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Technologie

Apple-Chef Tim Cook auf der Produktpräsentation in San Francisco

Aktie holt gestrige Verluste wieder auf

Apple macht doch noch froh

Stand: 10.09.2015, 18:07 Uhr

Die erste Reaktion der Börse war eindeutig: Daumen runter für die Apple-Aktie. Das neue Riesen-iPad und das schnellere iPhone 6s ließen die Anleger zunächst kalt. Doch am Donnerstag fällt die Reaktion deutlich freundlicher aus.

An der New Yorker Börse legen die Apple-Aktien überdurchschnittlich zu, steigen um mehr als zwei Prozent. Ganz anders am Vorabend. Da schloss die Apple-Aktie zwei Prozent schwächer bei 110,15 Dollar.

Das riesige iPad Pro mit 12-Zoll-Display zu Beginn der Präsentation hatte Anleger noch begeistert. Da konnte man sich offenbar vorstellen, den schwächelnden Absatz der Apple-Tablets anzukurbeln. Damit will Apple Geschäftskunden ansprechen.

Konkurrenzkampf mit sich selbst

Die neuen iPhone-Modelle 6s und 6s Plus mit Alu-Gehäuse, der neuen Display-Technologie "3D touch" und besserer Kamera aber konnten nicht mehr zünden. "Für Apple wird es schwerer und schwerer, mit sich selbst zu konkurrieren", sagte Analyst Bob O'Donnell vom Marktbeobachter Technalysis Research.

Bemängelt werden auch die recht hohen Preise für die neuen Apple-Geräte. Allein der Apple Pencil, mit dem das iPad Pro zu bedienen ist, kostet 99 Dollar. Und er ist zu groß, so die Kritik.

Andererseits darf man die Kursreaktionen während der Apple-Keynote auch nicht zu hoch bewerten. "Die Leute lieben es, Apple-Präsentationen zu hassen. Die Erwartungen sind sehr hoch und sie schaffen es nie, die Latte zu überqueren", sagte Portfolio-Manager Kevin Landis vom Fonds Firsthand Technology Opportunities, der stark bei Apple engagiert ist. Regelmäßig stürzt der Kurs während der Show ab. Denn zu viel sickert schon im Vorfeld der Show durch, so dass es Apple nicht mehr gelingen kann, zu überraschen. Deshalb gibt es auch keinen Coup mehr wie das "One more thing".

Das neue Abo-Modell

Den Absatzerfolg des iPhones könnte auch maßgeblich ein neues Vertriebsmodell beeinflussen, das Marketing-Chef Phil Schiller ankündigte. Bislang wechseln viele iPhone-Besitzer alle zwei Jahre ihr Smartphone, weil sie bei ihrer Telefongesellschaft einen Vertrag unterschrieben haben, der alle 24 Monate einen subventionierten Bezug eines neuen Modells ermöglicht.

Apple wird zunächst nur in den Apple Stores in den USA eine Art iPhone-Abo ab 32 Dollar im Monat anbieten, bei dem der Vertrag zwar auch mindestens zwei Jahre läuft, die Hardware aber jedes Jahr auf den aktuellen Stand gebracht wird.

Ist 3D Touch der große Wurf?

Damit die Erfolgsgeschichte nicht abreißt, führt Apple Innovationen wie das Display mit "3D Touch"-Technologie ein. Das Display kann zwischen verschiedenen Druckbewegungen der Finger unterscheiden. Drückt man kurz und heftig ein Icon auf dem Bildschirm, klappt ein Kontext-Menü für einem Schnellzugriff auf besonders häufig gebrauchte Funktionen aus.

PC-Anwender kennen diese Funktion, wenn sie mit der rechten Maustaste auf ihrem Rechner ein Kontextmenü aufrufen. In der Nachrichten-App kann man mit diesem Fingerdruck auf eine übermittelte Uhrzeit im Kalender nachschauen, ob man zu diesem Zeitpunkt schon was vorhat. Ein Druck auf eine Flugnummer zeigt, ob der Flieger pünktlich ist.

Das neue TV-Fundament

Apple-Chef Tim Cook und sein Team hatten auch nicht weniger als das "Fundament für ein neues TV" zu verkünden. So verkaufte zumindest Cook die sprachgesteuerte Neu-Auflage der Fernseh-Box Apple TV.

Das neue Fundament für den Konzern wird es so schnell aber nicht. Anleger sorgen sich um die Zukunft des Konzerns wegen der großen Abhängigkeit vom iPhone. Es ist Apples Geldmaschine hinter den Milliardengewinnen, fährt zwei Drittel der Erlöse und schätzungsweise 80 bis 90 Prozent der Gewinne ein. Das wichtigste Produkt des Hauses also. Das iPhone ist auch immer noch das wichtigste Smartphone der Welt. Doch der Thron wackelt. In China wurde das iPhone laut dem Marktforschungsunternehmen Canalys im vorigen Quartal auf den dritten Platz verdrängt. Die chinesischen Hersteller Xiaomi und Huawei sind dort top. Und China ist der Wachstumsmarkt.

Bleibt Apple die Nummer 1?

Investoren fragen sich, ob Apple seine Vormachtstellung halten kann. Schon seit langem bleiben die großen, echten Innovationen aus. Eigentlich gab es seit der Vorstellung des iPhones im Jahr 2007 nichts wirklich Großes mehr. Geht es Apple irgendwann wie Nokia, fragen sich daher Kritiker. Nokia, einst führend bei Handys, hatte irgendwann den Anschluss verpasst, als die ersten Smartphones rauskamen.

Das bekam die Apple-Aktie in den letzten Wochen zu spüren. Apple ist zwar an der Börse noch immer die größte Firma der Welt. Kein anderer Konzern ist so wertvoll. Der Höhenflug der Aktie zu Jahresanfang trug dazu bei. Doch dann kamen Anlegern die Zweifel. Die Apple-Aktie fiel von ihrem Höchstkurs bei 133 Dollar, den sie im Februar erreichte, zurück. Ob die Talfahrt bei den erreichten 110 Dollar vorbei ist? Die Verkaufszahlen für die iPhones und iPads werden zeigen, wie die Apple-Fans die Neuheiten annehmen – und das ist entscheidend.

bs

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Am Anfang der Show: Die Neuerungen um die Apple Watch. Es gibt jede Menge neue Apps wie den Facebook Messenger, der vertieft in die Apple-Uhr integriert wird, so dass Nachrichten direkt vom Handgelenk aus beantwortet werden können, oder Steuerungsmöglichkeiten für die GoPro-Kamera. Über die Apps können nun auch Videos abgespielt werden. Hermes wird drei neue Armbänder für die Uhren designen. Aus Leder. Außerdem gibt es ein neues Sportarmband in schwarz - insgesamt acht neue Farben.

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