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Ausblick

Berichtssaison deutscher Unternehmen 4. Quartal

Alcoa läutet das Glöckchen

Klingelingeling, Berichtssaison!

Stand: 11.01.2016, 11:46 Uhr

Wenn es an der Börse nur noch China, China, China gibt, ist es schwer, mit anderen Themen durchzudringen. Doch das wird jetzt anders. Nach US-Börsenschluss läutet der amerikanische Aluminiumkonzern Alcoa traditionell die Berichtssaison ein. Dann geht es Schlag auf Schlag.

Intel, JPMorgan, Citigroup - es geht schon gleich in der ersten Woche der Bilanzsaison hoch her. Heute gibt Alcoa den Startschuss. Streng genommen ist der Konzern gar nicht mehr der offizielle Eröffner der Berichtssaison, seit er aus dem Leitindex Dow Jones der führenden Industriewerte flog. Doch im marktbreiten S&P 500 ist Alcoa immer noch der Erste mit Zahlen, und daher ein sehr wichtiges Ereignis für die Börse.

Der Konzern galt viele Jahre als das Konjunkturbarometer, weil sein Alu überall drin steckt, ob in Cola-Dose, Smartphone-Hülle oder Flugzeugflügel. In vielen Branchen wurde der Rohstoff verbaut, im Flugzeug- und Autobau, in der Bauindustrie wie in der Verbraucherelektronik. Deshalb sind Geschäfts- und Auftragslage bei Alcoa immer noch ein kleiner Fingerzeig darauf, wie es dem Rest der Welt geht.

Alcoa mit Gewinneinbruch

Wirklich positiv sind die Signale von Alcoa bisher nicht. Der vom früheren Siemens-Manager Klaus Kleinfeld geführte Konzern schließt angesichts wegbrechender Rohsotffpreise die größte Aluminium-Schmelzhütte der USA - noch in diesem Quartal. In dem Land sinkt die Aluminium-Produktion dadurch auf den niedrigsten Stand seit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.

Der Blick auf den Aktienkurs bereitet Unbehagen, das Papier hat in den ersten Januartagen rund 18 Prozent verloren. Seit Anfang 2015 büßte die Aktie mehr als 40 Prozent ein.

Die Zahlen zum Schlussquartal 2015, die Alcoa heute Abend veröffenlticht, sehen wieder nach einem Trauerspiel aus. Der Ertrag je Aktie dürfte von 33 auf vier US-Cents je Aktie eingebrochen sein, der Umsatz von 6,4 Milliarden auf 5,2 Milliarden. Der Alu-Preis, der sich im abgelaufenen Jahr um knapp ein Fünftel reduzierte, leidet unter der schwächeren Nachfrage aus China. Gut möglich, dass zudem die Regierung in Peking die heimischen Hersteller unterstützt.

China ist überall

Da ist es wieder, das Thema der letzten Börsentage: China. Auch in der Berichtssaison wird es uns nicht loslassen, zu groß die Befürchtungen der Investoren, dass das nachlassende Wirtschaftswachstum der Volksrepublik auch das Weltwirtschaftsgetriebe zum Stottern bringt.

Die großen Wall-Street-Häuser geben ebenfalls Einblick in ihr Zahlenwerk, allen voran JPMorgan Chase am Donnerstag, gefolgt von Citigroup und Wells Fargo am Freitag. Die Institute sind noch längst nicht wieder so fit wie vor der Krise. Zwar sind die fünf größten US-Banken fast ein Viertel größer als vor der Finanzkrise des Jahres 2008. Doch das hat sich nicht im Gewinnwachstum niedergeschlagen. Die niedrigen Zinsen sind derzeit eine große Belastung, im Anleihehandel lässt sich beispielsweise kaum noch Geld verdienen.

Unternehmensgewinne schrumpfen

Am Donnerstag dürfte auch Chiphersteller Intel eher düster klinger. Das Geschäft mit Mikrochips ist laut der Marktforscher von Gartner zufolge 2015 zurückgegangen. Der weltweite Halbleiterumsatz sank binnen Jahresfrist um knapp zwei Prozent auf rund 334 Milliarden Dollar gesunken sein. Die schwache Nachfrage nach wichtigen Elektronikprodukten, der starke Dollar und volle Lager belasten.

Es sieht insgesamt nach einer schwachen Berichtssaison aus. Das Jahr 2015 war bescheiden, erwartet wird ein Gewinnrückgang von 4,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 2014 erreichten die Unternehmensgewinne der im S&P 500 notierten US-Unternehmen immerhin noch ein plus von vier Prozent. Im Schlussquartal 2015 dürften einzig Telekom, Gesundheit, Finanz- und Konsumwerte noch wachsen.

Macht SAP Paukenschlag außer Reihe?

Auch wenn die deutsche Berichtssaison in der Regel zwei bis drei Wochen den US-Konzernen hinterherhinkt: Hier gab es durchaus schon erste Zahlen, so am heutigen Montag von den Automobilzulieferern Continental und Hella, gefolgt am Dienstag von den Umsatzzahlen des Handelskonzerns Metro. Einige Analysten stellen sich auch auf eine vorgezogene Bilanz von SAP ein, obwohl der Softwarekonzern als offzielles Datum noch den 22. Januar auf dem Kalender hat.

bs

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