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Technologie

Apple-Chef Tim Cook auf der Produktpräsentation in San Francisco

Wie viel geht noch?

Apple-Aktie zwischen Hoffen und Bangen

Stand: 27.01.2016, 13:54 Uhr

Anleger im nach Börsenwert wertvollsten Unternehmen der Welt sind seit Monaten verunsichert. Schafft die Apple-Aktie die Trendwende nach oben? Oder ist das der Anfang eines langen Abstiegs? boerse.ARD.de hat die wichtigsten Argumente gesammelt.

Auf die mit Spannung erwarteten Quartalszahlen haben Anleger eigentlich wie erwartet reagiert - mit weiteren Verkäufen. Apple hat eine Abschwächung bei den iPhone-Verkäufen signalisiert, vor allem in China wachsen die Umsätze nicht mehr ungebrochen.

Der Technologietitel hat seit den Höchstständen bei rund 135 Dollar etwa ein Drittel an Wert verloren. Am Mittwoch könnte die Apple-Aktie, die inzwischen auch das Schwergewicht im Dow-Jones-Index ist, erneut unter die neuralgische Marke von 100 Dollar fallen.

Chart ist angezählt

Ein Blick auf den mittelfristigen Chart verheißt schon auf den ersten Blick wenig Gutes. Die Höchstmarke von knapp 135 Dollar wurde im Jahresverlauf 2015 gleich mehrmals angelaufen, doch nie überwunden. Die letzten Aufwärtsrucks muten wie "Erschöpfungs-Bewegungen" an, auf die oft eine Kehrtwende folgt.

Charttechnik-Experten der Schweizer Großbank UBS haben bereits zu Jahresbeginn eine "Schulter-Kopf-Schulter-Formation" bei dem Titel ausgemacht. Sie geht in vielen Fällen einem anschließenden Abwärtstrend voraus. Den scheint Apple in den ersten Jahreswochen auch schon angetreten zu haben. Unterstützungen, die die UBS-Experten bei 118 und 112 Dollar ausgemacht haben, wurden schnell abgeräumt. Fazit aus der Schweiz: "Die Verkaufswelle nimmt bedrohliche Züge an."

iPhone und die Grenzen des Wachstums

Das kritische Chartbild ist freilich auch durch fundamentale Faktoren getragen. Die Gewinnmaschine des Konzerns, das iPhone, läuft immer noch rund, doch das Wachstum scheint natürliche Grenzen zu haben. Selbst Wachstumsmärkte wie China scheinen Sättigungserscheinungen zu zeigen, wobei in dem Land derzeit noch eine konjunkturelle Abkühlung dazu kommt. Apple hofft nun auf Indien als neuen Wachstumstreiber.

Doch die Prognosen für die iPhone-Verkaufszahlen im laufenden ersten Quartal wurden schon einmal nach unten korrigiert. Apple selbst spricht davon, dass man derzeit etwa "ganz Neues erlebe" (siehe Grafik).

Weltweiter iPhone-Absatz nach Geschäftsjahren

Weltweiter iPhone-Absatz nach Geschäftsjahren. | Bildquelle: Statista, Apple, Morgan Stanley, Grafik: boerse.ARD.de

Es scheint, als bestehe akute Sättigungs-Gefahr auf einem Markt, der ohnehin mit Smartphones von vielen Herstellern geflutet ist. Apple braucht vielleicht einen neuen Produkt-Coup. Doch der ist einstweilen nicht in Sicht. Zu Verkaufszahlen der Apple Watch und des Apple-TV hält sich der Konzern weiterhin bedeckt - ein untrügliches Zeichen, dass der Erfolg noch auf sich warten lässt.

Warten auf den nächsten Coup

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
95,10
Differenz absolut
-0,20
Differenz relativ
-0,22%

Doch Apple wäre nicht Apple, wenn das Unternehmen nicht bald einen neuen Verkaufsschlager aus dem Hut zaubern würde. Das dürfte eines der wichtigsten Argumente dafür sein, an der Aktie doch noch festzuhalten - oder sie sogar jetzt zu einem "günstigeren Preis" ins Depot zu legen.

Neben der Innovationskraft spricht auch die schiere Bewertung des Unternehmens an der Börse wieder stärker für die Aktie. Auf der Basis des Schätzungen für das laufende Jahr ist die Aktie in etwa mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von zehn bewertet. Das ist für ein Wachstumsunternehmen aus dem Technologiebereich eigentlich ein Schnäppchen.

Der Geldschrank ist voll

Und nicht zuletzt hat Apple gewichtige Dollar-Reserven als Kaufargument: Auf 216 Milliarden Dollar ist die Cash-Position inzwischen angewachsen. Apple ist damit - ähnlich wie vor Jahren Microsoft - gewissermaßen zu einem Geldtresor mit operativen Geschäft geworden. Damit sind einerseits "kurspflegende" Maßnahmen wie milliardenschwere Aktienrückkäufe ebenso denkbar wie Übernahmen in allen Bereichen, die für das Unternehmen einmal interessant werden könnten oder es bereits sind. Die Microsoft-Aktie hat jedenfalls die Wende längst geschafft. Neue Fantasie kann also jederzeit entfacht werden.

AB

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