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Dax 13.000?

Anleger in Hochstimmung

Stand: 05.06.2017, 11:05 Uhr

Sell in May? Von wegen. Der Dax eilt von Rekordhoch zu Rekordhoch. Nun nähert er sich gar den 13.000 Punkten. Ob er diese nächste runde Marke in der neuen Woche knackt, hängt von Großbritannien und der EZB ab.

ARD-Börsenstudio: Mischa Ehrhardt

Dax auf neuem Allzeithoch

Langsam wird die Aktien-Rally unheimlich: Selbst im statistisch gesehen zweitschlechtesten Börsenmonat Mai stieg der Dax um 1,4 Prozent. Und in den ersten Juni-Tagen setzte sich der rasante Höhenflug fort. Mit 12.878 Punkten erreichte der deutsche Leitindex ein neues Rekordhoch. Auf Wochensicht legte er 1,8 Prozent zu. Wer also die alte Börsenregel "Sell in May and go away" ("Verkaufe im Mai und verlasse die Börse") beherzigt hat, dem sind einige Kursgewinne entgangen.

Wall Street im Rekordlauf

ARD-Börsenstudio: Mischa Ehrhardt

Wall Street in Rekordlaune

Der Rekordlauf könnte in der verkürzten Woche nach Pfingsten weitergehen, wenn der Rückenwind von der Wall Street anhält. In der vergangenen Woche zog der Dow um 0,6 Prozent an und kletterte auf eine neue Bestmarke von 21.225 Punkten. Noch besser entwickelten sich Technologiewerte. Der Nasdaq 100 gewann auf Wochensicht 1,6 Prozent.

Der Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen konnte die Kauflaune der Anleger nicht bremsen. Warum auch, denn Experten zufolge verringern sich durch diese Entscheidung die unmittelbaren Kosten für die US-Wirtschaft. Selbst den enttäuschenden US-Arbeitsmarktdaten gewannen die Börsianer etwas Positives ab: Die Fed könnte nun ihre geplante Straffung der Geldpolitik verlangsamen.

Der 13.000er Gipfel in Reichweite

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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12.240,06
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-1,66%

Der Börsen-Optimismus ist groß. "Jetzt hat der Dax die Chance in Richtung 13.000 Punkte durchzustarten", meint Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets. Aktuell fehlen nur noch 1,4 Prozent bis zu dieser psychologisch wichtigen Marke.

Vor allem die guten Konjunkturaussichten in Europa stimmen die Anleger zuversichtlich. Das Bankhaus Sal. Oppenheim rechnet mit einem Wachstum von zwei Prozent für das laufende Jahr und von 1,6 Prozent für 2018 in der Eurozone. Damit liege Europa fast gleichauf mit den USA, meint Volkswirtin Ulrike Kastens. "Es tut sich was in Europa."

Commerzbank warnt vor Gegenwind

Andere Experten sind skeptischer und warnen vor zu viel Euphorie. So drohe laut der Commerzbank im Sommer Gegenwind vom stärker gewordenen Euro und von der US-Politik. Die Hoffnungen auf eine Belebung der US-Wirtschaft sind inzwischen weitgehend eingepreist. Damit hat sich auch die Gefahr von negativen Überraschungen erhöht.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
48,14
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-2,69%

Tatsächlich haben der jüngste Terror-Anschlag von London und zunehmende Spannungen in der Golfregion haben am Montag für spürbare Zurückhaltung an Europas Aktienmärkten gesorgt. Der EuroStoxx50 gab bis zum Mittag um gut 0,4 Prozent nach. Die Frankfurter Börse blieb am Pfingstmontag geschlossen. Am Rohstoffmarkt drehten die Ölpreise wieder ins Minus. Zunächst hatten sie zugelegt. Für Verunsicherung sorgte die Nachricht, dass Saudi-Arabien und andere arabische Staaten wegen des Vorwurfs der Terror-Unterstützung ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar abbrechen.

Hebt die EZB den Konjunkturausblick an?

In der Woche nach Pfingsten dürfte sich der Blick vor allem nach Europa richten. Am Donnerstag gibt die Europäische Zentralbank (EZB) ihren mit Spannung erwarteten Konjunkturausblick. Sollten die Währungshüter die Perspektiven in der Eurozone optimistischer bewerten als bisher, dürfte der Euro seinen jüngsten Anstieg weiter fortsetzen. Ihren aktuellen geldpolitischen Kurs dürfte die EZB wohl beibehalten. Erst auf der Sitzung im September wird die EZB voraussichtlich ankündigen, die Anleihenkäufe von Januar 2018 an herunterzufahren, glaubt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank.

Wie gut Europas Konjunktur läuft, zeigt der am Pfingstmontag veröffentlichte Einkaufsmanagerindex. Er verharrte im Mai auf dem April-Niveau von 56,8 Punkten und damit auf dem höchsten Stand seit sechs Jahren. Weitere Indikatoren für die Wirtschaftslage in der Euro-Zone werden die Einzelhandelsumsätze und das Wirtschaftswachstum sein, die am Dienstag und Mittwoch auf der Agenda stehen. Aus Deutschland werden die Daten zu den Auftragseingängen (Mittwoch) und zur Industrieproduktion (Donnerstag) erwartet.

Bange Blicke nach Großbritannien

Ein weiteres Ereignis wird die Anleger in dieser Woche auf Trab halten: Die Parlamentswahlen in Großbritannien am Donnerstag. Premierministerin Theresa May muss um ihre Mehrheit im Unterhaus bangen. Umfragen zufolge ist der einst deutliche Vorsprung von Mays Tories kräftig geschrumpft. Einige Demoskopen prognostizieren sogar einen Verlust der absoluten Mehrheit am 8. Juni. "Der Ausgang der Wahl hat großen Einfluss auf das Ergebnis der Brexit-Verhandlungen", sagt Rabobank-Volkswirt Stefan Koopman. Sollten die Konservativen auf die Unterstützung anderer Parteien angewiesen sein, werde ein "sanfter Brexit" wahrscheinlicher. Wie stark die jüngsten Terroranschläge in London und Manchester die Wahlen beeinflussen, ist ungewiss.

Im Auge behalten sollten die Anleger auch die Parlamentswahlen in Frankreich. Dann entscheidet sich, wie groß die Gestaltungsmöglichkeiten des neuen Präsidenten Emmanuel Macron sind. Am kommenden Sonntag findet die Erste Runde der Wahlen statt.

Wenig Unternehmensnachrichten zu erwarten

Von der Unternehmensseite sind in der verkürzten Woche nach Pfingsten kaum Impulse zu erwarten. Am Mittwoch legt der deutsch-südafrikanische Möbelkonzern Steinhoff seine Halbjahreszahlen vor. Am Donnerstag lädt der Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druck zur Bilanzpressekonferenz ein. Spannend könnte die Hauptversammlung von Uniper am selben Tag werden. Spekulationen auf eine Übernahme durch den finnischen Konkurrenten Fortum haben zuletzt die Uniper-Aktien auf ein Rekordhoch von 18,30 Euro getrieben.

Bei der Neuordnung der deutschen Aktienindizes, über die der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse am Dienstag entscheidet, dürfte es Experten zufolge nur eine kleine Veränderung geben: Das Immobilienunternehmen Grand City Properties gilt als heißer Aufstiegskandidat für den SDax, der die Online-Lotterie Zeal Network verdrängen dürfte.

nb

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