Aktie des Tages Tesla: Droht dem Kult der Sell Off?

Stand: 14.09.2017, 11:54 Uhr

Im Mittelpunkt der IAA steht diesmal ein Autobauer, der in Frankfurt gar nicht präsent ist: Tesla. Die Kalifornier sind die derzeit erfolgreichsten E-Autohersteller. Doch die Aktie kommt seit Monaten nicht weiter voran, gerät unter Druck. Droht jetzt der Absturz?

Tatsächlich fehlt der Tesla-Aktie seit der Einführung des Model 3, Teslas preiswerterem Elektroauto, die Fantasie. Auch gibt es Schätzungen, dass das Unternehmen trotz zwei umfangreicher Kapitalaufnahmen - zwei Milliarden Dollar über eine Aktienemission im Mai 2016 und weitere 1,15 Milliarden über Aktien und Wandelanleihen im März dieses Jahres - nur so viel Kapital hat, um die nächsten drei Quartale zu überleben.

Auffällig ist, dass sich institutionelle Investoren in den letzten Wochen aus der Tesla-Aktie verabschiedet haben. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, haben die beiden Top-Investoren Fidelity Investments und T. Rowe Price ihre Anteile am Elektroautobauer im zweiten Quartal stark verringert und angedeutet, sich weiter zurückziehen zu wollen. So hat der Fonds Fidility OTC Portfolio seinen Tesla-Anteil im vergangenen Quartal um satte 43 Prozent verringert.

Großanleger nehmen Gewinne mit

T. Rowe Price Growth Stock Fund hat sogar fast die Hälfte seiner Tesla-Anteile (48 Prozent) verkauft. Beide Fonds betonten zwar, dass sie trotz dieser Gewinnmitnahmen weiterhin unter den zehn größten Tesla-Investoren seien — dennoch schüren sie Skepsis über den weiteren Verlauf der Tesla-Aktie. Ein Morgan Stanley-Fonds hat sich den Verkäufern bereits angeschlossen - offenbar aus Furcht vor einem Absturz der Aktie.

Besucher der Tesla 3-Präsentation fotografieren das neue Modell

Tesla 3. | Bildquelle: picture alliance / Justin Pritchard/AP/dpa

Glaubt man dem Datenanbieter "Edgar Online“, haben institutionelle Investoren Ende Juni noch 95,2 Millionen Tesla-Aktien besessen - 10,7 Millionen weniger als am Ende des ersten Quartals. Wirklich überraschend sind diese Verkäufe nicht, ist die Aktie in der ersten Jahreshälfte doch fantastisch gelaufen. Zwischen Dezember 2016 und Juni 2017 hat sich der Kurs nahezu verdoppelt. Ein ausgezeichneter Grund, um Gewinne mitzunehmen, weiß doch jeder erfahrene Anleger, dass ein solch rasantes Wachstum nicht lange durchzuhalten ist.

Ehrgeizige Pläne

Die britische Fondsgesellschaft Jupiter mahnt dennoch zur Vorsicht. Die Tesla-Aktie schneide bei einer Reihe von quantitativen Screenings schlecht ab und zeige Warnsignale. Sie sei schlichtweg zu teuer. Ihre hohe Bewertung beruhe vor allem auf Versprechungen, nicht auf Tatsachen.

So will Tesla seine Produktion von 90.000 Fahrzeugen im Jahr 2016 auf 500.000 im Jahr 2018 und eine Million im Jahr 2020 erhöhen. Am 26. Oktober will Tesla einen E-LKW vorstellen. Für die Experten von Jupiter "ein ziemlich ehrgeiziger Plan für einen jungen Autohersteller, der bisher noch kein Auto gewinnbringend produziert hat, reihenweise geringere Ziele verfehlt hat und Autos in der gleichen Geschwindigkeit herstellen muss wie die effizientesten Fabriken von GM und Ford".

Tesla-Chef Elon Musk

Elon Musk. | Bildquelle: picture alliance / Ben Macmahon/AAP/dpa

Dabei gehören die Produktionsanlagen von GM und Ford nicht gerade zu den rentabelsten der Autowelt. Vielmehr wird Tesla ab dem kommenden Jahr mit der Konkurrenz der Deutschen rechnen müssen. Mit einer Offensive bei Elektrofahrzeugen versuchen die hiesigen Hersteller die Diesel-Krise hinter sich zu lassen. Allein Volkswagen erhöht die Investitionen in E-Autos auf 20 Milliarden Euro und plant bis zum Jahr 2025 mehr als 80 neue Autos mit Elektromotor. Konzernchef Matthias Müller kündigte an, dass es bis 2030 für jedes der weltweit rund 300 Modelle des VW-Konzerns mindestens eine elektrifizierte Variante geben werde. BMW will dem aufstrebenden US-Elektroautobauer Tesla mit einem Elektro-Coupé demnächst Paroli bieten. Daimler stellt seine Kleinwagenmarke Smart komplett auf elektrische Antriebe um.

Kultstatus

Im Gegensatz zu den etablierten Herstellern, wird Tesla aber auch von einer ungeahnten Hoffnung gestützt. Bob Lutz, der fürhere Vizechef von GM, hat die Tesla-Anhänger mit Mitgliedern eines religiösen Kults verglichen, die den Gründer und Chef Elon Musk als "neuen visionären Gott ansehen, der diese phantasmagorische Zukunft, eine Utopie von Profitabilität und Umsatz, verspricht.“

Diese Aura überdecke fundamentale Probleme wie die mangelnde Profitabilität, den unersättlichen Kapitalbedarf von Tesla sowie Musks eigenen, angeblich umweltschädlichen Lebensstil, erklären die Experten von Jupiter. Auch werde Tesla als Teil der Lösung der allgemeinen Umwelt- und Verkehrsprobleme gesehen. Mit einem Produktangebot, das Elektrofahrzeuge, Batterietechnologie und Solarenergie beinhaltet, gelte das Unternehmen aus ökologischen Gesichtspunkten als ein Hoffnungsschimmer. Im Klartext heißt das: die Tesla-Aktie mag ihren Zenit vorläufig überschritten haben, ein jäher Absturz droht aber nicht.

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Tesla

Tesla lehrte die europäischen Autohersteller das Fürchten. Das Unternehmen aus Palo Alto hat mit Elektrofahrzeugen den Markt aufgemischt. Auch in Deutschland hat Tesla die Elektromobilität vorangetrieben - wenn auch nur auf bescheidenem Niveau. Die Bundesnetzagentur listet aktuell 3.211 Ladestationen in ganz Deutschland. Klicken Sie sich durch einige interessante Elektro-Modelle.

lg

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