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Banken

Teurer Vergleich im Hypotheken-Streit

Alte Sünden kosten Goldman Milliarden

Stand: 15.01.2016, 11:05 Uhr

Die Liste der Milliarden-Strafen in der Bankenbranche wird immer größer: Goldman Sachs muss über fünf Milliarden Dollar zur Beseitigung von Altlasten aus der Finanzkrise zahlen. Das belastet das Quartalsergebnis.

Die bekannte Investmentbank hat sich im Hypothekenstreit auf einen milliardenschweren Vergleich mit den US-Behörden geeinigt. Damit sollen verschiedene laufende und potenzielle Zivilklagen beendet werden, teilte Goldman Sachs am Donnerstagabend nach US-Börsenschluss mit.

Goldman Sachs: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
143,98
Differenz absolut
-2,75
Differenz relativ
-1,88%

Es geht um faule Hypothekengeschäfte, genauer gesagt um den Verkauf mit Immobilienkrediten hinterlegter Wertpapiere aus den Jahren 2005 bis 2007. Viele Großbanken hatten sich auf dem amerikanischen Immobilienmarkt damals eine goldene Nase verdient. Sie reichten Hypotheken an mittellose Familien aus und blähten damit ihr Kreditgeschäft auf. Die Risiken wurden anschließend an Investoren weitergereicht - in Form von hochkomplexen Anleihen, die den Banken hohe Gebühren in die Kasse spülten. Als der Markt 2007 kollabierte, erwiesen sich diese Bonds als wertlos. Viele der Käufer klagten gegen die Banken.

Milliarden-Belastung im vierten Quartal

Der teure Vergleich wird das Ergebnis von Goldman Sachs im vierten Quartal um 1,5 Milliarden Dollar nach Steuern schmälern. Am kommenden Mittwoch veröffentlicht die Bank ihre Zahlen. Bisher gingen Analysten davon aus, dass das Ergebnis je Aktie von 4,38 Dollar auf 4,04 Dollar schrumpft. Goldman Sachs dürfte die einzige der sechs US-Großbanken sein, die im Schlussquartal weniger verdient haben. Bereits im dritten Quartal war der Gewinn der "Goldmänner" um 36 Prozent eingebrochen.

Mit der Milliarden-Zahlung befindet sich Goldman Sachs in guter Gesellschaft. Nach Angaben der Ratingagentur Moody's mussten von 2008 bis 2014 die fünfzehn größten Investmentbanken 219 Milliarden Dollar für Rechtsstreitigkeiten aufwenden. Etwa zwei Drittel der Summe entfielen auf amerikanische Banken.

Andere Geldinstitute mussten für die Beilegung des Hypothekenstreits noch viel mehr Strafen zahlen: Die Bank of America zahlte in einem ähnlichen Vergleich 2014 fast 17 Milliarden Dollar, bei JP Morgan waren es 2013 rund 13 Milliarden Dollar. Auch die Deutsche Bank, die auf dem US-Häusermarkt kräftig mitmischte, wartet noch auf einige Hypothekenstrafen und hat dafür angeblich viel Geld zur Seite gelegt.

nb

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