Seitenueberschrift

Wochenausblick

Treibt Draghi den Dax über 10.000 Punkte?

Anleger hoffen auf die große "Draghi-Show"

Stand: 06.03.2016, 11:44 Uhr

Das Wohl und Wehe an den Börsen bestimmt in der kommenden Woche Mario Draghi. Der EZB-Präsident wird die europäische Geldpolitik weiter lockern. Die Frage ist nur: Wie stark?

Enttäuscht "Super Mario" erneut wie Mitte Dezember? Oder schafft er es diesmal, die hohen Erwartungen der Börsianer zu erfüllen oder sie gar zu übertreffen? "Draghi wird liefern müssen, weil er sich selbst in massiven Zugzwang gebracht hat", glaubt Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank.

Noch tiefere Minuszinsen

Die meisten Experten rechnen damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen für Einlagen bei der Notenbank um 0,2 Prozentpunkte auf minus 0,5 Prozent senkt. Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert kann sich auch einen gestaffelten Einlagenzins vorstellen. Bis zu einem bestimmten Beitrag müssten Geschäftsbanken eine geringere oder gar keine Strafgebühr zahlen.

Zudem könnte die EZB die Anleihenkäufe nochmals ausweiten, um die Deflationsgefahr - eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen - abzuwenden. Bislang pumpen die Notenbanker monatlich 60 Milliarden Euro in die Finanzmärkte.

Frank Engels, Fondsmanager der Union Investment, prophezeit eine "Draghi-Trilogie" an Lockerungsmaßnahmen. Er erwartet eine Einlagenzinssenkung, flankiert von einer Ausweitung der Anleihenkäufe und neuen Billig-Krediten für die Geschäftsbanken.

Dax 10.000?

Kann Draghi tatsächlich diesen hohen Erwartungen gerecht werden oder sie noch toppen, dürfte der Dax weiter nach oben rauschen und wohl die Marke von 10.000 Punkten überwinden. In den letzten drei Wochen hat der deutsche Leitindex gut zehn Prozent zugelegt und einen Teil der Jahresverluste wettgemacht. In der abgelaufenen Woche lag das Plus bei 3,3 Prozent. Mit 9.899 Punkten war der Dax zeitweise nur noch 100 Zähler von der 10.000er Schallmauer entfernt.

Der Dow stieg erstmals seit zwei Monaten wieder über die Marke von 17.000 Punkten und verzeichnete ein Wochenplus von 2,2 Prozent. Der breiter gefasste S&P500 kletterte um 2,7 Prozent auf 1.999 Zähler. Der Arbeitsmarktbericht aus den USA machte die Anleger ratlos. Zwar wurden mit 242.000 neuen Arbeitsplätzen mehr Jobs geschaffen als erwartet, gleichzeitig sanken aber erstmals seit Ende 2014 wieder die Stundenlöhne. Experten sind sich uneinig, ob die Fed damit nun mehr oder weniger Spielraum für weitere Zinserhöhungen hat. Am 15. und 16. März trifft die Fed zu ihrer nächsten Sitzung zusammen. Neue wegweisende US-Konjunkturdaten stehen in der kommenden Woche nicht an.

Die Richtung an den Börsen dürfte auch von den Ölpreisen abhängen. Diese zogen in der abgelaufenen Woche um sechs Prozent an. Experten rechnen mit einem Anstieg des Preises der Nordsee-Sorte Brent auf 40 Dollar je Barrel. Nach Einschätzung von Rohstoffexperten der Commerzbank haben in den vergangenen Tagen Meldungen über ein fallendes Angebot in der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) und in den USA für Auftrieb gesorgt.

China reduziert Wachstumsprognose

Bange dürften die Anleger nach China schauen. Die Regierung hat am Wochenende die Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 6,5 bis sieben Prozent gesenkt. Bisher war Peking von einem Plus von rund sieben Prozent ausgegangen. Ob China das erhoffte Konjunkturprogramm beschließt, ist ungewiss.

Neue Impulse könnte die deutsche Berichtssaison liefern. Sechs Dax-Konzerne legen in der kommenden Woche ihre Bilanzen vor. Den Anfang machen Merck und RWE am Dienstag, Eon, Lufthansa und die Deutsche Post folgen am Mittwoch, bevor am Donnerstag der künftige Dax-Absteiger K+S Einblick in seine Bücher gibt. Aus der zweiten Reihe werden Zahlen von Fraport, Symrise, Gea, RTL und Telefonica Deutschland erwartet.

nb

Darstellung: