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Servus Sonnenschein

Siemens macht Solargeschäft dicht

Erst vor wenigen Tagen hatte Siemens-Boss Peter Löscher ein zweijähriges Sparprogramm angekündigt, heute fangen die Streichungen an: Der Industriekonzern trennt sich von seiner Sonnenenergiesparte.

Das Siemens-Management nannte zur Begründung unter anderem den "starken Preisdruck" auf den Solarmärkten. Seit Monaten schon kämpfen viele deutsche Unternehmen in diesem Sektor ums Überleben. Vor allem die chinesische Konkurrenz überschwemmte die Märkte mit günstigen Angeboten. Die Erwartungen im Bereich Sonnenenergie hätten sich deshalb "nicht erfüllt", lautet das Fazit.

Siemens hatte vor allem auf Anlagen zur Stromerzeugung von Sonnenhitze gesetzt und dafür eigens die israelische Solel für mehr als 400 Millionen Dollar übernommen. Die Investitionen erwiesen sich als völliger Fehlschlag. Die Münchner mussten rund die Hälfte auf Solel abschreiben.

Markt für Spezialisten

"Der globale Markt für Solarthermie ist von vier Gigawatt auf zuletzt etwas über ein Gigawatt zurückgegangen. Hier werden künftig Spezialanbieter ihre Stärken ausspielen können", sagte Michael Süß, Vorstandsmitglied bei Siemens und Chef des Sektors Energy.

"Siemens bewegte sich außerhalb seines Kerngeschäfts. Die großen Solarunternehmen sind jedoch alle Spezialisten. Da konnte Siemens auch seine Marke nicht dagegensetzen", kommentiert Leonard Herbig, Analyst beim Zentrum für Solarmarktforschung. Siemens sei zu spät ins Solargeschäft eingestiegen und habe das Solargeschäft von Anfang an nur halbherzig betrieben, so Herbig.

Spar dich schlank

Auch von den Photovoltaikaktivitäten der Division Solar & Hydro will sich Siemens trennen. Die Division Solar & Hydro hat im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz im niedrigen dreistelligen Millionenbereich erzielt und hat rund 800 Mitarbeiter, davon 200 in Deutschland.

Bei den erneuerbaren Energien will sich Siemens künftig auf Wind- und Wasserkraft konzentrieren. Der Energiesektor des Unternehmens solle "verschlankt" werden. Mit Interessenten gebe es bereits Gespräche über den Verkauf der Solargeschäfte, die Teil des jüngst angekündigten Sparprogramms sind. Konkrete Zahlen bleiben unbekannt. Die sollen erst bei der Vorlage der Unternehmenszahlen am 8. November folgen.

Die Aktie versinkt im Mittelmaß

Im abgelaufenen Quartal hatte Siemens die Erwartungen der Fachleute klar verfehlt. Grund sei Löscher zufolge die zunehmende Investitionszurückhaltung bei unseren Kunden gewesen - und ein stärkerer konjunktureller Gegenwind, vor allem in den industriellen kurz-zyklischen Geschäften.

In den vergangenen sechs Monaten legte die Siemens-Aktie etwa 15 Prozent zu und entwickelte sich damit ziemlich genau so wie der Vergleichsindex Dax. Zum Wochenstart legt das Papier leicht zu.

Stand: 22.10.2012, 11:36 Uhr

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