Versicherer

ARD-Börsenstudio: Mischa Ehrhardt

Aktienrückkaufprogramm, mehr Dividende Allianz hält Anleger bei Laune

Stand: 17.02.2017, 09:33 Uhr

Dass die Geschäfte bei der Allianz wieder brummen, hatten bereits die letzten Quartalszahlen gezeigt. Doch in der am Abend überraschend veröffentlichten Jahresbilanz zeigt der Versicherer, wie gut es ihm wirklich geht. Davon profitieren natürlich auch die Aktionäre.

Der Versicherungskonzern hatte seinen Aktionären ein operatives Ergebnis von zehn bis elf Milliarden Euro versprochen. Analysten rechneten zuletzt mit 10,7 Milliarden. Herausgekommen sind schließlich 10,8 Milliarden wie der Münchner Konzern am Abend überrschend mitteilte. Der Jahresüberschuss erhöht sich um 4,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 6,9 Milliarden Euro. Dabei sind die Einnahmen auf 122,4 Milliarden Euro gesunken, zwei Milliarden weniger als erwartet.

Angesichts der gestiegenen Profitabilität bekommen auch die Anleger ein größeres Stück vom Kuchen ab: die Dividende steigt auf 7,60 Euro je Aktie, von 7,30 Euro im letzten Jahr. Dieses Plus fällt höher aus als die meisten Analysten prognostiziert hatten.

Aktienrückkaufprogramm

Und noch eine Frage beantwortet der Versicherer im Sinne der Aktionäre: Die Allianz startet ein auf zwölf Monate angelegtes Aktienrückkaufprogramm im Umfang von bis zu drei Milliarden Euro. Der Konzern hatte im Jahr 2014 etwa 2,5 bis 3 Milliarden Euro für den Kauf von Unternehmen zurückgelegt - die von der Allianz-Chefetage selbst gesetzte Frist dafür war drei Jahre.

Bisher hat das Unternehmen aber keine Großinvestition getätigt. Zuletzt gab es zwar Gerüchte die Allianz habe Interesse an einer Übernahme des australischen Versicherers QBE für rund 14 Milliarden Euro. Im Januar wurde spekuliert, dass die Allianz sich Teile des italienischen Versicherers Generali einverleiben könnte, sollte Intesa Sanpaolo Generali tatsächlich übernehmen.

Weil daraus nichts geworden ist, haben die Aktionäre deshalb damit gerechnet, dass die Allianz das Geld für den Kauf eigener Aktien ausgibt, die dann eingezogen werden. Das würde den Aktionären zugute kommen, da der Gewinn dann auf weniger Anteile verteilt wird und die Ausschüttung pro Aktie steigt.

Allianz-CEO Dieter Wemmer

Allianz-CEO Dieter Wemmer. | Bildquelle: picture alliance / Sven Simon

Finanzvorstand Dieter Wemmer erklärte am Morgen, dass Allianz auch weiterhin flexibel genug sei, um Übernahmen zu stemmen. Wichtig auch sein Kommentar, dass die Gesellschaft alle ihre Ziele auch durch organisches Wachstum erreichen könne, Zukäufe seien kein 'Muss'. Auch beim Aktienrückkauf selbst, so Wemmer weiter, sei man flexibel und werde nicht unbedingt schnell tätig werden.

Nettozuflüsse bei Pimco

Wegen der niedrigen Zinsen verlief das Jahr je nach Geschäftsbereich unterschiedlich. In der Lebens- und Krankenversicherung wurde der stärkste Anstieg des operativen Ergebnisses verzeichnet - um 9,3 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro. Dagegen verringerte sich im Geschäftsbereich Schaden- und Unfallversicherung das operative Ergebnis 2016 um 4,2 Prozent, hauptsächlich verursacht durch ein niedrigeres Kapitalanlageergebnis, während sich das versicherungstechnische Ergebnis verbesserte.

Oliver Bäte, Allianz

Oliver Bäte. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Im Asset Management hat die US-Tochter Pimco in der zweiten Jahreshälfte 2016 wieder Nettomittelzuflüsse verzeichnete - und zwar zwei Quartale in Folge. Insgesamt stieg das verwaltete Vermögen um 6,1 Prozent auf 1.871 Milliarden Euro per Jahresende, allerdings vor allem wegen der gestiegenen Kapitalmärkte. Auch der Januar hat nach Angaben von Dieter Wemmer mit Zuflüssen gut begonnen. Diese lägen ziemlich nahe am Mittelzufluss des gesamten vierten Quartals.

Ergebnis soll weiter wachsen

Und wie geht es nun weiter? "Das Jahr 2016 bot reichlich an - teilweise unerfreulichen - Überraschungen, die unsere politische und wirtschaftliche Umwelt maßgeblich beeinträchtigen werden", sagte Konzernchef Oliver Bäte. Dies erschwere Vorhersagen für 2017. Gleichwohl hofft er auf eine weitere Verbesserung des operativen Ergebnisses.

"Die Allianz Gruppe zielt für 2017 auf ein operatives Ergebnis in Höhe von 10,8 Milliarden Euro ab, plus/minus 500 Millionen Euro, vorbehaltlich unvorhergesehener Ereignisse, Krisen oder Naturkatastrophen", sagte Oliver Bäte. Auch Dieter Wemmer bestätigte, dass man auf einem guten Weg sei, das 2018er-Ziel beim Ergebnis je Aktie zu erreichen.

Aktie an der Dax-Spitze

In einem ansonsten tristen Marktumfeld ist die Allianz-Aktie am Freitag die einzige, die im Dax begeistern kann. Das schwer gewichtete Papier legt über drei Prozent zu und überspringt die Marke von 160 Euro. Versicherungsaktien gelten als klassische 'Value- beziehungsweise dividendenorientierte' Aktien, bei denen größere Kurssprünge eher die Ausnahme sind. Dies passt zum langfristig ausgelegten Geschäft, vor allem in der Personenversicherung.

Das Allianz-Papier war zu Beginn des vorigen Jahres mit dem Gesamtmarkt bis auf 120 Euro zurückgefallen, hat die Verluste seit dem Sommer aber wieder ausgeglichen. Mittelfristig lief es gut, der Aktienkurs ist vom Fünf-Jahres-Tief im Herbst 2012 bei 70 Euro auf über 160 Euro gestiegen, dies begleitet von kontinuierlich gesteigerten Dividendenzahlungen. Auf Basis des aktuellen Kurses von 163 Euro ergibt sich bei der angekündigten Ausschüttung von 7,60 Euro eine Dividendenrendite von knapp 4,7 Prozent.

lg/rm

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