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Appel redet Post-Aktie klein

Ein Interview des Vorstandschefs Frank Appel zum Thema 'Paketboom dank Onlinehandel' kommt bei den Investoren nicht besonders gut an. Dabei sind die erwarteten Wachstumsraten für das Logistikunternehmen gar nicht so übel.

Das Paketgeschäft der Deutschen Post wird nach Ansicht von Vorstandschef Frank Appel weiter vom boomenden Online-Handel profitieren, das Wachstum dürfte sich aber abschwächen. "Wir werden dort in den kommenden Jahren nicht weiterhin mit prozentual zweistelligen Wachstumsraten zulegen können", sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post DHL der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Samstag). "Aber wir erwarten durchaus ein jährliches Wachstum des Paketmarktes von fünf bis sieben Prozent."

Warum nicht handeln wie die Briten?  

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Besonders gerne werden im Internet Bekleidung, Medien wie Bücher oder Elektronikartikel bestellt. Appel setzt seine Hoffnungen nun auf den Lebensmittelhandel, der zumindest in Deutschland von den Verbrauchern noch nicht optimal angenommen wird. "Die Briten decken schon rund  fünf Prozent ihres Tagesbedarfs über Online-Bestellungen ab", sagte der Post-Chef. "Davon sind wir in Deutschland noch sehr weit entfernt - aber warum sollte es sich hier nicht auch in diese Richtung entwickeln?"

Im jungen Jahrtausend: Pakete statt Briefe  

Appel ist mit seiner Meinung zumindest nicht allein. In einer Studie des vergangenen Jahres hatten die Fachleute der Unternehmensberatung A.T. Kearney, die These vertreten, dass der Onlinehandel mit Lebensmitteln auch in Deutschland vor einem Boom stehe. Bis 2016 prognostizieren sie ein Umsatzplus von 700 Prozent.

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Klar, dass die Post hier mitmischen will, denn der Onlinehandel wird immer wichtiger. Immerhin würden die Volumina, die durch das langsam abschmelzende Briefgeschäft wegfielen, unter anderem über das Wachstum durch den Versand von Waren aus dem Online-Handel ausgeglichen, erläutert der Manager.

Mehr Wettbewerb ist gewünscht       

Zur gescheiterten Fusion der Logistikkonzerne UPS und TNT Express sagte Appel: "Für uns ist die Entwicklung sicherlich positiv. Denn TNT ist jetzt erst einmal weiterhin vor allem mit sich selbst beschäftigt." Die europäischen Wettbewerbshüter hatten am Mittwoch ihr Veto gegen das Vorhaben eingelegt. Nach Ansicht der EU-Kommission hätte es nach dem Zusammenschluss zu wenig Wettbewerb in Europa gegeben.

Die Anleger reagierten auf die Äußerungen des Vorstandschefs irgendwie verschnupft. Mit einem Abschlag von mehr als 1,5 Prozent auf 17,20 Euro belegt die Post im Dax den letzten Platz. Seit Jahresstart hatte die Aktie mit einem Aufschlag von mehr als drei Prozent etwas stärker abgeschnitten als der Vergleichsindex Dax. Während die Titel von TNT seit Anfang Januar abgestürzt sind, treten die Anteile von UPS quasi auf der Stelle. Die TNT-Aktie war zeitweise um mehr als 50 Prozent eingebrochen, nachdem sich angedeutet hatte, dass die Fusion zwischen TNT und UPS platzen würde.

Auch eine kritische Analyse macht der Post-Aktie heute zu schaffen. HSBC-Analystin Julia Winarso senkte ihre Einstufung auf "Underweight" und sieht mit einem Kursziel von 16,50 Euro Rückschlagspotenzial. Das Vertrauen der Anleger sei wieder aufgebaut, und dies komme in der Bewertung bereits zum Ausdruck. Die Markterwartungen lägen bereits am oberen Ende dessen, was für 2013 an Ausblick zu erwarten sei.

Hintergrund

Zahlen zum Onlinehandel

Nach Angaben des Handelsverbandes HDE setzte der Einzelhandel im Jahr 2012 29,5 Milliarden Euro um; ein Plus von 13 Prozent zum Vorjahr. Für das laufende Jahr rechnet der Verband mit einem Plus von 12 Prozent. 2013 wird er also erstmalig über 30 Milliarden Euro betragen. Im Jahr 1999 hatte der Umsatz noch 1,3 Milliarden Euro gelegen. Die zehn größten Onlineshops erwirtschaften nach Infos des HDE zusammen fast 32 Prozent des gesamten Umsatzes. Davon entfielen fast 60 Prozent allein auf Amazon. Zum Vergleich: Im Jahr 2012 setzte der Einzelhandel insgesamt etwa 428 Milliarden Euro um.

Stand: 04.02.2013, 10:39 Uhr

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