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Jack Ma, CEO Alibaba

Goldgräberstimmung an der Wall Street

Alibaba - der Börsengang der Superlative

Stand: 21.09.2014, 10:48 Uhr

Noch nie haben sich die Anleger an der New Yorker Weltleitbörse um neue Aktien so gerissen wie um die des chinesischen Onlinehändlers Alibaba. Alle waren wie im Rausch. Am Ende stand der größte jemals durchgeführte Börsengang überhaupt.

Firmengründer Jack Ma wartete wegen der Flut von Kaufaufträgen über zwei Stunden gespannt auf die Erstnotiz seiner Alibaba-Aktie, die dann bei 92,70 Dollar lag. Bis auf 99,70 Dollar ging es danach schnell weiter nach oben, ehe Gewinnmitnahmen einsetzten. Der Zeichnungspreis lag bei 68 Dollar, so dass sich die Investoren, die Aktien zugeteilt bekommen haben über einen satten Zeichnungsgewinn von rund 36 Prozent freuen können.

Feierlich eingeläutet wurde das Börsenleben bereits pünktlich um 9:30 Uhr Ortszeit (15:30 MEZ). Anders als üblich griff aber der Alibaba-Chef nicht selbst zur Eröffnungsglocke. Er ließ acht Alibaba-Kunden den Handel an der Wall Street einläuten.

Die Zahlen sprechen für sich

Am Ende ihres ersten Handelstages schloss die Alibaba-Aktie dann bei 93,89 Dollar, ein Zuwachs von 38,07 Prozent. Damit ist Alibaba 231 Milliarden Dollar (rund 180 Milliarden Euro) wert - mehr als Walt Disney oder Coca-Cola. "Das ist der größte Börsengang, den die Welt je gesehen hat, deshalb herrscht Feierstimmung auf dem Parkett - ob man will oder nicht", sagte Händler Benedict Willis von Sunrise Securities.

Freuen werden sich auch die anderen Anteilseigner. Intertpionier Yahoo strich acht Milliarden Dollar ein. Die Yahoo-Aktie, die anfangs ebenfalls zulegte, fiel aber im Handelsverlauf zurück. Größter Anteilseigener ist der japanische Technologie-Konzern Softbank mit 32 Prozent. Dieser hat am Freitag keine Alibaba-Aktien abgegeben.

Yahoo: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
38,42
Differenz absolut
-0,36
Differenz relativ
-0,93%

Rekordsumme eingeholt

Alibaba sprengt alle bisher dagewesenen Börsengänge. Inklusive der Mehrzuteilungsreserve von 48 Millionen Aktien, die ebenfalls platziert wurde, spielte der Gang aufs Parkett in New York 25 Milliarden Dollar ein. Damit löst Alibaba in New York den Kreditkartenanbieter Visa ab, der im Frühjahr 2008 immerhin 17,9 Milliarden Dollar erlöste. Den bisherigen Weltrekord hielt die chinesische AGBank mit 22,1 Milliarden Dollar im Jahr 2010. Hier finden Sie die Top 9 der größten Börsengänge der Welt.

Gemessen am Emissionspreis wurde Alibaba mit insgesamt 168 Milliarden Dollar bewertet und kommt auf ein KGV von 29. Das scheint erst einmal teuer im Vergleich zu Ebay oder Apple – sieht aber geradezu billig aus neben Facebook oder gar Twitter und Amazon. Wie teuer ist Alibaba wirklich? - ein Größenvergleich mit anderen Internet-Aktien.

Eine neue Erfolgsgeschichte à la Google?

Was gerade US-Investoren begeistert: Der Börsengang erlaubt es ihnen, einen Teil des Kuchens vom riesigen chinesischen Markt abzubekommen. Andere sind elektrisiert von der Hoffnung, Alibaba könnte eine neue Erfolgsgeschichte à la Google und Amazon werden.

Die Begeisterung für die Aktie war schon im Vorfeld riesig. Alibaba hat seine 320 Millionen Aktien zu 68 Dollar ausgegeben, also zu umgerechnet etwa 52,80 Euro. Damit lag der Preis am oberen Ende des Spektrums von 66 bis 68 Dollar, zu dem das chinesische Unternehmen auf der zweiwöchigen Roadshow das Interesse bei Investoren abklopfte. "Das war einer der beeindruckenderen Präsentationen", sagte Jerry Jordan, der den 48 Milliarden Dollar schweren Jordan Opportunity Fund verwaltet. "Mir war gar nicht klar, wie erfolgreich sie sind." Das Interesse war so hoch, dass Alibaba den Preis hoch ansetzen konnte, und die großen Banken, die den Börsengang begleiten, ihre Orderbücher früher schlossen als geplant.

In der Gewinnzone

Anders als andere Internet-Firmen arbeitet Alibaba zum Börsenstart bereits profitabel – und das schon seit 2002. Zwischen April und Juni erwirtschaftete Alibaba unterm Strich knapp zwei Milliarden Dollar und verdreifachte damit seinen Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Allerdings mangelt es an Transparenz, die vielen Firmenverflechtungen sind nicht ganz durchsichtig. "Ich mache mir immer noch Sorgen um die Transparenz chinesischer Firmen, die an unseren Börsen notiert sind, " sagte der demokratische Senator Bob Casey aus Pennsylvania. Die Wall Street wollte den Internet-Giganten dennoch bei sich notiert haben und machte daher Zugeständnisse, die die chinesische Börse nicht machen wollte.

Der Börsengang ermöglicht Alibaba weiter zu expandieren. Der Onlinehändler wird oft als die chinesische Version von Amazon und Ebay beschrieben, weil er Funktionen beider Anbieter vereint. Er betreibt unter anderem die beliebteste chinesische Plattform für Onlinehandel, Taobao. Die Plattform hat 500 Millionen Nutzer und Schätzungen zufolge einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent bei Verkäufen von privat an privat. Wenn man mal schaut, wo Alibaba sein Geld verdient, dann sieht man, der Onlinehändler hat auch bei Google, Groupon und Twitter abgekupfert.

Kleine Geschichte am Rande

Die Chinesen legen bei ihrer deutschsprachigen Webpräsenz offenbar nur wenig Wert auf eine korrekte Übersetzung. Es gibt dort viele skurrile Produkte mit teils sehr amüsanten Artikelbeschreibungen. Zum Beispiel "Körperteile" – gemeint sind Karosserieteile fürs Auto (englisch: body parts). Oder der Nutzer findet in seinem virtuellen Einkaufswagen "coole Nüsse made in china" statt Schraubenmuttern. Es gibt offenbar nichts, was es nichts gibt, sogar "Servietten der Pflaumeblüte" – Damenbinden. Alibaba hat ganz offensichtlich die komplette Website nur durch den Google-Übersetzer gejagt. Ab und an ist man eben weiter auf die Konkurrenz angewiesen.

bs/rm

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