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Die Zockeraktie des Jahres 2012

Wird sich die Commerzbank 2013 berappeln?

Welch ein Jahr! 2012 war für die Commerzbank-Aktie an Turbulenzen kaum zu übertreffen. Nur 12 Cent fehlten, dann hätte der Dax-Wert die Luft der Pennystock-Welt schnuppern können. Immerhin schaffte die Aktie am Ende noch ein Jahresplus. Aber wie wird 2013?

Commerzbank-Vorstandsvorsitzender Martin Blessing (Quelle: picture-alliance/dpa)

Bankchef Blessing: "Es ist ehrlich gesagt auch nicht unser Ziel, zu den weltweit gefährlichsten Banken zu gehören."

Kann sich eine Aktie, die in ihren Glanzzeiten bis zu 38 Euro wert war und heute für rund 1,44 Euro verscherbelt wird, jemals wieder erholen? Der Marktwert von Deutschlands zweitgrößter Bank ist in den vergangenen fünf Jahren um 95 Prozent eingebrochen. Einen vergleichbaren Wertvernichter gibt es unter den 30 im Leitindex Dax notierten Unternehmen nicht.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7.86
Differenz absolut
-0.51
Differenz relativ
-6.12%

Auch dieses Jahr war mäßig erfolgreich. Zwar sah es zu Jahresanfang verhältnismäßig gut aus, die Aktie schraubte sich von 1,30 Euro bis auf 2,17 Euro Mitte Februar. Doch das war der allgemeinen Börseneuphorie geschuldet. Im sich eintrübenden Marktumfeld brach auch der Commerzbank-Kurs wieder ein, bis auf 1,13 Euro.

Wie tief kann eine Aktie fallen?

Die Dax-Aktie ist zum Zockerwert schlechthin mutiert. Aber nicht nur Spekulanten interessierten sich dafür. Angesichts des stark gesunkenen Kurses mag sich so mancher wenig risikofreudige Anleger ebenso animiert gefühlt haben. Nach dem Motto: Tiefer geht's nimmer. Auch jetzt stellt sich die Frage: Ist die Aktie nun billig genug für den Einstieg, kann man es wagen? Soll heißen: Wird 2013 besser? Wird es gar das Jahr der Coba-Aktie?

Einige Experten machen bereits eine grundlegende Trendwende bei Banken aus. Die Finanzhäuser können sich wieder günstiger refinanzieren, haben wieder mehr Vertrauen zueinander und müssen daher immer weniger Liquidität bei der Europäischen Zentralbank aufnehmen. "Die Risiken steigen jetzt für den, der 2013 nicht in Banken investiert ist", behauptet sogar Dirk Becker von Kepler Capital Markets. Siehe dazu auch unseren Banken-Ausblick 2013: Bankaktien bleiben ein riskantes Spiel.

"Eine der gefährlichsten Banken der Welt"

Der Blick zurück macht jedenfalls nicht gerade Mut. Die Commerzbank-Aktie kam in diesem Jahr zwar auf ein Plus von rund elf Prozent. Das mag in Zeiten, in denen Bundesanleihen nicht einmal einen Inflationsausgleich erwirtschaften, recht viel anmuten. Die Bank liegt damit aber erstens weit abgeschlagen vom Leitindex Dax, der 29 Prozent zulegte.

Zweitens relativiert sich das Kursplus der Bank angesichts der starken Volatilität, die dem Anleger den Schlaf raubte. Kursgewinne von zehn Prozent sind auf einem derart niedrigen Niveau eben so schnell dahin, wie sie entstanden sind. Commerzbank-Chef Martin Blessing kommentierte den Abstieg seines Instituts aus dem Kreis der global systemrelevanten Banken mit frappierender Offenheit: "Es ist ehrlich gesagt auch nicht unser Ziel, zu den weltweit gefährlichsten Banken zu gehören."

Alle Banken haben seit der Krise einen schweren Stand. Das wirtschaftliche Umfeld mit tiefen Rezessionen in den südlichen Ländern der Eurozone wird sie auch im kommenden Jahr belasten - und die Gewinne der Häuser schmälern. Die Sanierung der Staatshaushalte bremst die Konjunktur, was die Erträge aus Darlehen schmelzen lässt und auch höhere Kreditausfälle bescheren dürfte. Bankaktien reagieren immer noch hochsensibel auf Nachrichten zur Euro-Schuldenkrise, wie jüngst die Regierungskrise in Italien zeigte. Banktitel gingen in Deutschland, Frankreich und den Beneluxstaaten in die Knie. Die Commerzbank-Aktie zeigt sich besonders anfällig. Denn Anleger wissen: Sie sitzt auf einem großen Paket an südeuropäischen Staatsanleihen.

Skeptische Urteile von Analysten

Die Mehrheit der Analysten sieht den Wert daher auch skeptisch. 16 raten die Aktie zu verkaufen oder stufen sie als "Underperformer" ein. Dem stehen nur vier Kaufempfehlungen/Outperform-Urteile entgegen. Weitere 13 Experten sprechen von "Halten". Die britische Investmentbank Barclays hat für Commerzbank nach dem jüngsten Investorentag nur ein "Underweight" übrig und das Kursziel bei 1,20 Euro belassen. Die Veranstaltung habe mehr Risiken offenbart als Hoffnungen geschürt, schrieb Analyst Jeremy Sigee von Exane BNP Paribas.

Kurspotenzial sieht dagegen Fairesearch-Analyst Dieter Hein. Er stuft die Cobank-Titel zwar nur noch mit "Add" ein (zuvor Buy), dafür hat er das Kursziel von 1,53 auf 1,62 Euro angehoben. Ähnliches Kurspotenzial sieht auch Citigroup-Analyst Martin Leitgeb, der die Papiere des Instituts mit "Neutral" einstuft und das Kursziel bei 1,60 Euro belässt.

Charttechnisch im Niemandsland

Die große Frage ist, ob und wann die Geschäfte wieder besser laufen werden. Die Bank arbeitet daran, das Privatkundengeschäft zu reformieren, hofft bis 2016 auf eine Million neue Kunden. Doch der hart umkämpfte Markt bringt nur magere Rendite. 2013 werde die Bank in dieser Sparte in die roten Zahlen rutschen. 2016 soll sie dann ein Betriebsergebnis von 500 Millionen Euro erzielen. Vor vier Jahren waren noch gut zwei Milliarden anvisiert worden. Auf der Gewinnseite hat die Bank enormen Nachholbedarf.

Immerhin ist die Risikobereitschaft der Anleger deutlich gestiegen, wie der Blick auf den Dax zeigt. Angesichts der Eurokrise wagen sich Anleger doch recht weit vor. Da könnte auch der ein oder andere das Risiko "Commerzbank" eingehen.

Aus charttechnischer Sicht befindet sich die Commerzbank-Aktie derzeit in einem Niemandsland. Die Zone um 1,37/1,38 Euro erweist sich als Unterstützung. In der Gegenrichtung stößt sich die Aktie an eine hartnäckige Widerstandszone bei 1,45/1,49 Euro. Erst oberhalb dieser Marke dürften weitere Aufwärtsimpulse zum Tragen kommen und die im September bereits erreichte Widerstandszone bei 1,64/1,67 Euro in den Fokus rücken.

tagesschau24 Xetra-Schluss-Bericht vom 21.05.2013

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