Seitenueberschrift

Versicherer

Werbebanner der Allianz bei einem Formel1-Rennen

Höhere Gewinne, höhere Dividende

Allianz - gar nicht so übel

Stand: 19.02.2016, 13:20 Uhr

Europas größter Versicherer Allianz kann sich mit seiner Bilanz sehen lassen. Trotz gestiegener Katastrophenschäden stieg der Gewinn, weshalb die Allianz auch bei der Dividende ordentlich nachlegt. Für die Börse ist das alles aber nicht der ganz große Wurf.

Die Allianz-Aktionäre sollen mit einer von 6,85 auf 7,30 Euro erhöhten Dividende an dem Erfolg des Versicherers teilhaben. Das ist eigentlich ganz ordentlich, liefert es doch beim aktuellen Kurs eine Dividendenrendite von 5,4 Prozent. Doch am Markt hatte man auf noch einen Schlag mehr gehofft, Analysten waren im Mittel von 7,40 Euro je Aktie ausgegangen.

Auf der Gewinnseite blieb die Allianz ebenfalls hinter den Erwartungen zurück. Unter dem Strich kletterte der Überschuss um sechs Prozent auf 6,6 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis stieg im Jahresvergleich um drei Prozent auf 10,7 Milliarden Euro, wie der Dax-Konzern am Freitag in München mitteilte, womit der Versicherer knapp unter der im Sommer ins Visier genommenen Höchstmarke von bis zu 10,8 Milliarden Euro blieb. Allerdings hatte die Allianz hinter das Maximalziel zuletzt ein kleines Fragezeichen gesetzt.

Der seit Mai amtierende Vorstandschef Oliver Bäte geht mit gedämpften Erwartungen in das neue Jahr. Er stellte zwar "sehr gute Ergebnisse" für die Zukunft in Aussicht, konkret kündigte er für 2016 ein operatives Ergebnis von zehn bis elf Milliarden Euro an. Analysten hatten zuletzt mit 10,8 Milliarden Euro gerechnet. Doch geht Bäte in allen drei Sparten des Konzerns eher von einem Gewinnrückgang aus.

Allianz-Aktie auf Abwegen

Allianz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
146,70
Differenz absolut
-0,30
Differenz relativ
-0,20%

An der Börse macht sich nach den Zahlen Enttäuschung breit. Die Allianz-Aktie verliert zeitweise mehr als drei. Das Papier hat in diesem Jahr schon einiges einstecken müssen. Es notiert derzeit auf einem 52-Wochen-Tief.

Im vorigen Jahr konnte der Kurs zwar rund ein Fünftel an Wert zulegen. Doch in dem noch kurzen Jahr 2016 wurden die Zugewinne des vorigen Jahres komplett zunichte gemacht - und sogar noch mehr. Aktuell notiert die Aktie bei 135,75 Euro.

Allianz-Chef Oliver Bäte zeigte sich bei Präsentation der Bilanz gleichwohl gelassen. Dass die Allianz die Erwartungen der Finanzmärkte verfehlte, sei ihm "relativ wurscht". Der Versicherer müsse sich um den langfristigen Erfolg kümmern und nicht darum, was in wenigen Stunden passiere.

Die Niedrigzinsen belasten

Die Allianz steckt wie andere Versicherer wegen der Niedrigzinsen unter Druck. Im Lebensversicherungsgeschäft kann sie die versprochenen hohen Zinsen für Altverträge immer schwerer erwirtschaften. Im Schaden- und Unfallgeschäft lassen sich die kalkulierten Prämieneinnahmen kaum mehr mit Zinserträgen aufpeppen.

Die Zinsflaute bereitet dem Allianz-Chef nach wie vor Sorge. Die derzeitige Geldpolitik als "locker" zu bezeichnen, höre sich vielleicht gut an, sei aber für die Anleger eine Katastrophe.

»Dem Sparer wird in die Tasche gegriffen, und irgendjemand anders kriegt das Geld - ich glaube nicht, dass das gut ist.«

Allianz-Chef Oliver Bäte

Weitere Abflüsse bei Pimco

Die drei Konzernbereiche haben sich 2015 höchst unterschiedlich entwickelt. In der Schaden- und Unfallversicherung stieg das operative Ergebnis um vier Prozent, obwohl Naturkatastrophen-Schäden teurer kamen als im Vorjahr. In der Lebens- und Krankenversicherung ließen Gewinne bei den Kapitalanlagen das operative Ergebnis um 14 Prozent wachsen.

In der Vermögensverwaltung litt die Allianz hingegen weiter unter den Mittelabflüssen bei der US-Fondstochter Pimco. Dort hatten Anleger über zweieinhalb Jahre lang Milliardensummen abgezogen, besonders nach dem Rausschmiss des Star-Managers Bill Gross im Jahr 2014. Auch eine Gewinnsteigerung der zweiten Fondstochter Allianz Global Investors konnte nicht verhindern, dass das operative Ergebnis der gesamten Sparte um zwölf Prozent sank. Die Mittelabflüsse bei Pimco dürften noch dieses Jahr anhalten - wenn auch nicht mehr in dem ganz großen Stil. Erst gegen Jahresende sei mit Zuflüssen zu rechnen.

Keine großen Zukäufe

Großen Zukäufen hat Bäte erst einmal eine Absage erteilt. "Wir wollen keine Riesen-Akquisitionen machen." Diese schafften meistens keinen Wert. Die Chancen, sich aktiv an einer Konsolidierung der Branche zu beteiligen, seien aber angesichts bröckelnder Aktienkurse gestiegen.

"Wir werden unser Pulver trocken halten, um zuschlagen zu können, wenn der eine oder andere wackelt", sagte Bäte. Die Allianz interessiere sich vor allem für Sachversicherer. In dem Bereich könnten sich in den nächsten zwei Jahren günstige Gelegenheiten ergeben.

bs

Darstellung: