herbst präsentierte größere iPad Pro, das vor allem für den Einsatz in Kreativ-Berufen und Unternehmen gedacht ist. Die Quartalszahlen werden zeigen, ob sich der zuletzt rückläufige Absatz von iPads mit Hilfe des neuen Geräts aufhalten ließ.

Ein Erfolg ist offenbar der im Sommer gestartete Streaming-Musikdienst. Er hat nach Informationen der "Financial Times" die Marke von zehn Millionen Abo-Kunden überschritten, von Apple gab es schon lange keine Zahlen dazu. Die Umsätze werden zusammen mit dem Geschäft mit Apps und Downloads in der Rubrik "Dienste" verbuchte, die vor einem Jahr rund 4,8 Milliarden Dollar schwer war.

lg

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